Steigendes Datenvolumen

Rechenzentren für 163 Zettabyte

Studien sagen für das Jahr 2025 ein weltweites Datenvolumen von 163 Zettabyte voraus, sodass der Bedarf an Rechenzentrumskapazitäten kontinuierlich zunehmen wird, berichtet Jens Prautzsch von Interxion Deutschland.

Jens Prautzsch, Interxion

Jens Prautzsch, Geschäftsführer der Interxion Deutschland GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Prautzsch, welche Rolle spielen Rechenzentren im Rahmen der digitalen Transformation? Was macht sie zum „Treiber“ der Digitalisierung?
J. Prautzsch:
Rechenzentren stellen eine Basisinfrastruktur für die Digitalisierung dar. Die riesigen Datenmengen, die z.B. durch Internet-of-Things-Systeme (IoT) erhoben und ausgewertet werden müssen, brauchen Orte, an denen sie bearbeitet und ausgetauscht werden. Studien sagen für das Jahr 2025 ein weltweites Datenvolumen von 163 Zettabyte voraus. Das ist eine unvorstellbar große Zahl und in etwa das Zehnfache des heutigen Volumens aller elektronisch vorhandenen Daten. Für Analyse und Austausch der Informationen sind entsprechende Kapazitäten nötig, die nur Rechenzentren bieten können. Ohne Rechenzentren kann die Digitalisierung in großem Stil nicht stattfinden. Daher treibt umgekehrt die Digitalisierung den Bedarf an Rechenzentrumskapazitäten massiv voran.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Anforderungen ergeben sich im Zuge der zunehmenden Digitalisierung für die Infrastrukturen in Rechenzentren?
J. Prautzsch:
Zum einen wächst der Druck, immer energieeffizienter zu arbeiten, um das gewaltige Wachstum stemmen zu können. Strom ist ein kostbares Gut und gerade hier in Deutschland gehen wir sehr bewusst mit dieser Ressource um. So gehören deutsche Rechenzentren bereits jetzt zu den effizientesten weltweit. Zum anderen steigt der Bedarf an Vernetzung. Der Datenaustausch erfordert mittlerweile eine extrem kurze Reaktionszeit für viele Anwendungsfälle. Diese Anforderungen werden in Zukunft weiter steigen.

IT-DIRECTOR: Apropos Ressourcen: Sollten im Zuge der Digitalisierung immer mehr Rechenzentren entstehen, wird gleichzeitig mehr Energie für deren Betrieb benötigt. Hinzu kommen neue, recht energieintensive Technologien wie Blockchain oder E-Mobility. Wie kann für Rechenzentren in Deutschland eine ausreichende Energieversorgung gewährleistet werden?
J. Prautzsch:
Der Ausbau der Energienetze muss die anstehende Digitalisierung berücksichtigen. Der öffentlich geförderte Trend zur Elektromobilität konkurriert beim Strombedarf mit der Digitalisierung. Leider ist Strom keine wirklich „saubere“ Energie, da er produziert werden muss, um die Batterien zu laden. Hier gibt es zwei Herausforderungen: erstens, wie ressourcenschonend und nachhaltig kann Energie erzeugt werden, und zweitens, wie kann diese Energie dorthin gelangen, wo sie benötigt wird? In Innenstädten gibt es beispielsweise nicht genügend Fläche, um Solarenergie oder Windkraft für den immensen Energieverbrauch zu nutzen. Das bedeutet, dass der Netzausbau eine hohe Priorität haben muss, parallel zur Energieerzeugung. Dies gilt im Fern- wie im Nahbereich, also auf bundesweiter wie auf kommunaler Ebene.

IT-DIRECTOR: An welchen Stellschrauben sollten die Verantwortlichen aktuell drehen, um ihre Rechenzentren kostengünstig und zukunftssicher zu gestalten?
J. Prautzsch:
Wichtig im Hinblick auf die Energie- und Kosteneffizienz ist die Auslastung des Rechenzentrums. Je mehr Betriebsinfrastruktur „ungenutzt“ mitläuft, desto ineffizienter das Ergebnis. Daher ist das Colocation-Modell ideal, um Rechenzentrumskapazitäten kostengünstig und auch zukunftssicher, da skalierbar, zu betreiben. Allein durch die Konzentration der Kapazitäten an einem Ort und durch die optimierte Auslastung, für die der Betreiber im eigenen Interesse sorgt, können Kunden bis zu 30 Prozent ihrer Betriebskosten einsparen und trotzdem eine hochmoderne RZ-Infrastruktur nutzen. Daher sollten sich alle Verantwortlichen, die jetzt noch ein Rechenzentrum außerhalb ihres Kerngeschäftes betreiben, mit dem Umstieg auf ein Mietmodell beschäftigen.

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