Entwicklungen im ECM-Markt

Papierloser Arbeitsplatz in weiter Ferne?

Interview mit Dieter Woeste, Geschäftsführer beim Systemhaus Alos, über Dokumentenprozesse, die Integration verschiedener Datenquellen und künftige Entwicklungen im Enterprise-Content-Management-Markt (ECM)

  • Dieter Woeste, Bildquelle: Mike Henning

    Dieter Woeste, Geschäftsführer von Alos

Die Deutschen verbrauchen im Durchschnitt 250 kg Papier pro Kopf im Jahr, womit die Bundesbürger – laut Greenpeace – Negativspitzenreiter im Papierverbrauch sind. Kein Wunder also, dass Umweltschützer – und nicht nur diese – den Weg zum papierarmen Büro befürworten. In einer Arbeitswelt, die geprägt ist von Laptops, Tablets und Smartpones, scheint die Reduzierung von Ausdrucken gar nicht so abwegig. Doch trotz aller Anstrengungen, die Zettelwirtschaft abzuschaffen, und der durchaus leistungsfähigen Software, liegt der papierlose Arbeitsplatz noch in weiter Ferne.

Aufgrund der Fülle an Daten – ob digital oder gedruckt – ist daher ein gut funktionierendes Dokumenten-Management-System (DMS) ebenso wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen wie ein funktionierender Workflow. Als Systemhaus für Enterprise Content Management (ECM) hat sich das Kölner Unternehmen Alos GmbH auf die Planung und Einführung von Softwaretechniken zur Erfassung, Speicherung und Bereitstellung von Dokumenten und Informationen spezialisiert. Wir sprachen mit Dieter Woeste über digitale Workflowprozesse und ein „Intelligent Indexing“ in der Cloud.

IT-DIRECTOR: Herr Woeste, die IT-Branche ist bekannt dafür, Trends ins Leben zu rufen, die sich nach einiger Zeit als unrealistisch erweisen. Ist das papierlose Büro einer davon?
D. Woeste:
Das papierlose Büro ist meiner Meinung nach Wunschdenken, denn völlig ohne Papier werden wir auch in Zukunft nicht arbeiten. Ich würde eher den Begriff papierarm verwenden. Denn viele Prozesse, die vor Jahren zur Bearbeitung Belege erforderten, die dann manuell aufwendig abgelegt wurden, können heute in digitaler Form automatisiert und standardisiert abgebildet werden. Genau hier bringen wir unsere Capturing-Kompetenzen ein, also das Scannen von Belegen, Auslesen von relevanten Informationen und den Export zur Archivierung sowie die weitere Bearbeitung im Folgeprozess.

IT-DIRECTOR: Ihr Hauptaugenmerk liegt also auf der Planung und Einführung von Softwaretechnologien zur Digitalisierung?
D. Woeste:
Ja, das ist ein traditionelles Thema bei uns, denn bereits vor mehr als zehn Jahren haben wir die erste Version der Erfassungssoftware „Alos-Scan“ herausgebracht. Diese hauseigene Lösung ist im Laufe der Zeit mit den Anforderungen unserer Kunden gewachsen und zwar insbesondere durch die von Scan-Dienstleistern gewünschte Flexibilität bei der Verarbeitung. Heute bieten wir ein sehr komplexes System mit verschiedenen Modulen an, das nach Kundenwünschen skaliert und von unserem Entwicklerteam nach Kundenwunsch individuell angepasst wird.

