Die Cloud-Provider vergleichen

Public Cloud vs. Private Cloud

Geht es um Cloud-Services, haben viele Anwender Angst vor der Abhängigkeit von einem Cloud-Provider. Zurecht oder unrecht? Jörg Mecke, Director Cloud bei Fritz & Macziol, kommentiert mögliche Cloud-Strategien und denkbare -Szenarien, etwa am Beispiel der Amazon-Cloud.

Jörg Mecke, Director Cloud Platforms & Business Productivity Fritz & Macziol Software und Computervertrieb GmbH

Ein Meinungswechsel oder Strategiewechsel im Unternehmen kann zu jeder Zeit passieren. Was eben noch galt, kann gleich anders sein und spätestens die IT muss dieser neuen Richtung folgen. Eine maximale Flexibilität wird gerne von den Cloud-Anbietern suggeriert, aber: Ist sie wirklich vorhanden? Sicherlich können Cloud-Anbieter ihre Public-Cloud-Szenarien sehr schön skalieren, denn sie halten enorme Kapazitäten vor. Aber was ist, wenn ein IT-Verantwortlicher den Anbieter wechseln möchte? Oder der Betrieb auf die eigene Infrastruktur zurückverlagert wird? Was passiert, wenn ein Technologiewechsel nötig ist, weil es eine veränderte Innovationslage gibt oder der Einkauf sehr gute – und in Hinsicht auf die Total Cost of Ownership (TCO) niedrigere – Konditionen ausgehandelt hat?

Zunächst einmal geht es um die Frage des „Vendor Lock-in“ – also inwiefern ich mich an einen Anbieter binde. Diese Angst treibt viele um und das gilt in Deutschland auch für die Private-Cloud-Szenarien und damit für alles, was im Eigenbetrieb organisiert wird. Die Diskussion um die Abhängigkeit von einem Anbieter und die zwangsweise Bindung ist durch die teilweise hohen Investitionssummen in Cloud-Technologien neu entbrannt. Dabei sind die IT-Abteilungen an einen Vendor-Lock-in gewohnt, der sie in der Flexibilität einschränkt, denn:

  • Wer eine SAP-Einführung plant, bindet sich natürlich an SAP und hat automatisch einen “Vendor-Lock-in” mit Bindungen von nicht selten 15 oder mehr Jahren.
  • Wer eine Investition tätigt, hat einen “natürlichen Vendor-Lock-in”, da die Investition genutzt werden soll bis sie abgeschrieben ist, also je nach Ansatz drei bis fünf Jahre in der IT.
  • Wer für seine individuelle Infrastruktur die beste Lösung sucht, hält nach innovativen, stabilen und/oder besonders skalierbaren Lösungen Ausschau. Diese sind oft so neu, dass sie in keinen Standard passen oder so aufwendig entwickelt wurden, dass der Hersteller die Proprietät wiederum nutzt, um Kosten zu amortisieren.

Offene Standards für die Cloud

Der Vendor-Lock-in ist somit von vielen gewollt und bekannt; die Überraschung hält sich im überschaubaren Rahmen. Wenn der Hersteller der Software nicht immer wieder mit neuen Ideen auftrumpft, die selbstverständlich nicht abgestimmt mit dem Mitbewerber auf den Markt kommen, wird von den Analysten und Anwendergruppen „Innovationslosigkeit“ attestiert. Er ist also „gezwungen“, dem Kunden eine aktuelle Lösung zu präsentieren, die scheinbar besser ist als die des Mitbewerbs.

Ergo steht auch die Innovation der Flexibilität entgegen. Was jedoch helfen kann, sind offene Standards oder solche, die von der Industrie vorgegeben werden und die den Austausch zwischen zwei Plattformen, zwei Anbietern oder zwei Produkten ermöglichen. Wenn sich die Anbieter an Formate halten, ist die Bewegung einfach.

Beispiel: Die Amazon-Cloud

Wer beispielsweise eine virtuelle Maschine bei Amazon in der EC2 laufen lässt und versucht, diese in das eigene Rechenzentrum zu verschieben, wird scheitern. Denn Amazon nutzt ein proprietäres Format und lässt keine Konvertierung zu. Amazons Mitbewerber Microsoft hat daraus gelernt und lässt Maschinen beliebig zwischen Azure (der Public-Cloud-Lösung) und dem eigenen Rechenzentrum oder dem eines Hosters hin und her wandern – je nach den Erfordernissen des Tagesgeschäfts. So bleibt eine Minimierung des Risikos, seine Maschinen in der Public Cloud lassen zu müssen.

Nun wird manch einer bei diesem Beispiel denken, dass Microsoft ja nicht der einzige Anbieter in der Virtualisierungs- und Cloud-Welt ist, was so korrekt ist. Alle Virtualisierungshersteller können jedoch ihre Maschinen auch im „Open Virtualization Format (OVF)“ – einem seit Jahren bekanntem Austauschformat – speichern, so dass hier ein Austausch zwischen den Herstellern ebenfalls möglich ist.

Einen Vendor Lock-in gibt es immer wieder und bei jeder Produktentscheidung sollte nicht nur die Einführung bedacht werden, sondern auch die Möglichkeit des Ausstiegs. Das ist in vielen Projekten eine ungewohnte Betrachtung, lässt aber die Verantwortlichen deutlich souveräner handeln. Denn wenn die Erkenntnis da ist, dass die Migration sich nicht nur mit ganz viel Geld erschlagen lässt, sondern auch mit einem entsprechenden Konzept sorgenfrei möglich ist, dann siegt der alte Ansatz: Drehmoment statt Drehzahl. Nur dann kann die IT flexibler sein und Funktionen nutzen. Wenn alles gut läuft, funktioniert dies auch über einen langen Zeitraum. Sollte jedoch eine Veränderung der Rahmenbedingungen entstehen, ist die Wahlfreiheit ein kostbares Gut.

Auf europäischer Ebene wird gerade ein Cloud-Standard durch das „European Telecommunication Standardization Institute“ entwickelt, der europaweit für die Offenheit der entsprechenden Angebote sorgen soll. Das ist ein Segen für die Anwender und für die kompatiblen Anbieter vielleicht auch ein Verkaufsargument mehr. Denn wer seinen Kunden knebelt, wird das Nachsehen haben – vielleicht nicht heute, aber sicherlich mittelfristig.

Konkrete Anfragen der Kunden hinsichtlich Cloud Computing:

  • Wie kann man den Hypervisor austauschen?
  • Wie kann man das Storage-System wechseln?
  • Wie bekommt man seine Daten wieder extrahiert, wenn man den Anbieter verlässt?
  • Wie kann man sicherstellen, dass nach der Kündigung eines Vertrages die Daten auch wieder gelöscht werden?

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