Soziale Profile: Interview mit Dr. Peter Schütt, IBM

Produktiver dank sozialer Kommunikation

Interview mit Dr. Peter Schütt, Leader Collaboration Solutions Strategy & Knowledge Management bei der IBM Deutschland GmbH,

Dr. Peter Schütt ist Leader Collaboration Solutions Strategy & Knowledge Management bei der IBM Deutschland GmbH.

IT-DIRECTOR: Herr Schütt, der Einsatz welcher Social Media ist für die interne Kommunikation und Zusammenarbeit in Großunternehmen sinnvoll? Welche sozialen Werkzeuge kann man getrost vernachlässigen?
P. Schütt:
Intern genutzte soziale Medien verändern die Zusammenarbeit in allen Prozessen: Dabei kommen optional unterschiedliche Services wie etwa Wikis, Dateiaustausch mit Kommentaren, Blogs oder Aktivitätenmanagement zum Einsatz. Deshalb ist die Nutzung einer Suite, die eine breite Palette dieser Services bietet, am sinnvollsten bei der internen Kommunikation bei größeren Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Inwiefern verändert sich durch die interne Nutzung sozialer Tools die Kommunikation unter den Mitarbeitern?
P. Schütt:
Soziale Medien bieten eine neue Kommunikationsform, die Telefon, Chat, E-Mail und „Web 1.0 Intranet“ abrunden. Mitarbeiter hinterlassen Detailwissen aus ihren Arbeitsprozessen, das andere sofort oder auch Jahre später aufgreifen und weiterverwenden können. Das war so bisher nicht möglich.

IT-DIRECTOR: Welche Vor- und welche Nachteile bringt die Erweiterung um soziale Kommunikationskanäle mit sich (Stichworte: Aufmerksamkeitsverlust durch zu viele Informationen, Mehraufwand durch neue zusätzliche Kommunikationskanäle)?
P. Schütt:
Neue Lösungen wie Activity Streams sammeln die Aktualisierungen aus den verschiedenen sozialen Medien und schaffen so die notwendige Übersichtlichkeit. Damit ist man schnell optimal informiert. De facto nimmt die Produktivität zu, insbesondere auch, weil der Zeitaufwand, Informationen zu suchen, drastisch abnimmt.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Erstellung von Nutzerrichtlinien besonders achten?
P. Schütt:
Bei internen sozialen Medien ist es wichtig, dass man auf anonyme Beiträge verzichtet. Und wenn diese zulässig sind, dann nur als Ausnahme, und nicht als Regelfall. Das führt zu einer sinnvollen Versachlichung und „Vandalismus“ oder auch wenig hilfreiche Beleidigungen bleiben weitgehend aus.

IT-DIRECTOR: Welche generellen Abstimmungen sollten mit dem Betriebsrat vor der Einführung von Social Collaboration auf jeden Fall erfolgen?
P. Schütt:
Der Betriebsrat sollte die Möglichkeiten der sozialen Plattform frühzeitig kennenlernen und auch aufgezeigt bekommen, wie er sie selbst nutzen kann. Dennoch entstehen hier manchmal Anforderungen, die sich in der Praxis oft als überzogen erweisen. Deshalb plädieren wir immer zunächst für einen Testzeitraum – z.B. sechs Monate – um zu sehen, ob die erwarteten Probleme wirklich auftreten.

IT-DIRECTOR: Wie steht es konkret um den Schutz der Privatsphäre der Mitarbeiter bei der Nutzung sozialer Tools – z.B. wenn es um die Erstellung von Mitarbeiterprofilen oder den Nachweis von Know-how bzw. Fachwissen geht? Welche Betriebsvereinbarungen sollten diesbezüglich getroffen werden?
P. Schütt:
Ein Profil ist keine Beschreibung der erbrachten Leistung, sondern eher eine Werbeseite für die Person als Experte. So sollte auch in der Betriebsvereinbarung festgehalten sein, dass es nicht zur Leistungsbewertung herangezogen werden darf. Wichtig ist auch, dass schutzwürdige Inhalte im Sinne des persönlichen Datenschutzes, also etwa ein Foto, nur freiwillig eingestellt werden kann, aber nie verpflichtend sein sollte.

IT-DIRECTOR: Wie kann man bei der Kommunikation über interne soziale Kanäle gewährleisten, dass die Mitarbeiter stets den richtigen Ton für ihre jeweiligen Anliegen treffen?
P. Schütt:
Sind alle Beiträge namentlich gekennzeichnet, kommt es nur selten zu Problemen mit dem richtigen Ton. Neben der Nutzerrichtlinie kann auch eine „Nettikette“ noch helfen – also eine Empfehlung, welchen Ton man wählen sollte.

IT-DIRECTOR: Wie können Großunternehmen mit tausenden Mitarbeitern und weltweit verteilten Standorten den Überblick über die Inhalte der internen Foren, Diskussionsrunden, Wikis etc. behalten?
P. Schütt:
Leibniz galt als der letzte „Universalgelehrte“ und es muss heute auch im Unternehmen niemanden geben, der den kompletten Überblick über alle Informationen hat. Die Transformation zu einem Social Business beinhaltet ja gerade, dass Informationsverteilung nicht mehr komplett zentral-hierarchisch gesteuert wird, sondern bei Bedarf partizipativ zwischen den Fachleuten ausgetauscht werden kann. Erst dadurch entstehen ja diese neuen Mehrwerte einer flexibleren und schnelleren Kommunikation.

IT-DIRECTOR: Wer sollte die Kontrolle der unternehmensweiten Inhalte übernehmen? Welche Kriterien sollte man hinsichtlich der Inhalte festlegen?
P. Schütt:
Es bedarf keiner Kontrolle, denn die Qualität der Inhalte steuert sich automatisch durch die sich beteiligenden Experten. Das ist schneller, flexibler und präziser, wie man am Niedergang der klassischen Lexika gegenüber Wikipedia leicht erkennt. Dieses Loslassen ist ein wichtiger Teil der Transformation.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok