Neue Wege beschreiten

Rechenzentren zukunftsfähig machen

Beim Bestreben, ihre Rechenzentren zukunftsfähig zu machen, werden Unternehmen mit diversen Heraus­forderungen konfrontiert. Das Spektrum der zur Ver­fügung stehenden „Stellschrauben“ ist breit gefächert und reicht von neuen Netzwerktechnologien bis zu KI.

Neue Wege beschreiten

Unternehmen müssen neue Wege im RZ-Betrieb beschreiten.

Laut einer aktuellen Untersuchung des Marktforschungsinstituts IDC treibt die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland die Digitale Transformation immer umfassender voran. Auswertungen der Analysten zeigen allerdings, dass die eigentliche „Kerninfrastruktur“ den Geschäftsanforderungen nach wie vor deutlich hinterherhinkt. Um die erforderlichen Business-Innovationen bestmöglich zu unterstützen, ist die konsequente Nutzung technologischer Zukunftskonzepte wie Serverless, Composable IT oder Edge Computing, aber auch die Implementierung optimierter Beschaffungs- und Deployment-Modelle für die gezielte Nutzung von Cloud- und Colocation-Angeboten unerlässlich.

„Die aktuelle interne Infrastruktur vieler Unternehmen reicht nicht mehr aus, um die Anforderungen der Fachbereiche zu erfüllen. Neben der seit Jahren geforderten Flexibilität und Skalierbarkeit der IT sind es vorrangig die stark wachsenden Workloads, die Unternehmen eher heute als morgen zum Handeln antreiben. Das gilt besonders mit Blick auf die Optimierung der Infrastrukturressourcen“, unterstreicht Lynn-Kristin Thorenz, Associate Vice President Research & Consulting bei IDC Deutschland. Unabhängig davon, ob es sich um die interne IT oder um externe Ressourcen aus der Public Cloud oder einer Hosted Private Cloud handelt, werden Unternehmen die Workloads ihrer Ansicht nach nur dann in den Griff bekommen, wenn sie drei Prioritäten beherrschen: geringe Latenz, ausreichende Ressourcenbereitstellung sowie effektive Überwachung und Steuerung der Workload-Bearbeitung.

Die Zukunft ist „software-definiert“

Mit einer neuen leistungsstarken Server-Generation adressiert Dell Technologies die steigenden Anforderungen moderner Rechenzentren. Die neuen „EMC Power Edge Server“ mit „AMD EPYC“-Prozessoren der zweiten Generation liefern laut dem Hardware-Konzern nicht nur die nötige Rechenpower für Multi-Cloud-Lösungen, sondern sind darüber hinaus auch mit speziellen Funktionen für High-Performance Computing (HPC) ausgestattet. Dazu zählen Optionen wie Flüssigkeitskühlung und GPU-Fähigkeit, um die Leistung für rechenintensive Workloads, beispielsweise in Anwendungsbereichen wie Künstliche Intelligenz (KI), Maschinelles Lernen (ML) und Deep Learning (DL), weiter zu verbessern.

Darüber hinaus hat das Unternehmen kürzlich Weiterentwicklungen für software-definierte Netzwerke vorgestellt, die dazu beitragen sollen, Systemarchitekturen zu vereinfachen und die Kosten für Netzwerke in modernen Multi-Cloud-Umgebungen zu reduzieren. Unter der Bezeichnung „VMware SD-WAN by Velocloud“ bietet die Lösung eine Auswahl an Public-, ­Private- und Hybrid-Cloud-Netzwerkverbindungen für Cloud- und Business-Applikationen der Enterprise-Klasse. Unterstützt werden zudem Business-Applikationen für Zweigniederlassungen, sowie Datacenter-­Appliances, software-definiertes Management und Automation. Ziel der gemeinsamen Initiative ist nach Angabe der Verantwortlichen die stufenweise Umsetzung eines komplett Software-definierten Rechenzent­rums.

