Den richtigen Weg wählen

Ohne Hektik in die Cloud

„Jetzt hektisch alle Prozesse zu digitalisieren und in die Cloud zu bringen, ist nicht der richtige Weg“, betont Jesse Stockall, Chief Architect, Cloud Management bei Snow Software.

Jesse Stockall, Chief Architect, Cloud Management bei Snow Software

„Die Auswirkungen der Pandemie werden uns noch einige Zeit begleiten“, meint Jesse Stockall von Snow Software.

ITD: Herr Stockall, welchen Einfluss hat die Corona-Krise bislang generell auf die Cloud-Nutzung in Deutschland ausgeübt?
Jesse Stockall:
Covid-19 hat die Digitale Transformation in vielen Bereichen beschleunigt und somit die generelle Abhängigkeit von Cloud-Services und -Infrastrukturen deutlich verstärkt. Für viele IT-Teams sind komplexe, hybride IT-Umgebungen ein wesentlicher Teil dieser neuen Realität geworden.

ITD: Inwieweit mussten Großunternehmen im Rahmen der Krise, die z.B. viele Mitarbeiter ins Homeoffice „getrieben“ hat, ihre Cloud-Strategie ändern/anpassen?
Stockall:
Laut einer von uns in Auftrag gegebenen Umfrage waren mehr als 91 Prozent der Unternehmen gezwungen, ihre Cloud-Strategie zu ändern. Ein Haupttreiber dafür waren der erhöhte Bedarf an Fernarbeit bzw. Homeoffice sowie die durch Technologiekosten angespannten IT-Budgets. Insbesondere die Cloud-Kosten sind bei IT-Abteilungen nun in den Mittelpunkt gerückt.

ITD: Welche Art der Cloud-Nutzung herrscht in Großunternehmen vor: Private Cloud, Public Cloud, Multi-Cloud...?
Stockall:
Acht von zehn Unternehmen verfolgen laut einer Umfrage von Forrester Research heutzutage eine Multi-Cloud-Strategie. Dieser „Pick-n-Mix“-Ansatz ermöglicht, die spezifischen Fähigkeiten verschiedener Cloud-Lösungen flexibel je nach Anforderungsprofil zu nutzen, und entwickelt sich zweifellos zur Norm. Die effiziente Verwaltung einer solchen Cloud-Umgebung ist jedoch eine Herausforderung.

ITD: Was lagern die Unternehmen aktuell vornehmlich in die Cloud aus und warum?
Stockall:
Die Public Cloud wurde ursprünglich nur für Entwicklungs- und Testumgebungen und unkritische Rechenzentrumsdienste genutzt. Das hat sich in den letzten Jahren mit dem Outsourcing aller möglichen Arten von Anwendungen in die Cloud geändert. Bedenken gibt es nur noch bei Workloads, die mit Altsystemen zusammenhängen und solchen, bei denen es um die eigene Datenhoheit oder regulatorische Bedenken geht. Die meisten Firmen verfolgen heute eine Cloud-First- oder Cloud-Preferred-Strategie bei neuen Workloads.

ITD: Wie verhält es sich mit der Komplexität der Verwaltung der Cloud-Infrastrukturen?
Stockall:
Die Verwaltung komplexer Cloud-Infrastruktur erfordert eine dedizierte Cloud-Management-Strategie. Generell sind dabei Kommunikation, Planung und Messung die richtigen Schlüssel zum Erfolg. Wichtig ist, zunächst ein Anforderungsprofil, Ziele und Erwartungen festzulegen – insbesondere was die Kosten angeht. Das Fehlen einer umfassenden Strategie kann ein Unternehmen einem erhöhten Risiko aussetzen, unvorhergesehene Kosten verursachen und Schatten-IT fördern, wenn Mitarbeiter Cloud-Dienste einfach selbst bestellen und nutzen.

ITD: Mit welchen Tools und IT-Lösungen lassen sich Cloud-Infrastrukturen übersichtlich und sicher managen?
Stockall:
Die Standard-Tools einzelner Cloud-Anbieter sind ein guter Anfang, jedoch bieten diese im Vergleich zu spezialisierten Tools weniger Tiefe und fördern gezielt die Bindung an den jeweiligen Anbieter. Eine umfassende Visibilität aller IT-Ressourcen über verschiedene Cloud-Anbieter hinweg erreicht man hingegen durch plattformneutrale Monitoring-Tools, wie etwa die Cloud-Management-Plattform Snow Commander, die speziell zur Überwachung und Optimierung von Multi-Cloud-Umgebungen konzipiert sind.

ITD: Welche Stolpersteine und Herausforderungen tauchen dennoch manchmal auf?
Stockall:
Leider scheitern Unternehmen bei der Verwaltung von Multi-Cloud-Umgebungen häufig an der unternehmensweiten Durchsetzung von Standards. Dies führt dann zu falsch konfigurierten oder nicht ausgelasteten Ressourcen, die wiederum hohe Kosten nach sich ziehen und das Unternehmen unnötigen Risiken aussetzen.

ITD: Worauf sollten Unternehmen achten, wenn Sie sich kurzfristig dazu entscheiden, noch in diesem Jahr in die Cloud zu gehen, und ihr IT-Budget nicht sprengen wollen?
Stockall:
Unternehmen, die sich bisher der Cloud entzogen haben, sind in der klaren Minderheit. Im Gegenteil: Deutsche KMU sind auch im weltweiten Vergleich gut aufgestellt: Nach Zahlen des Branchenverbandes Bitkom setzen in Deutschland bereits drei von vier Unternehmen auf Cloud Computing und die Tendenz ist steigend. Nachzügler sollten bei den Kernprozessen anfangen und die Cloud-Transformation dann schrittweise auf die vor- und nachgelagerten Prozesse auszuweiten. Jetzt hektisch alle Prozesse zu digitalisieren und in die Cloud zu bringen, ist nicht der richtige Weg.

ITD: Was gehört nach wie vor besser nicht in die Cloud und warum?
Stockall:
Wann immer geschäftsrelevante Daten und Anwendungen in die Cloud ausgelagert werden, sollten der spezifische Schutzbedarf und ein tragfähiges Sicherheitskonzept herausgearbeitet werden. Daten mit hohem Schutzbedarf gehören grundsätzlich in die Private Cloud, da das Unternehmen hier selbst die Kontrolle ausübt. Ebenso sind Anwendungen mit komplexen Abhängigkeiten von Legacy-Systemen keine guten Kandidaten für einen Umzug. Bevor Unternehmen eine Migration in Betracht ziehen, sollten in jedem Fall die Compliance-, Performance- und Sicherheitsanforderungen genau geprüft werden.

ITD: Wie geht es nach der Krise mit der Cloud weiter, wenn vielleicht nicht mehr so viel Homeoffice angesagt ist?
Stockall:
Fakt ist: Die Auswirkungen der Pandemie werden uns noch einige Zeit begleiten. Aber die Unternehmen werden digitaler und flexibler aus dieser Krise hervorgehen – auch dank der Cloud. Ich bin daher überzeugt, dass Homeoffice und Cloud Computing auch nach der Krise deutlich über dem Vorkrisenniveau nachgefragt werden. Snow hat eine Umfrage unter IT-Führungskräften durchgeführt und knapp zwei Drittel der Befragten gab an, dass die Cloud-Dienste und -Anwendungen, die während der Krise implementiert wurden, auch nach der Rückkehr der Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz weiter genutzt werden sollen.

Bildquelle: Snow Software

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