IT-DIRECTOR: Sind denn spezielle Anpassungen im Bereich der Scannertechniken gefragt?
D. Woeste:
Es ist schon erstaunlich, mit welchen speziellen Wünschen und Anforderungen unsere Spezialisten konfrontiert werden, zumal es eine Vielzahl von standardisierten Produkten am Markt gibt. Dazu zählen Erfassungslösungen wie Kodak Capture Pro oder Kofax Capture, die wir ebenso anbieten und als zertifizierter Partner supporten. Mit Alos-Scan jedoch haben wir die Möglichkeit dem Anwender eine Software mit hohem Individualisierungsgrad zu bieten. So haben wir für den Bankenbereich ein Frontend-System mit vielen Besonderheiten zum Einscannen von Dokumenten und Zahlungsbelegen entwickelt sowie einen direkten Export an das zentrale Content-Management-System. Oder wir passen Benutzeroberflächen entsprechend an, wenn vor allem eine einfache Bedienbarkeit mit wenigen klaren Symbolen im Vordergrund steht.

IT-DIRECTOR: Ist ein Capturing-Prozess in den meisten Bereichen nicht sehr ähnlich gelagert. Welche Anpassungen sind da überhaupt möglich und notwendig?
D. Woeste:
Wir sprechen hierbei über Midrange- und Produktionsscanner – nicht über kleine Scannermodelle, die mit dem Treiber der Hersteller eingesetzt werden können – sondern über die Organisation und Kontrolle eines kompletten Arbeitsablaufs für tausende bis zehntausende Dokumente pro Tag. Dabei sind Themen gefragt wie Bildoptimierung, OCR-technische Auslesung (Optical Character Recognition), Integration von Datenbankabfragen, individueller Stapelverarbeitung, Sicherheit, Daten- und Formatexporte, Monitoring und vieles mehr. Bei der Auswahl der Scanner-Hardware für ein leistungsgerechtes Gesamtsystem bringen unsere Fachberater darüber hinaus unsere langjährige Service- und Supporterfahrung ein. Außerdem engagieren wir uns bei der Gestaltung von ergonomischen Arbeitsplätzen, etwa mit unseren speziellen Scanner-Tischen.

IT-DIRECTOR: Aus der Versicherungsbranche kennt man die „Dunkelverarbeitung“, also die vollautomatisierte Korrespondenz. Wie zuverlässig sind diese Systeme?
D. Woeste:
Die sogenannte Dunkelverarbeitung wird von unseren Kunden beispielsweise im Rechnungswesen eigesetzt. Eingangsrechnungen werden eingescannt und automatisch ausgelesen. Stimmen diese mit den hinterlegten Bestelldaten der Warenwirtschaft überein, kann der Vorgang bis zu einer Buchung führen – ohne, dass jemand das Dokument gesehen hat. Dafür sind entsprechende Sicherheitsmerkmale eingerichtet und stichprobenartige Qualitätsprüfungen notwendig. Dem System als solchem kann auf Grund der hohen Zuverlässigkeit moderner Erkennungstechnologien vertraut werden. Es gibt natürlich eine Vielzahl anderer Prozesse, wie die Klassifizierung von Dokumenten und E-Mails im Posteingang. Die Ergebnisse der Auslesung bilden die Grundlage für eine strukturierte Ablage sowie eine automatisierte Weiterverarbeitung und Beantwortung.

IT-DIRECTOR: Die Bearbeitung kommt noch hinzu, wobei es allein schon die nahezu unkontrollierbare E-Mail-Flut zu beherrschen gilt?
D. Woeste:
Es ist mittlerweile gängige Praxis im Geschäftsverkehr Aufträge per E-Mail zu erteilen und zu bestätigen – diese Mails sind somit rechtlich relevante Dokumente. Im schlimmsten Fall sind diese Mails auf lokalen Rechnern gespeichert wodurch unerwünschte und für das Unternehmen unsichere Archivinseln entstehen. Wir verfolgen mit unserem Kernsystem Docuware das Konzept eines gemeinsamen Dokumentenpools mit standortunabhängigen Zugriffmöglichkeiten. Dabei wird eine automatisierte E-Mail-Archivierung heute von Dokumenten-Management-Systemen mit entsprechenden Modulen souverän beherrscht. Übrigens vertreibt Alos seit mehr 20 Jahren erfolgreich das DMS Docuware und zählt damit zu einem der ersten und bedeutendsten Vertriebspartner des gleichnamigen Softwareherstellers.

