Agiles Vorgehen: Kommentar von Björn Radon, Netpioneer

Projektentwicklung mit Scrum

Ein Kommentar von Björn Radon, Agile Coach und Expert Scrum Master beim E-Business-Spezialisten Netpioneer GmbH, über die Projektentwicklung mit Scrum und wie das agile Vorgehen für mehr Flexibilität sorgen kann

Björn Radon, Netpioneer

Björn Radon, Netpioneer

Vor allem bei komplexen Software- und Produktentwicklungsprojekten hat sich die agile Projekt-Management-Methode Scrum aufgrund der höheren Flexibilität gegenüber herkömmlichen Projektverfahren inzwischen bewährt. Die Erfahrung zeigt: Gerade bei umfassenden Projekten großer Unternehmen werden oft bis zu fünfzig Prozent der ursprünglichen Vorgaben im Laufe des Projekts verändert. Durch ein agiles Vorgehen ist es für die Projektbeteiligten einfacher, solche Veränderungen zu berücksichtigen, da ein großes Projekt in mehrere kleinere Teilprojekte aufgeteilt wird. Diese werden gemäß ihrer Priorisierung schrittweise realisiert. Dabei sorgen regelmäßige Status-Updates, Überprüfungen und Anpassungen dafür, dass sowohl Erfolge als auch Fehlentwicklungen frühzeitig sichtbar werden und bei folgenden Entwicklungsschritten berücksichtigt werden können. Aufgrund dieser Vorgehensweise können Unternehmen langwierige und kostspielige nachträgliche Änderungen vermeiden, die etwa bei großen Projekten ein Ärgernis darstellen.

Die offensichtlichsten Vorteile eines scrum-basierten Projektmanagements sind eine hohe Transparenz, ein besserer Projektüberblick und eine höhere Wertschöpfung. So verkürzt sich die Time-to-Market, da funktionsfähige Ergebnisse schneller vorliegen. Innerhalb eines sogenannten Sprints, mit einer Dauer von ca. zwei bis drei Wochen, wird ein definiertes Teilprojekt realisiert. Anschließend werden die Ergebnisse von allen Beteiligten analysiert – auch vom Auftraggeber (Product Owner). Durch den regelmäßigen Austausch aller Stakeholder wächst so das gegenseitige Vertrauen: Der Auftraggeber sieht schneller und häufiger Ergebnisse, das Team bekommt regelmäßig Feedback und kann sicher sein, nicht über längere Zeit am Produkt vorbei zu entwickeln.

Bei all den strukturellen Vorteilen, die Scrum bietet, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, um ein Projekt auf diesem Weg erfolgreich umzusetzen: Eine positive Fehlerkultur, Vertrauen in die Mitarbeiter und die Freiheit, das Team eigenverantwortlich und selbstorganisiert arbeiten zu lassen, sind unverzichtbar. So ist es normal, dass nicht jeder Sprint gleichermaßen erfolgreich verläuft. Hier muss es seitens des Unternehmens bzw. des Product Owners eine gewisse Fehlertoleranz geben. Ebenso muss die Selbstständigkeit des Teams gewährleistet sein, um aus möglichen Fehlentwicklungen zu lernen.

Große Unternehmen verfügen oft über Prozesse und Strukturen, die auf höchstmögliche Effizienz hin optimiert sind. Compliance-Richtlinien und Maßnahmen der Qualitätssicherung geben teilweise ein relativ starres Verfahrenskorsett vor. Nicht zuletzt spielt das Controlling meist eine wichtige Rolle – einschließlich der damit verbundenen Prozesse, Vorgaben und Workflows. Hier können sich entsprechend streng regulierte Strukturen kontraproduktiv auf die Entfaltung einer agilen Vorgehensweise auswirken. Unternehmen, die über eher starre Strukturen verfügen und sich nicht sicher sind, ob Scrum die passende Methode für die Projektrealisierung ist, sollten das agile Vorgehen zunächst im Rahmen eines kleineren Projekts ausprobieren. Hierfür eignet sich etwa die Erweiterung einer bereits bestehenden Software mit einer Projektlaufzeit von zwei bis drei Monaten. In diesem Rahmen können alle Beteiligten testen, ob eine agile Arbeitsweise erfolgreich möglich ist – und etwaige Bedenken durch Projekterfolg und gute Ergebnisse widerlegen.

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