Flexible Netze erhöhen die Agilität

Der Markt für Software-defined Networking (SDN) wächst rasant. „Die Vorteile von SDN liegen auf der Hand: mehr Agilität, insgesamt geringere Kosten, besserer Kundenservice und eine größere Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern“, erklärt Johanna von Geyr, Partner bei der ISG Information Services Group DACH. „Dennoch gehen wir nicht davon aus, dass die derzeit noch dominanten MPLS-Netzwerke (Multi Protocol Label Switching) komplett durch SDN ersetzt werden und dadurch verschwinden“, so Johanna von Geyr.

Vor allem in neuen, sehr datenintensiven Geschäftsfeldern spielt den ISG-Analysten zufolge SDN in Kombination mit den MPLS-Netzwerken seine Stärken aus. So würden derzeit zahlreiche Unternehmen von Daten aus mobilen Anwendungen wie dem Internet of Things (IoT) und Social-Media-Plattformen geradezu überschwemmt. Diese Daten seien meistens nicht unternehmens- und zeitkritisch und könnten durch SD-Funktionen so geroutet werden, dass sie die bestehenden Kernsysteme und -netzwerke nicht überlasten. Auf diese Weise könnten SD-WANs (Wide Area Networks) die traditionellen hardware-basierten Netzwerke optimieren.

Die ISG-Analysten weisen zudem darauf hin, dass die Nutzung von cloud-basierten Unternehmensanwendungen wie SAP Hana, Salesforce oder Office 365 sowie die Auslagerung von Applikationen auf Public-Cloud-Plattformen rasant zunehmen. Dies verlange ebenfalls einen dezentralisierten Zugang zu diesen öffentlichen Ressourcen, wie ihn SDN- und SD-WAN-Lösungen ermöglichen. Auch in diesem Fall führt SDN zu einer besseren Nutzererfahrung und einer Entlastung des Kernnetzes.

Den Überblick behalten

Mit seinem kürzlich vorgestellten Infrastructure Manager (ISM) als Management-Suite für die Überwachung und Verwaltung ganzer IT-Landschaften geht auch Fujitsu einen Schritt in Richtung komplett software-basierter Rechenzentren. ISM bietet ein Management für Rechenzentrumsinfrastrukturen, um in einheitlicher Weise auf Primergy Server, Eternus- und Netapp-Storage-Systeme, ausgewählte Cisco- und Ex­treme-Networks-Switches sowie Strom- und Kühlsysteme zuzugreifen. Der Anspruch der Ganzheitlichkeit bedingt auch die Integration anderer Rechenzentrumssysteme, die laut dem Konzern mit überwacht werden können. Eine leistungsstarke neue Compliance-Funk­tion im ISM ermöglicht die kontinuierliche Kontrolle von Systemparametern in einem Rechenzentrum, Knoten für Knoten. Sie bietet zudem die Möglichkeit, unbefugte Änderungen vor Ort rückgängig zu machen. Auf diese Weise können ungeplante Ausfallzeiten durch menschliche Fehler bei der Rekonfiguration von Sys­temen, z. B. bei der Standardwartung, vermieden ­werden.

Durch die Aktualisierung aller Knoten auf einmal kann der ISM die Kosten und den Zeitaufwand für das Update-Management von Firmware nach Angaben des Unternehmens um bis zu 90 Prozent reduzieren. Anwender können zudem unerwartete Probleme in Rechenzentrumslandschaften schneller feststellen, bewerten und beheben. Letztendlich kann die Software dazu beitragen, den Gesamtstromverbrauch zu senken, indem es überlastete oder stromfressende Systeme identifiziert. „Ganz gleich, ob es nur darum geht, eine bessere Aufsicht und Effizienz zu gewährleisten oder den Wechsel zu einem vollständig software-definierten Rechenzentrum zu vollziehen, der ganzheitliche Ansatz hilft Kunden, ganze Rechenzentren effektiv zu nutzen“, stellt Christian Leutner, Head of Product Sales Europe bei Fujitsu, in Aussicht.

