Nachgefragt bei Stefan Karl, SAP

Papiermeldung zunächst noch möglich

Interview mit Stefan Karl, Chief Solution Expert Finance Solutions bei der SAP AG

Stefan Karl, SAP

Stefan Karl, Chief Solution Expert Finance Solutions bei der SAP AG

IT-DIRECTOR: Herr Karl, welche Unternehmen sind von der E-Bilanz betroffen?
S. Karl: Die E-Bilanz betrifft alle nach §4 und §5 EStG bilanzierenden Unternehmen unabhängig von der Unternehmensgröße.

IT-DIRECTOR: Die E-Bilanz ist für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2011 begonnen haben, verpflichtend anzuwenden. Welche Übergangsregelungen gibt es derzeit? Bis wann dürfen Unternehmen noch eine Papiereinreichung vornehmen?
S. Karl: Gemäß BMF-Anwendungsschreiben vom 28. September 2011 wird eine Papiermeldung im Erstjahr, 2012 oder 2012/2013 bei abweichendem Wirtschaftsjahr, nicht beanstandet. Für Betriebsstätten ausländischer Gesellschaften, wirtschaftliche Betriebe von steuerbegünstigten Körperschaften und Gewerbebetriebe von juristischen Personen des öffentlichen Rechts ist die E-Bilanz erst für Geschäftsjahre verpflichtend, die nach dem 31. Dezember 2014 beginnen.

IT-DIRECTOR: Welche Daten müssen die Betriebe im Rahmen von E-Bilanz nun elektronisch übermitteln?
S. Karl: Unternehmen müssen die Handelsbilanz/-GuV inklusive einer steuerlichen Überleitungsrechnung oder Steuerbilanz/-GuV übermitteln. Zusätzlich müssen Stammdaten zum Unternehmen und Berichtsanlass gemeldet werden, sogenannte GCD-Daten (Global Common Data).

IT-DIRECTOR: Wo lauern für die Verantwortlichen mögliche Gefahren bei der Umstellung auf die E-Bilanz?
S. Karl: Unternehmen sollten die für die E-Bilanz notwendigen oder gewünschten Prozessänderungen in der Buchhaltung beziehungsweise den Buchhaltungssystemen möglichst vor dem Beginn des zu meldenden Geschäftsjahres durchführen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann die E-Bilanz mit bereits vorhandener Finanzsoftware gestemmt werden? Oder müssen Unternehmen eine Aktualisierung Ihrer Finanzsysteme vornehmen bzw. diese um neue Funktionen ergänzen? Wenn ja, um welche?

S. Karl: Die E-Bilanz beinhaltet neue Anforderungen, die in der Regel eine Erweiterung der Finanzsoftware erforderlich machen. SAP empfiehlt, vorbereitende Schritte bereits im ERP-System durchzuführen wie etwa die Zuordnung von Konten zu den sogenannten Taxonomiepositionen der E-Bilanz. Wir haben unsere Software SAP ERP daher entsprechend erweitert. Für die Transformation der Daten in das Format XBRL (Extensible Business Reporting Language) und die Übermittlung mit der ERiC-Komponente der Finanzbehörden bieten wir zwei separate Lösungen an.

IT-DIRECTOR: Wie kann die Sicherheit der Finanzdaten gewährleistet werden – zum einen auf Seiten des Anwenderunternehmens und zum anderen auf der der Finanzbehörde?
S. Karl: Unternehmen sollten sicherstellen, dass die für die E-Bilanz relevanten Prozesse bereits durch ihr ERP-System abgedeckt werden. Falls dies nicht der Fall ist, können sie auch ergänzende Lösungen nutzen, die eine vergleichbare Funktionalität anbieten – etwa in den Bereichen Zugriffsschutz, Audit-Trail und Dokumentenmanagement.

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