Interview zum Thema PaaS für Unternehmen

Platform-as-a-Service: Definition, Anforderungen und Nutzen

Interview zum Thema Platform-as-a-Service mit Frederik Bijlsma, EMEA Business Unit Manager Cloud bei Red Hat in München und Elmar Stöcker, Offering Manager bei T-Systems in München

Frederik Bijlsma, Red Hat: "In einer PaaS-Umgebung kommen drei zentrale Entwicklungslinien der IT zusammen: Cloud Computing, agile Softwareentwicklung und DevOps."

IT-DIRECTOR: Was bedeutet Platform-as-a-Service (PaaS)?

Frederik Bijlsma: Im Modell der Cloud-Computing-Services bezeichnet Platform-as-a-Service (PaaS) gewissermaßen die mittlere Schicht. Als darunterliegendes Fundament in einem Cloud-Stack bietet Infrastructure-as-a-Service (IaaS) einen bedarfsgerechten Zugriff auf Rechenleistungen und Speicherplatz. Die dritte beziehungsweise die oberste Schicht im Cloud-Stack nach IaaS und PaaS bildet Software-as-a-Service (SaaS) in Form eines Zugriffs auf Standard-Applikationen. Auf Basis dieser Grundkomponenten gibt es verschiedene Ausprägungen des Cloud-Stacks und damit auch einer PaaS-Umgebung.

Elmar Stöcker:
Im Markt gibt es eine Reihe von Definitionen zu PaaS. Für die Analysten von Gartner etwa besteht eine PaaS-Umgebung (http://www.gartner.com/it-glossary/platform-as-a-service-paas) unter anderem aus einer Application Platform für die Softwareentwicklung, Middleware-Services und Business Process Management. Damit sind die wichtigsten Elemente einer PaaS-Umgebung genannt.

IT-DIRECTOR: Warum sollten Unternehmen eine PaaS-Umgebung nutzen?

Stöcker: Aus Gesprächen und Diskussionen mit unseren Kunden wissen wir, dass es einen beachtlichen PaaS-Bedarf gibt. Dabei lassen sich zwei Motive unterscheiden. Erstens, wenn es darum geht, schnell neue und innovative Produkte und Services einzuführen. Unserer Erfahrung nach ist die Erstellung einer Runtime-Umgebung, also der Aufbau der Hardware, die Installation von Betriebssystem und Middleware Stack etc., der zeitaufwändigste Prozess. Das kann Wochen dauern, bevor das Projektteam überhaupt loslegen kann. Mit einer sofort einsatzfähigen cloudbasierten Softwareentwicklungsplattform sind Unternehmen in der Lage, die Time-to-Market zu verkürzen.
Der zweite Grund ist die Möglichkeit, eine heterogene Tools-Landschaft für die Softwareentwicklung in den verschieden Fachbereichen zu vereinheitlichen. Heterogenität ist teuer in der Anschaffung und im Betrieb. PaaS dagegen bietet eine standardisierte und deutlich effizientere und kostengünstigere Umgebung zum Entwickeln, Testen und Hosten von Applikationen.

IT-DIRECTOR: Wer sind die primären Anwender einer PaaS-Plattform?

Bijlsma: Bei den typischen PaaS-Anwendern lassen sich drei große Gruppen unterscheiden: erstens die Business-Process-Designer. Sie nutzen die in einer PaaS-Umgebung bereitstehenden Tools für den Entwurf und die Visualisierung von Geschäftsprozessen.
Die zweite Gruppe sind die bereits angesprochenen Softwareentwickler. Gerade dann, wenn sie mit den Methoden der agilen Softwareentwicklung arbeiten, bietet eine cloudbasierte und hohen Sicherheitsanforderungen genügende Umgebung gute Bedingungen, um zusammen mit den künftigen Anwendern einer neuen Applikation schnell zu guten Ergebnissen zu kommen. Anders ausgedrückt: Agile Softwareentwicklung und PaaS ergänzen sich hervorragend.
Drittens schließlich profitieren auch Systemintegratoren von einer PaaS-Umgebung, nämlich dann, wenn eine erstellte Applikation in die Hybrid-Cloud-Systemlandschaft eines Kunden integriert werden muss. Hier sehen wir einen großen Bedarf.

Stöcker: Ich möchte noch einen weiteren Aspekt ergänzen. Eine PaaS-Umgebung bietet hervorragende Möglichkeiten, die Softwareentwicklung mit dem Betrieb der fertigen Applikation zu verzahnen. DevOps lautet hier das Stichwort. Unternehmen sind so in der Lage, schneller neue Anforderungen in Applikationen umzusetzen. Wenn öfter und automatisiert kleine und überschaubare Softwareeinheiten in den produktiven Betrieb übernommen werden, sinkt auch die Fehlerrate.

IT-DIRECTOR: Welche Anforderungen muss eine PaaS-Umgebung erfüllen?

Stöcker: Aspekte wie Flexibilität, Skalierbarkeit und die Unterstützung der agilen Softwareentwicklung wurden bereits erwähnt. Darüber hinaus muss ein Platform-as-a-Service als Multi-Tenant-Umgebung zur Verfügung stehen und damit mehrere Entwickler oder Auftraggeber bedienen können, ohne dass diese gegenseitigen Einblick in ihre Daten haben.
Eine weitere Anforderung ist die verbrauchsabhängige Abrechnung, also Pay-per-Use. Genau diese Anforderungen waren auch zentrale Designprinzipien des Cloud Integration Center, einem Private-Cloud-Angebot von T-Systems. Als PaaS-Lösung kommt OpenShift von Red Hat zum Einsatz. Sie unterstützt die Software-Entwicklung mit verschiedenen Programmiersprachen, Frameworks und Laufzeitumgebungen.

Bijlsma: In einer PaaS-Umgebung kommen drei zentrale Entwicklungslinien der IT zusammen: Cloud Computing, agile Softwareentwicklung und DevOps. Zusammengenommen ermöglichen all diese Funktionalitäten Unternehmen, flexibel und schnell Software-Entwicklungsumgebungen aufzubauen und leistungsfähige Tools für die Bereitstellung von Applikationen zu nutzen.

www.redhat.com

www.t-systems.de

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