Im Gespräch mit Donald Badoux, Equinix

RZ-Betreiber als Wegbereiter der Digitalisierung

Im Interview erklärt Donald Badoux, Managing Director bei der Equinix (Germany) GmbH in Frankfurt am Main, welche wichtige Rolle Rechenzentrumsbetreiber übernehmen, um in Deutschland Themen wie Digitalisierung und Industrie 4.0 voranzutreiben.

  • Donald Badoux, Equinix

    „Mit der Übernahme des Data-Center-Spezialisten Telecity konnten wir unsere RZ-Kapazitäten in Europa mehr als verdoppeln“, so Donald Badoux, Equinix.

  • Donald Badoux, Equinix

    Donald Badoux, Equinix: „Über unsere Technologie ‚Cloud Exchange’ werden die Workloads der Kunden in unseren Rechenzentren an verschiedenste Cloud-Dienste weitergeleitet.“

  • Donald Badoux, Equinix

    „Bereits über 50 Prozent unserer deutschen Kunden betreiben ihre IT mittlerweile grenzüberschreitend“, weiß Donald Badoux, Equinix.

Das auf die Bereitstellung von Data-Center-Ressourcen spezialisierte US-Unternehmen Equinix betreibt hierzulande sechs Rechenzentren in Frankfurt – das siebte wird zur Zeit gebaut (Fertigstellung Mitte 2017), zwei in München und eines in Düsseldorf. „Weltweit zählen wir 145 Rechenzentren mit einer Fläche von mehr als 1,3 Millionen Quadratmetern“, beleuchtet Deutschland-Chef Donald Badoux die Dimensionen des Anbieters. Zudem beschäftigt man rund 5.500 Mitarbeiter, die einen Umsatz von ca. 3,5 Mrd. US-Dollar generieren, und besitzt in Deutschland mehr als 1.000 sowie weltweit über 8.000 Kunden.

Dabei sieht sich der Anbieter jedoch keinesfalls als klassischer Colocation-Anbieter, der sich allein auf die Bereitstellung von Rechenzentrumplatz konzentriert. „Vielmehr bieten wir die Infrastrukturen, mit denen unsere Kunden ihre Applikationen sowie Daten und damit komplette Prozesskette abbilden können“, so Badoux. Vor diesem Hintergrund fungiert das Unternehmen als eine wichtige Stütze und Wegbereiter für die digitale Transformation von Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Herr Badoux, wie weit ist die digitale Transformation hierzulande fortgeschritten?
D. Badoux:
Hierfür gilt es, einen Blick auf das aktuelle Marktgeschehen und die Kundenanforderungen zu werfen: War Cloud-Nutzung noch vor drei Jahren allein für wenige Unternehmen attraktiv, hat sich dies inzwischen geändert. Mittlerweile wissen die Kunden, dass Digitalisierung und damit der Schritt in die Cloud wichtig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Von daher beschäftigen sich die Verantwortlichen derzeit intensiv mit folgenden Fragen: Wie können sie Cloud Computing im eigenen Unternehmen am besten nutzen? Wie werden Datenschutz und Sicherheit in der Wolke gewährleistet? Wie gelingt eine reibungslose Migration in die Cloud?

IT-DIRECTOR: Inwieweit unterstützen Sie die Kunden bei der Beantwortung dieser Fragen?
D. Badoux:
Im Zuge unserer globalen Ausrichtung betreiben wir derzeit 145 Rechenzentren weltweit – darunter Standorte in Asien, Europa und den USA. Erst im Januar dieses Jahres haben wir den Data-Center-Spezialisten Telecity übernommen. Mit der Integration der über 40 Telecity-Rechenzentren konnten wir unsere RZ-Kapazitäten in Europa mehr als verdoppeln und insbesondere die Ausbreitung in den skandinavischen Ländern vorantreiben.

Daneben haben wir mit „Interconnection Oriented ArchitectureTM“ eine eigene Architektur entwickelt, die den Kunden hilft, ihre Applikationen, Standorte und Mitarbeiter einfach miteinander zu verbinden. Denn immer mehr Mitarbeiter arbeiten flexibel von unterwegs oder im Home Office mit Laptops, Smartphones oder Tablets und benötigen dabei einen sicheren Zugriff auf notwendige Firmendaten. Vor diesem Hintergrund müssen Rechenzentren dafür sorgen, den Endnutzern alle benötigten Daten schnell, zuverlässig und sicher zur Verfügung zu stellen. An dieser Stelle greifen von uns entwickelte Lösungen, um die Performance der Datenübertragung zu verbessern.