IT-DIRECTOR: Wenn wir über durchgängige Informationsverarbeitung sprechen, geht es vielmehr nicht nur um postalisch ein- und ausgehende Papierstücke, sondern zunehmend um digitale Dokumente?
D. Woeste:
Das ist richtig, wobei ein Blick auf das gegenwärtige Kommunikationsverhalten erahnen lässt, dass wir uns künftig neben Papier und E-Mails zusätzlich mit mobilen Kommunikationssystemen und Social-Media-Themen auseinandersetzten müssen. Mit Multi-Channel-Capture-Technologien haben wir bereits die Möglichkeit auch diesen digitalen „Posteingang“ als strukturierte Daten in das Unternehmen und dessen Geschäftsprozesse einfließen zu lassen. Sicherlich kommen bald noch geschäftsrelevante Kundendaten aus dem CRM-Umfeld hinzu, die über entsprechende Plattformen auswertbar im Unternehmen vorgehalten werden sollten.

IT-DIRECTOR: Die Grenze zwischen DMS/ECM- und CRM-Systemen verschwimmen demnach. Kooperieren Sie daher auch mit CRM-Anbietern?
D. Woeste:
Derzeit noch nicht, aber wir werden darauf hinarbeiten. Kürzlich führten wir interessante Gespräche mit Kodak über deren neue Software „Info Insight". Diese Plattform portiert Daten über verschiedenste Schnittstellen und ermöglicht derartige integrative Prozesse. Kodak verfolgt neben den klassischen Capture-Lösungen zunehmend eine Sortimentserweiterung in Richtung Softwarelösungen für den ECM-Markt. Diese Softwarethemen sind für uns hochinteressant, zumal sehr gute langjährige Beziehungen zu unserem Hauptlieferanten von Scanner-Hardware bestehen.

IT-DIRECTOR: Wie kommt Alos denn bei den Anwendern ins Auswahlgespräch: als Software-Anbieter, als Beratungshaus oder als Partner etwa von Kodak, Kofax oder Docuware?
D. Woeste:
Es ist ein Mix aus allem. Bekannt sind wir als Handelshaus mit Hardwarevertrieb und einem bedeutenden technischen Vorort-Service. Bei Bedarf an Produktions-Scannern werden wir auf Grund unseres guten Rufes im Support oftmals direkt angesprochen. Wir profitieren natürlich auch stark von Tipps der Hersteller, die ein indirektes Vertriebsmodell haben und uns als zuverlässigen, kompetenten Partner schätzen. Darüber hinaus versuchen wir durch vielfältige Aktivitäten wie Infoseminare, Messen, Presseberichte, Newsletter, Online-Marketing, Anwenderberichte und vieles mehr eine Marktpräsenz und Wahrnehmung für die DMS/ECM Themen unseres Hauses zu schaffen.  

IT-DIRECTOR: Aus welchem Geschäftsumfeld stammen Ihre Kunden?
D. Woeste:
Unser traditioneller Schwerpunkt auf Highend Capturing spiegelt sich wieder in unserer Kundenstruktur: Bei nahezu allen der deutschen Top-500-Unternehmen ist Scanner-Hardware von uns im Einsatz. Und zwar hauptsächlich bei Versicherungen, Banken, Industrie und Handelsbetrieben. Mit unseren DMS- und ECM-Systemen sind wir hingegen überwiegend im Mittelstand vertreten und das passt auch sehr gut zu uns als Systemhaus mit 100 Mitarbeitern.

