Hybride Teams

„Roboter und Menschen werden sich ergänzen“

„Ich denke, es werden sich zunächst und für längere Zeit vor allem hybride Teams bestehend aus Menschen und Roboter durchsetzen“, so Dr.-Ing. José de Gea Fernández, Wissenschaftler und Leiter des Teams „Roboterregelung“ am Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH. „Roboter und Menschen werden sich ergänzen.“

Dr.-Ing. José de Gea Fernández, DFKI

Dr.-Ing. José de Gea Fernández, Wissenschaftler und Leiter des Teams „Roboterregelung“ am Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Dr. José de Gea Fernández, an sich ist die Automatisierung durch Roboter in der Industrie ja nichts Neues – doch was hat sich hier im Vergleich zu früher geändert?
J. de Gea Fernández:
Die neuen Industrieroboter sind kollaborativ, d.h. sie arbeiten nicht mehr unbedingt getrennt vom Menschen, sondern teilen sich denselben Arbeitsbereich. Dadurch sind sie nicht mehr isoliert, sondern vernetzt. Hierfür verfügen sie u.a. über zahlreiche Sensoren und sind mit anderen IT-Systemen verbunden, mit denen sie via Cloud kommunizieren können. Zudem sind die neuen Roboter, die sich meist intuitiv programmieren lassen, günstiger als „traditionelle“ Industrieroboter.

IT-DIRECTOR: Inwieweit bilden intelligente Robotersysteme das Rückgrat für die „Industrie 4.0“?
J. de Gea Fernández:
Das Rückgrat der Industrie 4.0 bilden die digitale Vernetzung und der Austausch zwischen allen Akteuren in der Fabrik. Intelligente, kollaborative und auch lernende Roboter, die den Menschen unterstützen und ergänzen, nehmen dabei aber eine zentrale Rolle ein.

IT-DIRECTOR: Inwieweit lassen sich ältere Roboter für die Industrie 4.0 auf- bzw. nachrüsten? Welche Schnittstellen müssen geschaffen, welche Spezifikationen erfüllt werden?
J. de Gea Fernández:
Insbesondere durch neue (externe) Sensorik, die das Umfeld erfasst, und durch neue „Steuerungsgeräte“, welche die aktuellen Steuerungsrechner mit mehr kognitiven Fähigkeiten – z.B. das Analysieren und Verstehen der Umgebung/Lage, das Treffen von Entscheidungen, das Anpassen an neue Situationen und das Lernen aus Erfahrungen – ergänzen. Die zusätzliche Sensorik würde „ältere“ Roboter sicherer machen und die Wahrnehmung der Umgebung erlauben, wodurch sich z.B. Schutzgitter abschaffen ließen. Neue „intelligentere“ Steuerungen nutzen die sensorischen Informationen, die Erfahrungen und die Vernetzung mit der Fabrik, um flexibleres Verhalten zu ermöglichen.

IT-DIRECTOR: Könnten die Maschinen irgendwann schlauer als wir Menschen sein? Wie schätzen Sie die Lage ein?
J. de Gea Fernández:
In bestimmten Bereichen und für spezifische Aufgaben sind sie schon schlauer. Aber: Dass Roboter eine allgemeine Intelligenz – ähnlich der unseren – besitzen oder zukünftig erreichen, ist immer noch Science-Fiction und reine Spekulation. KI-Systeme werden immer besser, um Antworten und Lösungen für ganz spezifische Probleme zu finden – sie werden aber selber die Fragen nicht stellen können. Nur Menschen können die Herausforderungen identifizieren und andere Menschen dazu bewegen, an deren Bewältigung zu arbeiten.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt der Mensch in der zukünftigen „Smart Factory“? Mit welchen Herausforderungen wird er konfrontiert?
J. de Gea Fernández:
Ich denke, es werden sich zunächst und für längere Zeit vor allem hybride Teams bestehend aus Menschen und Roboter durchsetzen. Roboter und Menschen werden sich ergänzen. Erste Studien zeigen, dass hybride Teams aus Menschen und Roboter produktiver sind. Es wird nicht für jede grundlegende Aufgabe entschieden werden müssen, ob ein Prozess komplett automatisiert wird oder nicht, vielmehr wird der Prozess spezifisch für die jeweilige Aufgabe und je nach den Fähigkeiten des Menschen bzw. des Roboters angepasst. Einerseits kann dann der Mensch von der Genauigkeit, Verfügbarkeit und Geschwindigkeit des Roboters profitieren, andererseits hat der Mensch aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten, Erfahrungen und seines flexiblen Umgangs mit Störungen Vorteile gegenüber dem Roboter.

IT-DIRECTOR: Ganz kritisch betrachtet, werden durch die weitere Automatisierung in der deutschen Industrie doch auf Dauer immer mehr Arbeitsplätze wegfallen. Wie schätzen Sie die Lage ehrlich ein?
J. de Gea Fernández:
Wie die Vergangenheit gezeigt hat und auch einige aktuelle Studien zeigen, werden Roboter zwar Aufgaben des Menschen übernehmen, gleichzeitig werden sich aber auch neue Aufgaben und Aktivitäten ergeben, die es heute so noch gar nicht gibt und durch die – aufgrund der Erhöhung der Produktivität – neue (und mehr) Arbeitsplätze möglich werden. Es scheint, als passiere dies schneller als in früheren industriellen Revolutionen – und daher ist es umso wichtiger, dass hier parallel das Bildungsangebot sowie die Ausbildung selbst in Schulen sowie die Weiterbildung in Unternehmen im Bereich der Digitalisierung und auch der Wissenschaft und Technologie deutlich verbessert werden.

IT-DIRECTOR: Auf welche Weise könnten moderne Industrieroboter noch zur Gefahr für den Menschen werden?
J. de Gea Fernández:
Moderne kollaborative Roboter sind sicherer als ihre Vorgänger. Entweder sind sie leichter und damit ungefährlich oder sie besitzen zusätzliche Sensoren – z.B. Drehmomentsensoren an den Gelenken oder externe Sensoren wie Kameras, Laserscanner oder sonstige –, die deren Sicherheit und damit Sicherheit für den Menschen gewährleisten. Aus diesem Grund ist die neue Generation der Industrieroboter und jene, welche die Iso-10218- und TS-15066-Normen erfüllen, weit besser für die kollaborative Arbeit mit dem Menschen geeignet, da sie weit weniger gefährlich als frühere Generationen.

Bildquelle: privat

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