Energieeffizienz: Interview mit Konrad Kandziora, ITDZ Berlin

Rechenzentren werben mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen

Das neue Secure Data-Center (SDC) des ITDZ Berlin ist das einzige Rechenzentrum in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft, dass mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet ist. Welche energieeffizienten Maßnahmen dafür nötig waren erläutert Konrad Kandziora, Vorstand des ITDZ Berlin AöR, im Interview

Konrad Kandziora, Vorstand des ITDZ Berlin AöR

IT-DIRECTOR: Herr Kandziora, „Green IT“ ist auf dem Vormarsch, auch und vor allem in Rechenzentren. In welchen Bereichen der Rechenzentren lässt sich generell am meisten Energie einsparen und welche Bereiche sind im Gegensatz dazu gar nicht von Einsparungen betroffen?
K. Kandziora:
Am meisten Energie lässt sich durch die Minimierung der Abwärmeentwicklung einsparen, z.B. durch den Einsatz moderner, hocheffizienter IT-Anlagen, wie Bladeserver, die mittels Virtualisierung und/oder Cloud Computing standardisiert und effizient eingesetzt werden.
Weiterhin kann Energie durch hocheffiziente Infrastrukturtechnik in der Kälteerzeugung und in der zielgerichteten und möglichst punktgenauen und bedarfsgerechten Kälteverteilung eingespart werden. Besonders effizient sind Rechenzentrumsstandorte, die natürliche Kältequellen nutzen können. Es gibt praktisch keine Bereiche, in denen gar keine Energie eingespart werden kann.

IT-DIRECTOR: Um wie viel Prozent lässt sich tendenziell Energie in einem optimierten Rechenzentrum einsparen?
K. Kandziora:
Das hängt sehr stark vom Einzelfall ab, d.h. von den vorhandenen energetischen Ineffizienzen. Diese müssen im Rechenzentrum systematisch identifiziert und erfasst werden. Anschließend müssen die Einsparpotentiale berechnet, ggf. zu Maßnahmenpaketen zusammengefasst und unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten bewertet werden. Tendenziell sind die Einsparpotentiale bei älteren Rechenzentren höher.   

IT-DIRECTOR: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn ein neues, energieeffizientes Rechenzentrum gebaut wird? Welches sind die wichtigsten Schritte bei einem geplanten Umbau?
K. Kandziora:
Beim Bau eines neuen Rechenzentrums sollte neueste und energieeffizienteste IT- und Infrastrukturtechnik eingesetzt werden. Von großer Bedeutung ist die Wahl des Standortes. Wenn möglich sollten natürliche Kühlungspotentiale bzw. eine effiziente Kühltechnik genutzt werden.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Kosten sind Umbauarbeiten verbunden?
K. Kandziora:
Bei Umbauarbeiten fallen neben den reinen Baukosten auch Entsorgungskosten und vor allem zusätzliche Kosten für Arbeiten bei laufendem Betrieb und/oder Auslagerungskosten an.  

IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energie für den Betrieb ihres Data Center?
K. Kandziora:
Das ITDZ Berlin verbraucht bereits seit 2010 in seinen  Rechenzentren ausschließlich Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. In letzter Zeit scheint sich hier ein neuer Trend herauszubilden, denn insbesondere Rechenzentren, die Leistungen für externe Kunden erbringen, werben mit dem Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien.  

IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen garantieren dem Endanwender, dass die genutzten RZ-Services aus einem energieeffizienten Rechenzentrum stammen?
K. Kandziora:
Die meisten Zertifizierungen für Rechenzentren beziehen sich auf die Ausfallsicherheit. Nur wenige betreffen Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit. Zudem basieren diese meistens auf Selbstverpflichtungen und Zielsetzungen. Das bekannteste Zertifikat für Energieeffizienz und Umweltschutz in Deutschland ist wohl der „Blaue Engel für energiebewussten Rechenzentrumsbetrieb“, für das klar definierte Mindestanforderungen nachweislich erfüllt werden müssen und die jährlich von einem unabhängigen Prüfinstitut geprüft werden müssen. Neben privaten Rechenzentren ist das neue Secure Data-Center (SDC) des ITDZ Berlin das einzige mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnete Rechenzentrum in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft.

IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz in Ihrem Rechenzentrum sorgen?
K. Kandziora:
Die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz im neuen Secure Data-Center (SDC) des ITDZ Berlin sorgen sind moderne IT-Systeme und moderne Infrastrukturtechnik – es werden z.B. magnetisch gelagerte Turbokompressoren und gleichstrombasierte stufenlos regelbare Umluftklimageräte eingesetzt – sowie der effiziente Betrieb mit Trennung von Kalt- und Warmgängen bei relativ hohen Betriebstemperaturen.

IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum, welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf? Welchen Wert streben Sie künftig an?
K. Kandziora:
Aufgrund der noch sehr niedrigen Auslastung des neuen Secure Data-Center (SDC) ist der PUE-Wert noch atypisch. Im Laufe des Jahres wird die Auslastung noch deutlich steigen, so dass wir einen PUE-Wert von 1,4-1,5 erwarten.

IT-DIRECTOR: Wie viel Energie konnten Sie mit Ihren Maßnahmen in den letzten beiden Jahren einsparen?
K. Kandziora:
In unserem bestehenden HighSecure Data-Center (HSDC) haben wir in den letzten beiden Jahren eine Senkung des Stromverbrauchs von 5,9 Prozent (bei einer Steigerung der Serverzahl um ca. 30 Prozent) realisiert. Für unser neues Secure Data-Center (SDC) liegen für diesen Zeitraum noch keine Werte vor.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums gewährleisten? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
K. Kandziora:
Die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums wird hauptsächlich durch die Vorhaltung von permanent einsatzfähigen Redundanzen erreicht. Dabei ist es unvermeidlich, dass die zusätzliche Absicherung zu Lasten des Energieverbrauchs geht. Hier muss bei jeder Maßnahme die Balance zwischen konkurrierenden Zielen gefunden werden.

IT-DIRECTOR: Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?
K. Kandziora:
In unseren Rechenzentren werden Spannungsschwankungen in der öffentlichen Stromversorgung von bis zu 20 Prozent nach oben und unten durch die eingesetzten unterbrechungsfreien Stromversorgungsanlagen (USV-Anlagen) nivelliert.

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