IT-DIRECTOR: Haben Sie sich auf ein bestimmtes Klientel innerhalb des Mittelstandes spezialisiert?
D. Woeste:
Zunächst möchte ich klarstellen, dass unsere Softwarelösungen grundsätzlich branchenneutral sind. Es gibt durchaus Anbieter, die sich auf eine Branche oder einen Marktbereich spezialisiert haben. Bei unserer Akquise fokussieren wir uns gerne auf Handels-, Fertigungs- und Dienstleistungsunternehmen, da unserem Vertrieb die Prozesse in diesen Unternehmen recht bekannt sind. Alos hat in diesem Segment eine Vielzahl von Installationen und weist namhafte Referenzen vor.

IT-DIRECTOR: Trotzdem: Mit wachsendem Individualisierungsgrad werden Projekte komplexer. Steigt damit auch die Nachfrage nach Beratungsleistungen?
D. Woeste:
Die Komplexität hat nach unseren Beobachtungen in den letzten Jahren ständig zugenommen. Früher wurde ein Docuware DMS noch aus der Box installiert und war für die meisten Anwender lediglich ein elektronisches und revisionssicheres Archivierungsmedium. Der Anspruch an heutige Systeme ist ein ganz anderer – integrative Prozesse rund um Finanzbuchhaltung, Enterprise Resource Planning (ERP), Workflow und andere stehen im Fokus. Um dem Anspruch bei Beratungsleistungen und komplexerem Projektmanagement gerecht zu werden, haben wir unsere Presales- und Projektteams kontinuierlich ausgebaut.

IT-DIRECTOR: Immer mehr Unternehmen verabschieden sich von ihren eigenentwickelten Systemen und setzen auf Standardsoftware. Spielt dabei nicht so sehr der Individualisierungsgrad des einzelnen Produktes eine Rolle, als viel mehr das integrative Zusammenspiel aller vorhandenen Produkte?
D. Woeste:
Ja, man konnte insbesondere im Bereich der Scan-Clients von DMS-Anbietern eine Abkehr von Eigenentwicklungen zugunsten von Standardprodukten feststellen. Die technischen Weiterentwicklungen bei Hardware und Image-Optimierung sind oftmals so schnell, dass neue Funktionalitäten von Scannern nicht nutzbar sind. Wie bereits erwähnt haben wir es in einem Projekt mit dem integrativen Zusammenspiel von Softwarelösungen zu tun. Dieses Thema hat einen hohen Stellenwert und genau hier zeigt sich Kompetenz und Kreativität des Systemhauses. Durch unsere Projekte haben wir einerseits reichlich Erfahrung mit weitgehend standardisierten vorhandenen Schnittstellen. Andererseits müssen wir in den überwiegenden Fällen durch unser Informatikteam individuelle Integrationen erstellen und konfigurieren. Um diesen Aufwand zu minimieren, setzen wir inzwischen eine Reihe eigenentwickelter Tools ein wie beispielsweise unser neues Alos-Flow.

IT-DIRECTOR: Treffen Sie bei diesen Projekten häufig auf die gleichen Mitbewerber?
D. Woeste:
Ja, es gibt etwa eine Handvoll Anbieter, auf die wir oftmals in der Entscheidungsphase treffen. Bei Projekten geht es schließlich nicht um einfach austauschbare Produkte, sondern um beachtliche Investitionen in komplexe Softwarelösungen. Bei der Wahl des Systemanbieters spielt zum einen die Erfahrung und das Vertrauen eine Rolle, denn man bindet sich schließlich für viele Jahre an ein System. Zum anderen geht man eine nachhaltige Lieferantenbeziehung ein und dabei fließen über die sachliche Ebene hinaus auch Kompetenzen und Sympathien der Personen in die Entscheidung ein.

