Umfassende Analysen mit Business Intelligence

Risiko erkannt – Risiko gebannt

Die Finanzkrise hat die Banken mit voller Wucht getroffen, nicht zuletzt, weil sie zu hohe Risiken eingegangen sind. Kluges Risikomanagement ist daher mehr denn je gefordert.

Christian M., Leiter einer Bankfiliale, hat an einem Montagmorgen um 10 Uhr einen unangenehmen Termin mit dem Geschäftsführer einer Metallbaufirma. Das Unternehmen mit 50 Mitarbeitern benötigt dringend eine Zwischenfinanzierung. Der Grund: Sein wichtigster Kunde ist zahlungsunfähig und kann die Rechnungen nicht mehr begleichen. Eine Katastrophe für den Metallbaubetrieb. Er kann wegen des Zahlungsausfalls die Gehälter seiner Mitarbeiter nicht mehr überweisen. Doch Christian M. muss den Kredit verweigern: „Ich habe alle Daten ausgewertet; der Markt entwickelt sich rückläufig, das Unternehmen hat seit Jahren sinkende Umsätze, es gibt kaum Sicherheiten. So leid es mir tut, das Geschäft ist zu riskant für uns.“ 

Szenen wie diese spielen sich wohl täglich in einer Bank ab, wenn es um die Kreditvergabe geht. Sei es der Häuslebauer oder ein Unternehmen – die Bank trägt immer das Risiko, auf dem Kredit sitzen zu bleiben und Verluste zu machen. Daher muss ein Finanzinstitut sorgfältig abwägen, wem es Geld zu welchen Konditionen leiht. Neben den klassischen Kreditrisiken sind Banken noch mit weiteren Risiken konfrontiert. 

Durch die zunehmende Digitalisierung der Geschäftsprozesse geht es mehr und mehr um die operationellen Risiken, die sich in der internen Infrastruktur, den Abläufen oder externen Ereignissen verbergen. Aber auch: Wie ist eine Bank auf menschliche Fehler oder mangelndes Engagement der Mitarbeiter vorbereitet? Ein bekanntes Beispiel für Fehler von Mitarbeitern ist der Brite Nick Leeson, der Mitte der 1990er-Jahre durch riskante Spekulationen den Zusammenbruch der Barings Bank verursachte, der ältesten Investmentbank Großbritanniens. 

Was passiert, wenn die Informationssysteme versagen, zum Beispiel mit der Folge, dass Kunden keinen Zugriff auf ihre Konten oder Depots haben? Dann geht der materielle Schaden schnell in die Millionen und eine neue Risikokategorie entsteht: das Risiko des Imageverlusts. Externe Ereignisse sind beispielsweise neue Regularien oder auch der zunehmende internationale Wettbewerb, der Banken unter Druck setzt. Unter die Kategorie Marktrisiko fallen die mit verschiedenen Klassen von Anlagen und Verbindlichkeiten verbundenen Risiken. Dazu gehören beispielsweise die komplizierten Derivate, die während der Finanzkrise zu hohen Einbußen für die Banken führten.

Risikomanagement ist Chefsache

Die Regierungen haben auf die Auswüchse der Finanzkrise reagiert und regulieren weltweit die Märkte sehr viel stärker als bislang. Dazu zählen etwa die Basel-II- und Basel-III-Regeln, die den Banken künftig eine deutlich höhere Eigenkapitalquote vorschreiben als beim derzeit noch gültigen Basel II. Die Regel besagt vereinfacht, dass die Banken für einen Kredit an einen Kunden mit schlechterer Bonität mehr Eigenkapital hinterlegen müssen als für den Kredit an Kunden mit hoher Bonität. Das heißt: Basel II und künftig Basel III zwingen die Banken ihr Risikomanagement zu verbessern und dabei Marktrisiken, Kreditrisiken und operationelle Risiken zu berücksichtigen.

