Reinigen nach Plan

Optimale Reinigung von Rechenzentren

Wie man die Reinigung in Rechenzentren richtig organisiert und dabei die physische Sicherheit im Data Center weiterhin gewährleistet, erklärt Dimitry Pavlotsky, Geschäftsführer bei Ping Rechenzentrumsreinigung.

  • Dimitry Pavlotsky, Ping Rechenzentrumsreinigung

    Dimitry Pavlotsky, Geschäftsführer der Ping Rechenzentrumsreinigung GmbH in Berlin.

  • Reinigung von Rechenzentren

    Einblick in die Reinigung von Rechenzentren

IT-DIRECTOR: Herr Pavlotsky, in welchen Zeitabständen sollte die Reinigung von Rechenzentren vorgenommen werden?
D. Pavlotsky:
Hier kommt es stets auf die Ziele und Weitsicht eines RZ-Betreibers an. Wir leben im Zeitalter der harten Konkurrenz der hypermodernen Rechenzentren. RZ-Betreiber sind bereit, fast alles zu tun, um sich von den Mitbewerbern abzuheben. Dabei spielen logischerweise die Nachhaltigkeitsaspekte eine große Rolle.

Unserer Beobachtung nach, wird bei der RZ-Planung bereits während der Entwurfsphase nachhaltig geplant, in dem die wichtigsten operativen Facility-Management-Prozesse (darunter Rechenzentrumsreinigung) einzeln entworfen werden. Im nächsten Schritt werden die schematischen Prozessdarstellungen übereinandergelegt. Dadurch werden Engpässe und Optimierungspotentiale sichtbar.

IT-DIRECTOR: Können Sie ein Beispiel nennen?
D. Pavlotsky:
Die Anlieferung und die Reinigung sollten integral geplant werden, um die Kontamination der Rechenzentren durch Verpackungen auszuschließen. Dabei spielt es keine große Rolle, ob die Rechenzentren grundsätzlich nachhaltig handeln oder eine Green-Building-Zertifizierung z.B. nach der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) anstreben. In beiden Fällen wird rechtzeitig über einen nachhaltigen Gebäudebetrieb nachgedacht und dadurch von der Masse unterschieden. Operative Facility-Management-Firmen wie wir werden bereits in eine Vorplanung des RZ integriert, die Planer erhalten eine Rückmeldung aus dem „realen“ Leben eines RZ und können ein besseres Ergebnis liefern. Im Endeffekt gewinnt der „weitsichtige“ Betreiber ein perfektes RZ-Reinigungskonzept bzw. eine erstklassige Ausschreibungsvorlage und hebt sich auch dadurch von den Mitbewerbern ab.

Ein Turnus einer Rechenzentrumsreinigung ist Teil der Gesamtkonzeptionen eines Gebäudebetriebes und wird von uns individuell und abhängig der technischen RZ-Realisierung entworfen, abgestimmt und verabschiedet. Ein Rechenzentrum mittleres Standards mit z.B. Kühlung im Doppelboden, Kaltgangeinhausung und geringem Personenverkehr teilen wir in zwei Reinigungsgruppen: Gruppe 1 mit Turnus 4-mal im Jahr – äußere Hülle der Kaltgänge und Oberfläche des Doppelbodens. Gruppe 2 mit Turnus einmal in zwölf bis 18 Monaten – komplexe Reinigung der Kabeltrassen, Technische Gebäudeausrüstung (TGA) und Hardware im Betrieb sowie Hohlraumbodens.

IT-DIRECTOR: Worauf muss bei der Reinigung im Rechenzentrum besonders geachtet werden?
D. Pavlotsky:
Als erstes auf die Qualifikation und Ausrüstung des Dienstleisters, die nachgewiesen werden sollte. Im weiteren auf die klare Definition des Reinigungsergebnisses, d.h. unabhängig ob auf der qualitativen oder funktionalen Ebene einer Rechenzentrumsreinigung – der RZ-Betreiber muss die Standards vorgeben. Und nicht zuletzt auf die transparente Planung und klare Abstimmung der Reinigung vom Dienstleister noch vor der Ausführung.

IT-DIRECTOR: Welches sind die schlimmsten Fehler, die RZ-Betreiber bei der Rechenzentrumsreinigung inklusive Doppelböden machen können?
D. Pavlotsky:
Der schlimmste Fehler ist, die RZ-Reinigung ohne jegliche Planung innerhalb der RZ-Betriebsplanung laufen zu lassen. Ein besonders fataler Fehler ist es zu glauben, dass der Gebäudereiniger auch ein RZ reinigen kann bzw. nach einer Ausschreibung den billigsten Anbieter ohne Prüfung der Qualifikation und Ausrüstung ins Data Center zu lassen.

IT-DIRECTOR: Welche Putzaktionen oder Putzmittel erweisen sich im RZ-Umfeld als kritisch?
D. Pavlotsky:
Vorab einmal bitte ich um Nachsicht, aber der Begriff „putzen“ ist in unserem Betrieb ein absolutes „No Go“, da er nicht auf ein Rechenzentrum anwendbar ist. Ein IT-Techniker würde sofort kündigen, wenn man ihn für eine „Putzaktion“ einsetzt. Besonders kritisch für eine Rechenzentrumsreinigung ist grundsätzlich die Feuchtigkeit, die wir erst nach einer gründlichen Prüfung selektiv einsetzen. Besonders ESD-Bereiche (Elektrostatische Entladung) wie Racks oder Doppelboden sind ausschließlich mit geeigneten ESD-Reinigungsmitteln zu behandeln.

IT-DIRECTOR: Inwiefern kann man sichergehen, dass das Reinigungspersonal den Sicherheitsstandards im RZ Folge leistet?
D. Pavlotsky:
Soweit wir von der physischen Sicherheit im RZ sprechen, orientieren wir uns bei der Schulung und Einweisung der Mitarbeiter in wesentlichen nach der ISO/IEC 27001, basierend auf IT-Grundschutz sowie der DIN 31051. Weitere Orientierung bietet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seit vielen Jahren in seinen fortentwickelten Grundschutz-Handbüchern.

Eine weitere Orientierung sind für uns neue „innovative“ Strategien wie z.B. die „Zuverlässigkeitsorientierte Instandhaltung“ (Reliability Centered Maintenance, RCM). Wir haben mit Ausnahme der Standard-Kontrollprogramme eine standardisierte Unterweisung unserer Mitarbeiter entwickelt. Wir sind überzeugt, dass es erforderlich ist, unsere Mitarbeiter vor jedem Auftrag für die Risikobereiche sicherer Serverschrank, Netzwerkverkabelung, Doppelboden, Kabeltrassen etc. zu unterweisen. Soweit die RZ-Betreiber eigene Sicherheitsstandards und Unterweisungen vor der Rechenzentrumsreinigung haben, werden diese selbstverständlich mit höchster Priorität implementiert.

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