IT-DIRECTOR: Welches sind die Anforderungen, mit denen Sie derzeit am häufigsten konfrontiert werden?
D. Woeste:
Dies sind einerseits anspruchsvolle Capturing-Themen, darunter besonders Klassifizierung von Eingangspost sowie mobiles und Netzwerk-Scannen. Andererseits DMS-Projekte mit hohem Integrationsanspruch in vorhandene CRM-, Fibu- und ERP-Anwendungen. Insbesondere aber wollen viele Unternehmen ihre Arbeitsabläufe verbessern, um Prozesse zu standardisieren und gleichzeitig Kosten zu sparen. Durch Einsatz von Workflow-Software erzielen wir eine Optimierung der Geschäftsprozesse und Steigerung der Qualität. In diesem Umfeld gibt es noch sehr viel Potential in den Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Wie sieht ein typischer Workflow-Prozess aus?
D. Woeste:
Nehmen wir die Rechnungsverarbeitung als Klassiker: Die Papierrechnung durchläuft in der Regel zwecks Rückfragen und Freigabe mehrere Instanzen im Unternehmen bevor sie in der Finanzbuchhaltung verbucht wird. Mit unserer Workflow-Lösung wird der Arbeitsablauf deutlich vereinfacht und unnötigen Verzögerungen vermieden. Dazu werden die Rechnungen eingescannt, ausgelesen und die Aufgaben über die Jobrouter-Workflow-Software den jeweiligen Sachbearbeitern zugeteilt. Eine Vertretungsregelung, ein Eskalationsmanagement und mobile Freigabemöglichkeiten sorgen für eine zügige und wesentlich einfachere Bearbeitung.

Bei uns selbst setzen wir beispielsweise Workflow-Software für Supportfälle ein. Jeder Anruf erhält eine Fallnummer, die Art der Störung wird beschrieben und es erfolgt eine automatisch generierte E-Mail an den Kunden. Mit dem System haben wir automatisiert eine Dokumentation der Fälle für unseren Wissenspool, eine Übersicht der offenen Anfragen und den Bearbeitungsstatus, können statistische Auswertungen fahren und letztlich Qualität und Kundenzufriedenheit erhöhen.

IT-DIRECTOR: Braucht es für einen Workflow unbedingt ein Dokumenten-Management-System? Würde ein ERP-System nicht auch ausreichen?
D. Woeste:
Das lässt sich so nicht verallgemeinern. Ein Workflow-Prozess kann sowohl Bestandteil eines ERP-Systems sein, in ein DMS integriert sein oder aber auch völlig eigenständig gemanagt werden. Workflow ist ein Begriff unter dem man sehr unterschiedliche Komplexität verstehen kann, da die Bandbreite von einem simplen zweistufigen Prozess bis hin zu vielstufigen und verzweigten Prozessen reicht. Es kommt also darauf an welche Anforderungen gestellt werden. In unseren Workflow-Projekten wird die eigenständige Software Jobrouter bevorzugt, da sie wesentlich flexibler und vor allem ausbaufähig ist. Wenn Dokumente im Workflow mitgeführt werden, was üblicherweise der Fall ist, drängt sich die Integration eines DMS mit seinen vorteilhaften Funktionalitäten der Belegspeicherung nahezu auf. Und man kann das DMS auch gleich für weitere Anwendungen nutzen.

IT-DIRECTOR: Wie lange dauert im Normalfall die Orientierungsphase des Anwenders vor einem geplanten Projekt?
D. Woeste:
Die Entscheidungsfindung seitens eines Interessenten liegt überwiegend in einem Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten. Das liegt erstens daran, dass mehrere Anbieter zur Auswahl stehen und mit Vorführungen und Präsentationen vorstellig werden und zweitens die Anforderungen seitens des Anwenders in einem Workshop konkretisiert werden müssen.

IT-DIRECTOR: Mit wem sitzen Sie von Anwenderseite bei der Projektplanung an einem Tisch?
D. Woeste:
Das ist meist eine recht große Runde, die nicht – wie häufig vermutet – unbedingt vom IT-Leiter angestoßen wird. Viel häufiger werden hier die Fachabteilungen oder Geschäftsführer aktiv, die aus verschiedenen Beweggründen Interesse an verbesserten Abläufen haben. Viele Personen an einem Tisch sind für uns keinesfalls von Nachteil. Wünsche, Anregungen und Verbesserungsvorschläge aus den unterschiedlichen Abteilungen sind wichtig, um das Projekt auf den richtigen Weg zu bringen. Empfehlenswert ist es, größere Projektvorhaben nach und nach in Teilschritten zu realisieren. Vor allem deshalb, weil das Vorhaben schneller starten kann, auf der Zeitachse überschaubar bleibt, die konzeptionelle Ausarbeitung schrittweise in die einzelnen Abteilungen vorrücken kann und sich die  Kosten besser verteilen.

