Zwölfmonatszyklus nicht mehr zeitgemäß

Regelmäßig Feedback der Mitarbeiter einholen

Der Zwölfmonatszyklus bei Mitarbeiterbefragungen ist aktuellen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Lösung: regelmäßiges Feedback bei jedem Meilenstein.

Man sollte regelmäßig Feedback der Mitarbeiter einholen.

Ist die Jahresumfrage noch ein adäquates Mittel, um auf die Bedürfnisse der Beschäftigten einzugehen?

Zehn Wochen hat die Auswertung der Jahresumfrage aller Mitarbeiter im Unternehmen gedauert. Jetzt sitzen die Abteilungsleiter dem Chef gegenüber, der die Maßnahmen präsentiert. Verdutzt sieht die Marketing-Leiterin ihre Kollegen aus dem Human Resource Management (HRM) an: Die beiden Mitarbeiter ihrer Abteilung, auf die die Vorschläge hauptsächlich abzielen, haben vor drei Wochen gekündigt. Auch der zuständige Kollege ist perplex: Die lange geplante Umstrukturierung in seinem Bereich wurde nicht berücksichtigt. Wieder wurde bei der Befragung der Beschäftigten viel Potential verschwendet und wurden Strukturanpassungen übersehen.

Solche Erfahrungen machen viele Beschäftigte mit der jährlich stattfindenden Mitarbeiterbefragung. Dennoch wurde an ihr festgehalten, galt sie doch lange als Aushängeschild für Unternehmen, die sich um das Wohl ihrer Angestellten sorgen. Doch in Zeiten der Digitalisierung verändern sich Firmen in immer kürzeren Zyklen – die internen Strukturen müssen sich schneller denn je anpassen. Es stellt sich die Frage, ob die Jahresumfrage noch ein adäquates Mittel ist, um auf die Bedürfnisse der Beschäftigten einzugehen.

Selbst wenn die beschlossenen Maßnahmen auf brennende Probleme eingehen: Es dauert oft bis zu einem Jahr, bis Unternehmen wissen, ob diese auch die gewünschte Wirkung erzielen. Zudem wäre wichtig, die Maßnahmen im Hinblick auf ihren Einfluss auf das Kerngeschäft auszuwerten. Doch bei einer einmaligen Datenerhebung pro Jahr ist es fast unmöglich, relevante Zusammenhänge zu erkennen. Erfolgreiche Unternehmen setzen Feedback-Programme ein, die während der gesamten Firmenzugehörigkeit eines Mitarbeiters Informationen einholen. Egal ob beim Vorstellungsgespräch oder bei der Leistungsbeurteilung: Jeder einzelne Meilenstein bietet die Möglichkeit, Feedback einzuholen und wichtige Treiber im Unternehmen zu verstehen. So können Firmen Mitarbeiterdaten strukturiert erfassen, schnell auswerten und übersichtlich aufbereiten.

Wesentliche Motivations- und Antriebsfaktoren schlummern oft tief in den Daten. Hier helfen künstlich-intelligente Analyseprozesse, die erhobenen Daten nach Themen zu segmentieren und automatisch Zusammenhänge sowie Gewichtungen zwischen den Treibern und den gewonnenen Daten herzustellen. Selbst die Stimmung der Mitarbeiter kann mit Feedback-Management-Systemen und Sentimentanalysen erfasst werden. Neben Verhaltensmustern können Trends aufgespürt werden, die sonst verborgen blieben. So erfahren Unternehmen beispielsweise, welche Mitarbeiter sie möglicherweise bald verlieren werden und was sie tun können, um die Abwanderung zu verhindern. Der Trick ist, alle Daten an einem zentralen Ort zu sammeln und zu korrelieren, um Prognosen zum Verhalten der Beschäftigten zu erstellen.

Perspektivreiche Sicht


Moderne Feedback-Management-Systeme ermöglichen es laut dem Anbieter Qualtrics, das Feedback zu den unterschiedlichsten Vorgängen zu erfassen und zu analysieren:
– Feedback zum Lebenszyklus des Mitarbeiters: Mitarbeiter bringen ihre Erfahrungen zu den wichtigsten Meilensteinen ihrer Unternehmenszugehörigkeit ein.
– Always-on-Feedback: Mitarbeiter geben über einen offenen Kanal nach Bedarf oder zu einem bestimmten Ereignis anonym Feedback. Unternehmen etablieren damit regelmäßige, strukturierte Feedback-Mechanismen, die ein Thema über einen gewissen Zeitraum hinweg begleiten. Beispielsweise können Beschäftigte im Intranet über ein Kommentarfeld Wünsche und Anregungen teilen oder Kollegen danken. Oder ein Manager postet einen Hinweis auf den „Weiterbildungskurs zur Teamfähigkeit“. Über ein Kommentarfeld können sich die Beschäftigten äußern, ob der Kurs lehrreich war.
– Ad-hoc-Umfragen: Mitarbeiter können zu speziellen Anlässen, etwa dem Abschluss eines großen Projekts oder der Weihnachtsfeier, Feedback geben.
– 360-Grad-Feedback: Mitarbeiter werden nicht nur selbst, sondern auch aus unterschiedlichen Perspektiven evaluiert – z.B. aus dem Blickwinkel von Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden. 360-Grad-Befragungen ermöglichen eine perspektivreiche Sicht und eignen sich insbesondere zur Bewertung der Leistung und der Entwicklung einzelner Mitarbeiter sowie zur Bewertung von Führungspersonen und ihrer Führungskompetenz.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

– Zyklische Umfragen zur Mitarbeitermotivation: Mitarbeiter können sich in einer regelmäßig stattfindenden Umfrage zu allen Unternehmensangelegenheiten äußern. Organisationen erkennen so die Haupttreiber der Mitarbeitermotivation und identifizieren die Bereiche, die verbessert werden müssen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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