Sichere Speicherkonzepte

Rettungsanker für die Compliance

Geht es um die Einhaltung von Compliance-Vorgaben, erweisen sich gut funktionierende und sichere Speicherkonzepte oftmals als Rettungsanker.

Anker, Bildquelle: iStockphoto.com/Fer Gregory

Die IT-Verantwortlichen sehen sich heutzutage ­einem steigenden Datenwachstum gegenüber. Dabei ist ein Ende nicht abzusehen, vielmehr rechnen die Ex­perten in Zukunft mit noch höheren Zuwachsraten. Die Marktforscher von Horizon gehen gar von einem Datenvolumen von 4,4 Yotabyte bis zum Jahr 2050 aus. Laut Robert Guzek, Eternus Business Management Germany bei Fujitsu Technology Solutions, liegen die treibenden Kräfte dafür in unterschiedlichen Bereichen – beispielsweise in der Medizin mit der elektronischen Patientenakte, dem Internet sowie den gesetzlichen Regelungen zur Speicherung und Vorhalten von Daten. „Zudem stehen wir am Anfang einer neuen Epoche, in der Clouds aus Sensornetzwerken eine Flut von Daten verarbeiten müssen. Beispiele hierfür sind Temperatursensoren, Überwachungskameras, Rauchmelder oder auch Fingerabdruckscanner“, erklärt Robert Guzek. Vor diesem Hintergrund werden eingespielte, effizient arbeitende Speicherlandschaften in den Unternehmen weiter an Bedeutung gewinnen. „Der Storagebereich wird von dem Phänomen ,Big ­Data‘ massiv beeinflusst“, betont Dr. Georgios Rimikis, Manager Solution Strategy bei Hitachi Data Systems. Die größten Herausforderungen sind dabei die Er­fassung, Speicherung, Suche und Analyse der großen Datenmengen.

Doch wie kann man am besten Herr dieser Informationsflut werden? Der Rettungsanker scheint in der Speicherorganisation und auf der Softwareebene zu liegen. „Benötigt werden funktionierende Managementkonzepte, die über Speicherklassen die Relevanz von Daten den entsprechenden Speichermedien zuordnen. Bereits vorhandene Information-Lifecycle-Managementkonzepte sind unter diesem Aspekt neu zu überdenken bzw. erhalten neue Relevanz“, erklärt Ralf Colbus, Speicherarchitekt bei der IBM Systems and Technology Group. Er rät zu dem Einsatz von Speicherklassen und einem automatischen, transpa­renten Information Lifecycle Management (ILM). Hierbei sollten die Kunden die vorhandene Infrastruktur virtualisieren, damit Auslastungsgrade von über 90 Prozent realisiert werden können. Desweiteren sollte man auf eine silofreie Datenspeicherung sowie auf den Einsatz von Datenreduktionstechnologien achten.

Wie eine automatisierte Datenklassifizierung in der Praxis funktioniert, beschreibt Hans Schramm, Produktmanager bei Dell in Frankfurt am Main: „Nicht alle Daten sind gleich, es gibt ,wichtige‘ und ,weniger wichtige‘. Schon heute sind ca. 70 Prozent der in den Unternehmen vorhandenen Daten inaktiv. Das heißt, auf sie wird nicht oder nur in geringem Maße zugegriffen.“ Von daher sei es umso bedeutender, nur die wichtigen Daten auf kleinen, schnellen und damit teuren Platten vorzuhalten.  „Die Erfahrung von Kunden, die eine solche Klassifizierung bereits einsetzen, ist die, dass bei einer anstehenden Kapazitätserweiterung in der Regel nur die großen und günstigen Platten nachgerüstet werden“, berichtet Schramm aus der Praxis.

Nicht zuletzt gilt das allseits beschworene Cloud Computing als probates Mittel, um große Datenmengen kostengünstig und flexibel vorzuhalten. Die ­Zauberworte lauten hier „Storage as a Service“. „Die Storage Cloud hilft, große Investitionen zu vermeiden“, glaubt Siegfried Betke, Director Central Europe bei Datacore. Dennoch müssten die Kunden genau hinterfragen, wie die langfristigen Kosten aussehen und wie sie bei Bedarf aus der Cloud wieder auf den Boden gelangen können. Generell betont Siegfried Betke, dass „das enorme Datenwachstum eine Flexibilität verlangt, die nur durch das Aufbrechen der Hardwaregrenzen durch Software geleistet wird. Man kann dies Unified Storage nennen oder eben Speichervirtualisierung.“

Die Compliance beachten

Ein weiteres Thema, das die Verantwortlichen umtreibt, lässt sich unter dem Stichwort „Compliance“ zusammenfassen. Betroffen ist dabei vor allem die Langzeitarchivierung, wenn es um das sichere, ge­setzes- und regelkonforme Speichern geht. Für eine rechtssichere Langzeitarchivierung müssen die Verantwortlichen stets organisatorische wie strategische Vorgaben bzw. Unternehmens-Policies beachten. Allerdings kann man mit der Wahl des entsprechenden Speichermediums bereits einen gewissen Grad an Rechtssicherheit gewinnen. Hierbei gibt es, so Hans Schramm von Dell, unterschiedliche Ansätze, die einerseits technisch begründet sind, andererseits aber auch von spezifischen Kundenanforderungen abhängen. „Genügt den einen ein LTO-Laufwerk oder ein Autoloader mit Worm-Funktionalität, benötigen andere einen schnellen Zugriff auf Archivdaten über ein festplattengestütztes Archivsystem, das den jeweiligen Compliance-Richtlinien entspricht“, erklärt Schramm. Darüber hinaus würden die Themen Archivierung und Backup oftmals noch in einen Topf geworfen. „Unternehmen scheuen die Investitionen in ein Archivsystem und versuchen, die Anforderungen einer langfristigen Aufbewahrung mit einer Backupsoftware zu bewältigen, deren Stärken die kurz- bis mittelfristige Speicherung sind“, so Schramm.

Auf lange Sicht erweist sich dies keinesfalls als zielführend. Ähnlich der Beherrschung der Informationsflut kommt auch hier der Datenklassifizierung eine enorme Bedeutung zu. Dank gewissen Speicherhierarchien können viele Daten von der Platte auf Band ­verlagert werden, wobei die Bandspeicherung gegenüber der Plattenspeicherung einige Vorteile bietet. „Dies ist etwa hinsichtlich der Energieeffizienz ­attraktiv, denn Tape kann zu großen Einsparungen bei den Energiekosten beitragen, wenn in der Vergleichsrechnung Strom und Klimakosten berücksichtigt werden“, betont Robert Guzek von Fujitsu. Außerdem biete Tape bei Aufbewahrungsfristen erhebliche Vorteile. „Neben der längeren Standzeit der Systeme liegt die Lebensdauer der Daten bei Tape bei 30 Jahren“, so ­Gutzek weiter. Dabei gilt bei der Langzeitaufbewahrung, dass die Daten für den entsprechenden Zeitraum gelesen und verarbeitet werden können. „In der Regel wird die Hardware nach drei bis fünf Jahren ersetzt. Im gleichen Zeitraum erfolgt meist auch ein Wechsel der Software, wodurch die Daten inkompatibel werden können“, warnt Robert Gutzek. Von daher sei das ­Datenformat bei der Langzeitarchivierung entscheidend.

Nicht zuletzt verweist Dr. Georgios Rimikis auf ein Argument für die Tape-Sicherung: „Solid State Disks sind noch extrem teuer für den Einsatz in Archivsystemen. Bandsysteme entsprechen nicht den heutigen ­Anforderungen nach Geschwindigkeit und sind mit hohen Nebenkosten für die Instandhaltung der involvierten, beweglichen Teile verbunden. Zudem sind die ­Migrationsdauer- und kosten hoch.“ Ein Plattenspeichersystem mit SATA-Laufwerken und die entsprechende RAID-Technologie sind nach Ansicht von Rimikis der goldene Schnitt beim Kosten-/Leistungsverhältnis.

Bildquelle: iStockphoto.com/Fer Gregory

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