IT-DIRECTOR: IT-Leitern wird in letzter Zeit häufiger vorgeworfen, mehr Projektvermeider als Innovatoren zu sein?
D. Woeste:
Das würde ich so nicht bestätigen. Die Entscheidungsfindung kommt zwar oft von einer anderen Seite, aber der IT-Leiter ist beispielsweise für die Bereitstellung der entsprechenden Ressourcen zuständig. Innerhalb eines Projektes ist uns eine enge Zusammenarbeit wichtig, denn geht es insbesondere um Benutzer- und Rechteverwaltung und die Koordination mit den Systemhäusern zur Integration der vorhandenen Software.

IT-DIRECTOR: Welche Relevanz besitzt das Thema Cloud in Ihrem Umfeld?
D. Woeste:
Der Cloud-Ansatz ist in meinen Augen keine völlig neue Idee. Wir haben langjährige Erfahrung mit Scann-Dienstleistungszentren in unserer Unternehmensgruppe, die Kundendaten auf eigenen Servern mit relativ hohem technischem Aufwand gehostet haben. Heute würde dies dem Begriff Private Cloud gerecht, vormals sprach man auch von Software-as-a-Service. Bei einer noch überschaubaren Anzahl von Cloud-Nutzern ist das Interesse für dieses Thema recht hoch, so dass wir das Konzept weiter verfeinern werden. Unter unseren Kunden sind Großunternehmen und Scann-Servicebetriebe, die bereits seit Jahren zur Belegverarbeitung die hohe Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit eines Rechenzentrums in Anspruch nehmen und ihre Dokumente und Daten komplett dort speichern. Bei administrativen Supportaufgaben befinden wir uns virtuell im Rechenzentrum eines Providers, letztlich also auch in einer Cloud.

IT-DIRECTOR: Was spricht dafür, als mittelständisches Unternehmen Daten in die Cloud auszulagern?
D. Woeste:
Was spricht dagegen? Die Firmen sparen sich den technischen Aufwand und die Installation. Außerdem müssen sie sich weder um Updates, Backups oder andere Sicherheitsvorkehrungen, noch um Hardwarethemen kümmern. Hinzu kommt, wie ich finde, eine klare Kostenstruktur. Derzeit bieten wir sowohl unsere Erfassungssoftware Alos-Scan als auch das DMS Docuware als Cloud-Lösung an. Wir kooperieren zur Gewährleistung höchster Datensicherheit bei unserem Konzept mit einem zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland.

IT-Director: Dennoch scheuen viele Mittelständler den Weg in die Cloud und lagern ihre Daten lieber im Keller.
D. Woeste:
Das mag sein. Wenn ich ein Maschinenbauer mit wertvollen Konstruktionsdaten und Patenten wäre, dann würde ich diese Daten nicht in die Cloud auslagern. Aber es geht doch eigentlich hierbei um die Flut von kaufmännischen Informationen, die in der Regel sehr kurzlebig sind. Bereits durch Home Office und Mobiliät sind insofern umfassende Veränderungen der Arbeitswelt einhergegangen als riesige Datenmengen außerhalb des Unternehmens verarbeitet werden und man hierbei auf die Mitarbeiter vertraut. Also stellt nicht nur die Cloud völlig neue Herausforderungen an Datensicherheit. Letztlich muss jedes Unternehmen zwischen den Vorteilen und Risiken abwägen.

