Arbeitsmodell der Zukunft

Recht auf Homeoffice?

Laut einer Studie des Elektronikdienstleisters Barco arbeiten in Europa 46 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise im Homeoffice. In Deutschland ist dieses ­Arbeitsmodell jedoch derzeit nur wenig verbreitet, wie ein Vergleich mit den Nachbarländern zeigt. Könnte das vorgeschlagene „Recht auf Homeoffice“ auch hierzulande eine Wende bringen?

Recht auf Homeoffice?

Bis jetzt ist Homeoffice in Deutschland nur wenig verbreitet, eventuell soll nun in Deutschland ein Recht auf Homeoffice kommen.

Homeoffice hat viele Namen: Ob Teleheimarbeit, „Flexible Work Arrangements“ oder E-Work – alle beschreiben das vollständige oder partielle Umverlagern des Arbeitsorts in die eigenen vier Wände. Dazu diskutiert zurzeit das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAMS) über ein geplantes gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Als Förderer des Gesetzesentwurfs möchte Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, von den Vorzügen der Digitalisierung profitieren. Dabei ist Homeoffice keine Neuerfindung des Rads, sondern bereits länger eine Möglichkeit, Privat- und Arbeitsleben effizient zu kombinieren. Schon in den 1980er-Jahren unterstützte das amerikanische IT-Unternehmen IBM flexible Arbeitsmodelle seiner Beschäftigten und löste sich somit von der damals üblichen Präsenzpflicht. Wenn auch noch vergleichsweise unüblich, treffen solche Lösungen auch in Deutschland vermehrt auf den Zuspruch der Arbeitnehmer. Demnach wünschen sich laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 40 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise die Möglichkeit, auch von zu Hause aus arbeiten zu können. Allerdings können bislang lediglich zwölf Prozent dies in Anspruch nehmen, so die Studie.

Noch scheitern viele Anträge an den zum Teil berechtigten Bedenken der Unternehmensführung. Denn durch Homeoffice verändert sich auch die Unternehmenskultur wesentlich. Die weitgehende Autonomie der Mitarbeiter beeinflusst bestehende Hierarchien und Kontrollmechanismen und wirkt sich zudem u. a. auf die unternehmensinterne Kommunikation aus. Unter dem bestehenden Fachkräftemangel gilt es, für Führungskräfte, aber auch für Beschäftigte Anreize zu schaffen – vor allem in stark umworbenen Branchen.

Grundsätzlich ändern könnte dies jedenfalls der geplante Gesetzesentwurf, sollte dieser flächendeckend geltend gemacht werden. Denn anders als in den Niederlanden, wo seit 2015 ein gesetzlich verankerter Rechtsanspruch besteht, liegt die Entscheidung in Deutschland noch beim Arbeitgeber – eine Begründungspflicht für ein Ablehnen gibt es hierzulande noch nicht.

Sicher ist, dass für das tatsächliche Umsetzen des Entwurfs beide Koalitionspartner einen Konsens finden müssen – und da besteht noch Nachholbedarf. So steht Peter Weiß, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales für die CDU, einer Homeoffice-Pflicht skeptisch gegenüber und äußerte Bedenken gegenüber einem drohenden Papiermonster. Auch Steffen Kempter, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Arbeitgeberverbands, sprach sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für eine betriebliche Lösung aus.

Rein rechtlich wird sich der Entwurf daher aller Wahrscheinlichkeit nach stark an bestehenden Gesetzen orientieren. Als Anhaltspunkt gilt hier das bereits existierende Teilzeitrecht, welches nur innerhalb festgeschriebener Fristen und nach bestimmter Beschäftigungsdauer in Anspruch genommen werden kann. Im Gegenzug müssen seitens der Unternehmensführung Ansprüche gewährleistet werden, solange diese sich mit dem Betriebsablauf in Einklang befinden.

Ob das Homeoffice-Gesetz schlussendlich leere Bürostühle bedeuten würde, bleibt zu bezweifeln. Zwar deuten die Ergebnisse der aktuellen Studie darauf hin, dass Homeoffice in Zukunft ein nicht mehr wegzudenkender Teil des modernen Arbeitsplatzes sein wird, dennoch gaben 71 Prozent der Teilnehmer an, ein nach wie vor starkes Interesse an einem festen Arbeitsplatz zu haben. Überraschenderweise zeigte die Studie, dass die digitalaffine „Generation Y“ mit 74 Prozent sogar über dem Durchschnitt lag. Es wäre also zu früh vom Ende des Büros zu sprechen – mit oder ohne Recht auf Homeoffice.

Die technischen Möglichkeiten bestehen jedenfalls schon heute. Durch Echtzeitübertragungstechnologien können bereits zurzeit die eigenen vier Wände zum virtuellen Büro umfunktioniert werden. Clickshare-Systeme und intuitive Bedienungen nach dem Zero-Learning-Prinzip erleichtern heutzutage bereits simultanes Arbeiten an Dokumenten und distanzunabhängige Kommunikation und schaffen somit auch die technischen Lösungen, denen nun auch politische folgen sollen. 

Bildquelle: Getty Images/iStock

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