Banken sollten das Risikomanagement allerdings nicht nur wegen der gesetzlichen Anforderungen forcieren, sondern auch als Chance sehen, ihre Position im Wettbewerb zu verbessern. Denn wer seine Risiken im Blick hat, kann schneller und auf Basis fundierter Entscheidungen auf veränderte Marktgegebenheiten reagieren. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und strategisch zu steuern. Dazu ist es notwendig, die Risiken in einzelne Klassen einzuteilen und für jede einzelne Risikoklasse spezielle Vorgehensweisen für die Minimierung der Risiken zu definieren. 

Risiken lassen sich nicht vollständig vermeiden. Risikomanagement bedeutet ein verantwortungsbewusstes und vorausschauendes Verhalten beim Umgang mit Unsicherheiten und Gefahren. Da es den Blick über das gesamte Unternehmen erfordert, muss Risikomanagement grundsätzlich Chefsache sein. Zudem sind Investitionen in IT-Systeme erforderlich, beispielsweise in Business-Intelligence-Lösungen (BI). Diese ermöglichen Analysen, mit denen sich Risiken aufspüren, auswerten und besser steuern lassen.

Voraussetzung: Umfassende Datenbasis

Es gibt allerdings keine universelle Patentlösung für den Aufbau eines Risikomanagements. Jede Bank weist individuelle Risikofaktoren und -strukturen auf und benötigt deshalb ein eigenes, speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes System. Um die Wechselwirkungen der einzelnen Risikofaktoren und die gesamte Risikostruktur der Bank transparent zu machen, müssen die Daten aus allen operativen Systemen gesammelt, aufbereitet und analysiert werden. Das können Finanzkennzahlen, Produkt- und Kundendaten, Marktinformationen oder operative Messgrößen sein. 

Diese Informationen sind Indikatoren für plötzliche und unerwartete strukturelle Veränderungen innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Wichtig: Die Informationen, die zur Identifikation und Bewertung von Risiken dienen, müssen aktuell und zuverlässig sein, ein leistungsfähiges Risikofrühwarnsystem braucht eine valide Datengrundlage. Zudem muss das Risikomanagement in die Geschäftsprozesse und Berichtswege eingebunden sein.

Banken benötigen daher moderne Softwarelösungen, die den gesamten Prozess des Risikomanagements umfassen: von der Datenaufbereitung über die Risikokalkulation und -aggregation bis hin zum Reporting. Doch in vielen Banken sieht die Realität anders aus: Die relevanten Informationen liegen nicht in einer einheitlichen Datenbank, sondern sind über mehrere Systeme verteilt, und sind oft redundant. Häufig kommt immer noch herkömmliche Office-Software wie Microsoft Excel oder Access für die Auswertung von Daten zum Einsatz. Das begünstigt die Bildung von Insellösungen. Zudem sind viele Arbeitsschritte nicht automatisierbar und müssen manuell angestoßen werden. 

Für einen ganzheitlichen und umfassenden Blick auf ihre Risiken müssen Banken daher ein internes Kontrollsystem aufbauen, das Informationen zwischen verschiedenen externen und internen Systemen und Daten verknüpft und in Echtzeit synchronisiert – und das alles vollständig automatisiert. Das gelingt beispielsweise mit BI-Lösungen wie Webfocus von Information Builders. BI-Systeme ziehen Daten aus den operativen Systemen ab, verdichten und vereinheitlichen sie und bereiten sie zur Entscheidungsunterstützung auf. Damit können Banken Informationen zu zentralen Risikoindikatoren, Bewertungen der Risiken und der Kontrollsysteme organisationsübergreifend sammeln, verwalten und überwachen – sie erhalten dadurch einen umfassenden Blick über alle verfügbaren Daten. 

Umfangreiche Analyse- und Reportingfunktionen sorgen dafür, dass die gesuchten Informationen den einzelnen Bereichen innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung stehen. BI-Systeme wie Webfocus liefern damit die notwendige Transparenz und helfen, Risiken frühzeitig aufzuspüren und zu überwachen. Auf dieser Grundlage können Banken schnell auf vorübergehende und unerwartete Marktentwicklungen reagieren – und damit auch ihr Geschäftsergebnis verbessern.

Bildquelle: Rainer Sturm/Pixelio

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