IT-DIRECTOR: Ist Datensicherheit nicht auch dann ein Thema, wenn ein Dienst aus der Cloud bezogen wird und dieser mit vorhandenen Servern integriert werden muss?
D. Woeste:
Dies ist aus meiner Sicht eine spannende Angelegenheit. Mit Docuware beispielsweise ist es möglich, das Intelligent Indexing als Cloud-Dienst in Anspruch zu nehmen, um von einer aufwendigen manuellen Verschlagwortung Abschied zu nehmen. Dazu werden dem System mit Musterbelegen entsprechenden Schlüsselbegriffe antrainiert, in dem auf die Erkennungsergebnisse eines immensen Datenpools zurückgegriffen wird. In der Regel benötigt man für eine Beschreibung und spätere Recherche etwa drei bis fünf Schlagworte, um ein Dokument zielsicher wiederzufinden. Mit diesem Cloud-Service können auch kleinere Unternehmen ein leistungs- und lernfähiges Klassifizierungsprogramm kostengünstig nutzen.

IT-DIRECTOR: Lassen Sie uns noch über Sharepoint reden. Welche Rolle übernehmen Sie hier?
D. Woeste:
Im Umfeld von Sharepoint-Anwendungen treten wir ebenso als Capture- und Storage-Spezialist auf und bringen unsere Kenntnisse in Scann-Techniken und Hardware ein. Wir verfolgen mit OneECM eine Dachmarkenstrategie und vereinen Softwarepakete verschiedener Hersteller. Darunter finden sich Module wie Scannen, Viewer, Workflow, Archiv und Rechnungsauslesung. Das Modul „Connect to Docuware“ ist ein Eigenprodukt unseres Hauses mit dem das Docuware DMS als anerkanntes revisionssicheres Archiv in den Sharepoint-Server integriert werden kann. Außerdem haben wir Alos-Scan als Frontend-Lösung in den Sharepoint-Server integriert.

IT-DIRECTOR: Abschließende Frage: Welche Trends sehen Sie für die nächste Zeit?
D. Woeste:
Bei den rasanten Fortschritten der letzten Jahre kann man eigentlich kaum Neuerungen erwarten, aber Software lebt schließlich von ständigen Verbesserungen und neuen Versionen. Bei Trends denke ich konkret an die weitere Verfeinerung von Integrationslösungen zu verschiedenen Informationsdatenquellen im Sinne von Analytics und Business Intelligence. Es gibt noch viel Spielraum für den ECM-Markt, sich mit CEM (Customer-Experience-Management) in Richtung CRM, Wissensverwaltung, interaktiven Chats und anderem weiter zu entwickeln.

In Bezug auf Scanner-Hardware wird sich der Trend hin zu kompakteren, leistungsfähigeren und auch kostengünstigeren Geräten weiter fortsetzen. Technisch ist dabei nicht mehr viel zu erwarten, da die Produkte ausgereift sind und die Optimierung der Bildqualität hervorragend funktioniert. Aber die Hersteller werden uns gewiss mit neuen Entwicklungen bei mobilen Scannern überraschen, die sie schon längst in ihren Entwicklungslaboren testen. Eines ist allerdings gewiss: Das Scannen in die Wolke ohne Hardwarekomponenten funktioniert „noch“ nicht.



Dieter Woeste
Alter: 60 Jahre
Werdegang: der Kaufmann und Diplom-Photoingenieur Dieter Woeste begann seinen beruflichen Werdegang als Fachberater für Mikrofilmsysteme und Verbrauchsmaterialien. Darauf folgten verschiedene Führungspositionen im Vertriebsinnendienst, später war er als Einkäufer für Ausbau und Pflege von Lieferantenbeziehungen verantwortlich. Viele Jahre als Marketingleiter wirkend, ist er seit 2004 Geschäftsführer.
Derzeitige Position: Geschäftsführer der Alos GmbH
Hobbys: Wandern, Schwimmen, Werken, Kunst, Freunde und Familie

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok