Organisierte Cyberkriminalität

Prozess mit Signalwirkung

Etwa ein Jahr nachdem das LKA Rheinland-Pfalz durch eine groß angelegte Razzia die Betreiber eines illegalen Rechenzentrums in Traben-Trarbach festnehmen konnte, begann Ende Oktober 2020 der Prozess gegen die acht Angeklagten, die sich nun wegen der Beihilfe zu unzähligen Straftaten vor dem Landgericht Trier verantworten müssen.

E-Crime-Akteur in Aktion

Neben zahlreichen Drogengeschäften soll z.B. auch ein Angriff auf Telekom-Router im Jahr 2016 über einen der Server in dem sogenannten „Cyberbunker“ gesteuert worden sein.

Der Fall ist ein Novum – nicht nur aufgrund seiner kriminellen Tragweite, sondern auch, weil es sich hierzulande um den ersten gezielten Schlag gegen die Betreiber von Darknet-Infrastrukturen handelt. Wurden bisher vor allem die Hintermänner der illegalen Online-Markplätze verfolgt, hat es nun erstmals die Betreiber der dafür notwendigen Server und Hardware erwischt.

Der Fall gewährt nicht nur einen seltenen Einblick in die Maschinerie hinter gewissen Ausprägungen der organisierten Cyberkriminalität, sondern zeigt auch, wie die Behörden zunehmend aufrüsten, um entsprechenden Schlüsselfiguren auf die Spur zu kommen. Fast fünf Jahre brauchten die Ermittler, um den Angeklagten nachweisen zu können, dass sie von den kriminellen Machenschaften auf ihren Servern wussten. Neben zahlreichen Drogengeschäften soll z.B. auch ein Angriff auf 1,25 Millionen Telekom-Router im Jahr 2016 über einen der Server in dem sogenannten „Cyberbunker“ gesteuert worden sein. Die Attacke hat Schätzungen zufolge einen Schaden von zwei Mio. Euro verursacht.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Da es sich um das erste Verfahren dieser Art handelt, dürfte das abschließende Urteil nicht zuletzt auch aufgrund seiner potenziellen Signalwirkung mit großem Interesse erwartet werden. Denn wenn sich die Bereitstellung von Infrastrukturen für kriminelle Zwecke nicht mehr rechnet, könnten schließlich auch Unternehmen und andere potenzielle Ziele von dem einen oder anderen Zwischenfall verschont werden. Bis dahin müssen sich Beobachter des Verfahrens aber vermutlich noch ein wenig gedulden, könnte der Prozess doch noch bis Ende des kommenden Jahres laufen – die sichergestellten Datenträger mit einem Gesamtvolumen von zwei Millionen Gigabyte dürften ihren Teil dazu beitragen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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