Vier Augen sehen mehr

Neue Wege werden zukünftig auch beschritten, wenn es um die Fehlersuche und Fehlerbehebung in Rechenzentren geht. Während für die Diagnose von Software-Fehlern üblicherweise eine breite Palette an Tools zur Verfügung steht, kann das Auffinden und Beheben von Hardware-Defekten zeitintensiv sein und zudem ausgeprägte Erfahrung erfordern.

Mit Version 2.0 seiner Fernwartungs-Software „Pilot“ erweitert Teamviewer die Funktionsfähigkeit über den klassischen IT-Support hinaus durch Augmented Reality (AR). Die Lösung ermöglicht es Experten aus der Ferne, Techniker in den Datacentern per Live-Kamera-Sharing sowie Sprach- und On-Screen-Anmerkungen durch komplexe Vorgänge zu navigieren. Experten in zentralisierten Support-Organisationen können einen Computer oder ein intelligentes mobiles Gerät verwenden, um virtuell zum Einsatzort „transportiert“ zu werden, und sehen, was der Techniker durch Headsets und Smartglasses in Echtzeit sieht. Sie werden in die Lage versetzt, AR-Anmerkungen mit Führungspfeilen oder Freihandzeichnung direkt auf den Objekten im Sichtfeld des Arbeiters vor Ort zu erstellen.

Die Technologie ermöglicht es Rechenzentrumsbetreibern, einen Rahmen für gemeinsame zentrale Informationen zu schaffen, welcher Einschränkungen und Systemausfälle durch den Mangel an hoch qualifizierten IT-Fachkräften reduziert. „Die sich ändernden Marktanforderungen und Technologien erfordern Neuerungen und Prozessoptimierungen“, so Gautam Goswami, CMO und Head of Products bei Team­viewer.

KI intelligent nutzen

Langsam aber sicher findet der Einsatz Künstlicher Intelligenz Einzug in deutsche Unternehmen. Nach Ansicht von Experten wird das Potenzial von KI allerdings noch nicht wirklich umfassend genutzt und vorrangig zur Prozessoptimierung in Unternehmensbereichen wie Kundenservice, Marketing und Vertrieb, Produktion oder Entwicklung eingesetzt. Seit Kurzem gibt es erste Lösungen, die darauf abzielen, mittels KI den Aufbau und Betrieb von Datacentern effizienter und sicherer zu machen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

So hat Hewlett Packard Enterprise (HPE) seine hyperkonvergente Infrastrukturplattform Simplivity mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet, um das Management virtueller Maschinen zu vereinfachen. Dafür wird die AIOps-Lösung Infosight genutzt. Hyperkonvergente Infrastruktur (HCI) vereinfacht zwar die Service-Bereitstellung, aber bei herkömmlichen HCI-Systemen müssen IT-Mitarbeiter nach wie vor auf unerwartete Störungen reagieren und Kompromisse eingehen, wenn Unternehmen ihre IT-Umgebungen skalieren. Das Angebot löst diese Probleme laut Anbieter durch vorausschauende Wartung und Kapazitätsplanung sowie Automatisierung.

Auch in den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit sehen Experten ein breites Anwendungsspektrum für KI-Lösungen. Bereits heute nutzen Cyberkriminelle KI-basierte Technologien zur Entwicklung intelligenter Malware. Mithilfe von KI erstellen sie polymorphe Schad-Software, die ihren Code und ihre Angriffsmuster automatisch verändert. Um sich dem entgegenzustellen, werden auch die IT-Security-Anbieter in Zukunft verstärkt auf KI setzen. Durch ihre Fähigkeit, riesige Datensätze zu analysieren und Verhaltensmuster zu erlernen, ist KI geradezu prädestiniert für Cybersecurity-Anwendungen im Datacenter-Umfeld.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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