BPM-Funktionen als Cloud-Services nutzen

Prozessverwaltung 2.0 bei der Software AG

Die Software AG investiert in neue Technologien, um das Geschäfts­prozessmanagement (BPM) voranzutreiben. Künftig sollen die Anwender von jedem Ort aus BPM-Funktionen als Cloud-Services nutzen können.

Wolfram Jost, Technik-Chef der Software AG

Auf der diesjährigen Anwenderkonferenz "Process World" Ende Mai in Berlin stellte Wolfram Jost, Technik-Chef der Software AG, neue Angebote rund um Cloud Computing und Mobilität vor.

Cloud Computing, Mobilität und Social Software sind die derzeit bestimmenden Themen der IT-Branche. Die Software AG will diese Technologien auch für das Prozessmanagement erschließen und somit die Verwaltung der Geschäftsabläufe auf die nächste Stufe heben. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, in diese Bereiche vorzustoßen. Auf der diesjährigen Anwenderkonferenz Process World in Berlin hat der deutsche Software-Hersteller den Worten Taten folgen lassen.

Vor allem die Übernahme des US-amerikanischen Anbieters Terracotta spiele eine Schlüsselrolle in der Strategie der Software AG, meint Gartner-Analyst Massimo Pezzini. Die wichtigsten Produkte in Terracottas Portfolio sind die verteilt arbeitende Java-Caching-Technik Ehcache, die auf Open Source basiert, sowie BigMemory. Diese In-Memory-Lösung wird als Add-on für Ehcache zur Verfügung gestellt. Terracottas Technologien bieten den Anwendern vor allem eines: Schnelligkeit. Geschäftsanwendungen sollen damit deutlich beschleunigt werden. Bisher hat der US-Anbieter laut Pezzini vor allem bei Unternehmen im Finanzwesen, im Online-Handel, im Online-Spiele-Sektor, im Einzelhandel sowie bei Cloud-Dienstleistern hochskalierbare und performante Applikationen ermöglicht.

Als Teil des Software-AG-Portfolios soll die hinzugekaufte Technik als Erstes in die Webmethods-Lösungen integriert werden und deren Leistungsfähigkeit steigern. Mittelfristig sollen die Terracotta-Lösungen die Grundlage für das Cloud-Computing-Geschäft der deutschen Softwerker bilden. Der Hersteller arbeitet daran, Anwenderfirmen die Möglichkeit zu geben, die gesamte Prozessmanagementplattform in eine Private Cloud zu stellen. Die Mitarbeiter in den Unternehmen sollen dann BPM-Funktionen wie zum Beispiel Prozessmodellierung als Services nutzen können. Langfristig kann sich CTO Wolfram Jost sogar vorstellen, dass BPM zumindest teilweise auch in einer Public Cloud funktionieren könnte. „Grundsätzlich glaube ich, dass BPM-Software als Service aus der Public Cloud angeboten werden wird“, so der Technik-Chef der Software AG. „Aber das wird noch eine Weile dauern. Und es wird dabei wahrscheinlich nicht um kritische Kernprozesse gehen.“

Das Prozessmanagement wird mobil

Ebenfalls in bestimmten Phasen des Prozessmanagements werden künftig mobile Lösungen zum Einsatz kommen. Für dieses Thema hat sich die Software AG mit dem Spezialisten Metismo verstärkt. Metismo bietet eine Plattform, um mobile Applikationen zu entwickeln. Eine solche Anwendung muss laut Anbieter nur einmal erstellt werden und kann dann auf verschiedene Gerätetypen mit unterschiedlichen Betriebssystemen ausgeliefert werden. Firmen können künftig Apps entwickeln, damit deren Mitarbeiter bestimmte BPM-Funktionen auch von unterwegs aus – über das Smartphone oder den Tablet-Computer – nutzen können. Umgekehrt ist es möglich, Informationen von den mobilen Endgeräten wie GPS-Daten oder Videodateien in die Geschäftsanwendungen einzubinden.

Laut Software AG ist die Verfügbarkeit von prozessgetriebenen mobilen Applikationen ein großer Schritt in Richtung eines komplett digitalen Unternehmens. Doch Jost weiß, dass nicht alle BPM-Funktionen künftig auf Smartphones oder Tablet-Rechnern zur Verfügung gestellt werden. „Es ergibt nur in bestimmten Phasen Sinn“, erklärt er. „Zum Beispiel beim Grobdesign eines Prozesses, aber auch bei der Ausführung oder beim Monitoring.“ Die Software AG will ihren Anwendern ein Software Development Kit zur Verfügung stellen, damit diese eigene Apps erstellen können. Zunächst werden mobile BPM-Anwendungen daher von den Nutzern entwickelt werden. Aber die Darmstädter möchte auch selbst Apps anbieten. Laut Jost werden dies vor ­allem Apps für Standardfunktionen sein wie etwa Dashboards oder Aufgabenlisten.

„Extreme“ Zusammenarbeit

Cloud- und mobile Technologien sind nach Aussage von Jost auch elementare Bestandteile einer weiteren Säule, auf der die Strategie der Software AG steht. Die Verantwortlichen des deutschen Softwerkers nennen diese etwas vollmundig „Extreme Collaboration“. Im Kern geht es darum, alle am Prozessmanagement beteiligten Mitarbeiter mit Hilfe von Collaboration-Systemen und Social Software zusammenzubringen. Über diese Technologien sollen sich die Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen austauschen können – zum Beispiel wenn es um die Prozessdefinition geht.

Um solche Möglichkeiten für das Prozessmanagement umzusetzen, will der Anbieter neben Cloud Computing, mobilen Lösungen und Social Software auch Analysetechnologien verwenden. Aus diesen vier Bestandteilen setze sich das Konzept für Extreme Collaboration zusammen, so CTO Jost. Doch auf den Nutzen, der sich dadurch nach Einschätzung der Software AG ergibt, müssen Unternehmen noch warten. Denn noch handelt es sich bei Extreme Collaboration um eine Vision. Die Darmstädter haben noch gar nicht alle notwendigen Technologien im eigenen Portfolio. Ein Anbieter von Social Software könnte daher laut Jost ein Ziel für eine der kommenden Akquisitionen sein.

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