Bundesregierung gefordert

Oligopole im IT-Markt bekämpfen

Der Bundesverband der IT-Anwender, kurz Voice, fordert die künftige Bundesregierung auf, eine weitere Marktkonzentration im Bereich Anbieterplattformen und Enterprise-Software zu verhindern. Dies ist eine von insgesamt 14 Forderungen, die der Verband hinsichtlich der künftigen Digitalpolitik der Bundesregierung formuliert hat.

Oligopole im IT-Markt bekämpfen

Die künftige Bundesregierung ist gefordert, Oligopole im IT-Markt zu bekämpfen.

In den letzten Jahren haben sich starke Anbieterplattformen (Appstores, Suchmaschinen, Soziale Netzwerke) herausgebildet, die aufgrund der Eigendynamik des Marktes zu einer Konzentration auf wenige Anbieter geführt haben. Amazon, Apple, Google, Facebook oder Twitter zählen hier wohl zu den bekannteren Beispielen.

Weitere wettbewerbseinschränkende Effekte entstehen durch „einzigartige“ Kundenbindungen beim Einsatz von Informationssystemen beispielsweise für ERP, so der Anwenderverband. Dabei müssen die Kunden zum Teil sehr umfangreiche Mittel für Systemkonzeption, Schnittstellen zu anderen Systemen und die Schulung der Mitarbeiter aufwenden, um produktiv zu sein. Aus diesem Grund kann ein Anbieterwechsel zu einer extremen Hürde werden, auch wenn der gerade genutzte Anbieter bei weitem keine marktbeherrschende Stellung hat.

Wie Plattformanbieter den Sourcecode inspizieren

Nicht selten gelingt es Plattformanbietern, ihre proprietären Schnittstellen – die zumeist weder genormt noch standardisiert sind – bei den Kunden durchzudrücken. Deshalb können alternative Plattformen die Nutzergruppen etablierter Plattformen nicht so einfach abwerben. Einzelne Plattformanbieter gehen laut Voice dabei sogar soweit, nur Software den Zugriff auf ihre Plattform zu erlauben, deren Sourcecode sie selbst inspizieren. Damit ist das Gleichgewicht bezüglich der Wahrung von Eigentumsrechten und dem gegenseitigen Wissen über die technischen Implementierungsdetails drastisch zu Gunsten des Plattformbetreibers verschoben.

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband die Bundesregierung auf, Maßnahmen einzuleiten, mit denen für Anwenderunternehmen ein Wechsel zwischen alternativen Plattformen erleichtert bzw. die Kompatibilität der Plattformen zu einander verbessert wird. Bei Kommunikationsmedien müsse außerdem die Möglichkeit der plattformübergreifenden Verbindung zwischen Nutzern verschiedener Plattformen durch vorzuhaltende Schnittstellen erzwungen werden. „Das Kartellrecht muss so erweitert werden, dass wettbewerbsverhindernde Eigenschaften von Plattformen (zum Beispiel fehlende Schnittstellen zu anderen Systemen) untersagt werden können“, lautet eine weitere Forderung.

Hans-Joachim Popp, Mitglied des Voice-Präsidiums und Sicherheitsbeauftragter des Bundesverbandes, sieht in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf: „Die heutige Architektur der Plattformen mit ihren spärlichen, konsequent proprietären und nicht-standardisierten Schnittstellen schränkt den Wettbewerb viel zu sehr ein und behindert so die Innovationen neuer Anbieter. Wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden, zementiert das die heutigen Marktverhältnisse, in denen bekanntlich wenige große Anbieter weltweit dominieren.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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