IT-DIRECTOR: Wie werden dabei Cloud-Services eingebunden?
D. Badoux:
Über unsere ebenfalls eigens entwickelte Technologie „Cloud Exchange“. Hierbei werden die Workloads der Kunden über eine zentrale Verbindung in unseren Rechenzentren,– sozusagen via „Schaltzentrale“ – an verschiedenste Cloud-Dienste angebunden. Zudem bieten wir den Zugang zu Infrastruktur-Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services (AWS), Google Cloud Platform, Microsoft Azure sowie SaaS-Anbietern wie Oracle oder Salesforce und vielen weiteren  Cloud-Anbietern.

Die schnelle Verbindung der Workloads funktioniert aufgrund unseres Performance-Hubs, welcher eine Erweiterung für das Unternehmensnetzwerk innerhalb unserer Rechenzentren darstellt. Er gewährleistet Unternehmen die sichere und zuverlässige Verbindung zu Netzwerk- und Cloud-Providern.

IT-DIRECTOR: Wie funktioniert dies in der Praxis?
D. Badoux:
Beispielsweise können Versicherungen die sicheren und performanten Cloud-Anbindungen in unseren Rechenzentren nutzen, um über Nacht Risikoanalysen in einer Amazon-Cloud auswerten zu lassen. Während die Daten trotzdem innerhalb ihrer eigenen Infrastruktur bleiben. Am nächsten Morgen fließen die Daten in die klassischen Finanzapplikationen und damit an die Finanzspezialisten zurück, die auf dieser Basis unter anderem tagesaktuelle Bewertungen und Angebote erstellen können.

IT-DIRECTOR: Wie funktioniert dabei die Übergabe von Daten an die diversen Cloud-Services?
D. Badoux:
Im Versicherungsbeispiel kann für die automatisierte Datenübergabe über ein spezielles Orchestration-Tool auf die Cloud-Schaltzentrale von Equinix zugegriffenwerden. Hierdurch können über unsere virtualisierte Netzwerkinfrastruktur direkte virtuelle Verbindungen auf Basis von Layer 2 Ethernet oder Layer 3 IP hergestellt werden. Dadurch ermöglichen wir Verbindungswege im Rechenzentrum, die virtuell aufgebaut sind und Kapazitäten automatisiert verteilen können.

IT-DIRECTOR: Gibt es noch Applikationen, die sich nicht in der Cloud betreiben lassen?
D. Badoux:
Ja, bei sämtlichen Anwendungen für Mainframes. Gerade bei Banken und Versicherungen existieren noch Applikationen, die in älteren Programmiersprachen wie Cobol entwickelt worden sind. Diese Anwendungen sind meist geschäftskritisch und beinhalten verschlüsselte Kundendaten, sodass sie sich nicht einfach problemlos in eine Cloud-Umgebung hieven lassen. Vielmehr müsste man solche Anwendungen zunächst neu aufsetzen, programmieren, testen und in die Cloud bringen, was ein nicht zu unterschätzender Aufwand bedeutet. Eine direkte Verbindung mittels sicherer und performanter Anbindungen kann hier jedoch eine schmerzfreie und einfache Migration alter Applikationen ermöglichen.

Geht es demgegenüber um aktuelle Software für mobile Apps, Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge, werden neue Applikationen von vorneherein cloud-fähig konzipiert.

IT-DIRECTOR: Wie wichtig ist Ihre internationale Ausrichtung für die Nutzung von Cloud-Services?
D. Badoux:
Wir können unseren Kunden weltweit Rechenzentrumskapazitäten anbieten, sodass bereits über 50 Prozent der deutschen Kunden ihre IT grenzüberschreitend betreiben. Dabei gewährleisten wir gemeinsam mit unseren Telekommunikationspartnern schnelle Datenübertragungen und kurze Latenzzeiten.

Weltweit haben mehr als 1.400 Carrier ihre Netze an unsere Rechenzentren angebunden; allein über 500 davon in Deutschland. Auf diese Weise konnten wir gemeinsam mit Carriern und Kunden ein eigenes EcosystemEcosystem aufbauen. Darüber hinaus betreiben wir ein weiteres Ecosystem für den Finanzbereich, welches wir rund um die Deutsche Börse aufgebaut haben. Hier geht es vor allem um die Anbindung von Händlern, den sogenannten High Frequency Traders.

IT-DIRECTOR: Wie lösen Sie in Ihren Rechenzentren wichtige Fragen rund um Datenschutz und Sicherheit?
D. Badoux:
Als reiner Rechenzentrumsbetreiber kommen wir weder mit der IT noch mit den Daten unserer Kunden in Berührung. Von daher liegt unser Augenmerk vorrangig auf der physikalischen Sicherheit und der Hochverfügbarkeit unserer Data Center.

Generell sind die Nutzung allein deutscher Rechenzentren und damit die Einhaltung strenger Datenschutzregeln für die Unternehmen interessant, deren Geschäftsaktivitäten sich ausschließlich auf Deutschland konzentrieren. Arbeitet man jedoch international, stößt man mit hiesigen RZ-Insellösungen schnell an seine Grenzen. Aus diesem Grund behelfen sich immer mehr Kunden mit Hybridlösungen: Wichtige, lokale Daten liegen in deutschen Rechenzentren oder der eigenen IT-Landschaft vor. Parallel dazu wird für weltweite Prozesse auf die Ressourcen globaler Cloud-Partner zurückgegriffen.

IT-DIRECTOR: Was denken Sie, wie sich das „Future Enterprise“ von heutigen Unternehmen unterscheiden wird?
D. Badoux:
Künftig werden das Internet der Dinge und Industrie 4.0 die Automatisierung von Prozessen weiter vorantreiben. Ein Beispiel: In der Automobilindustrie werden immer häufiger Roboter eingesetzt, um die Produktionsprozesse zu automatisieren. Bei den heute bereits eingesetzten Maschinen muss bei Fehlermeldungen jedoch immer noch eine Neuprogrammierung erfolgen, sodass die Produktion stillsteht. Hier geht Industrie 4.0 einen Schritt weiter: Die Maschinen kommunizieren untereinander und wissen, dass ein Roboter gleich ausfallen wird, weshalb automatisch ein anderer dafür einspringen wird. Zudem erfolgen sämtliche Software-Updates in der Produktion künftig automatisiert – ohne weiteres Eingreifen von Software-Entwicklern oder IT-Spezialisten.

Desweiteren werden Technologien wie Virtual Reality, 3D-Printing und künstliche Intelligenz die Industrieunternehmen der Zukunft ausmachen. Fast alle dieser Technologien funktionieren auf Basis von Cloud Computing, wobei Maschinen, Sensoren, Datenbrillen oder 3D-Drucker kontinuierlich mit der Wolke kommunizieren. Dabei müssen die darunterliegenden Infrastrukturen sicher und leistungsfähig sein, sodass sie am besten nahe bei den Produktionsstandorten betrieben werden sollten.

IT-DIRECTOR: Warum ist das so wichtig?
D. Badoux:
Man muss lokale Daten zunächst vor Ort in der Produktion prozessieren können – beispielsweise mittels Edge Computing –, um diese im nächsten Schritt in eine zentrale Cloud zu bringen. Denn zunächst ist die reibungslose Kommunikation zwischen Maschinen – ohne Umweg in die Cloud – wichtig, um schnelle Reaktionen und fließende Prozesse zu gewährleisten.

IT-DIRECTOR: Wie wichtig ist die Sicherheit von Industrie 4.0?
D. Badoux:
Hierbei geht es vielen deutschen Kunden zunächst um Redundanz. Um diese garantieren zu können, betreiben wir momentan allein in Frankfurt sechs Rechenzentren, darunter ein großes Data Center in Bergen-Enkheim an der östlichen Stadtgrenze von Frankfurt. Weitere Rechenzentren gibt es rund um Frankfurt-Griesheim sowie in der Stadtmitte. In diesem Zusammenhang implementieren viele unserer Kunden ihre Infrastrukturen redundant an zwei verschiedenen RZ-Lokationen. Dabei handelt es sich entweder um Backup-Standorte oder die IT-Szenarien werden live und in Echtzeit repliziert.

Nicht nur im Zusammenhang mit Industrie 4.0 legen wir großes Augenmerk auf die physikalische Sicherheit. Neben Sicherheitswachdiensten gibt es Personenkontrollen, wobei niemand ohne Voranmeldung in unsere Rechenzentren gelangt. Zudem besitzen alle Kunden eigene „Cages“ für ihre IT, die nochmals mit biometrischer Zugangskontrolle abgesichert sind.

Da wir nicht als Netzbetreiber agieren, arbeiten wir hinsichtlich der Sicherheit der Infrastrukturen eng mit Sicherheitsanbietern zusammen, die u.a. DDoS-Attacken abfangen und Virus-Scans übernehmen. Sie sorgen für die Implementierung logischer Sicherheit und bauen bei Bedarf Firewalls oder VPN-Verbindungen für die Kunden auf.

IT-DIRECTOR: Sie sprachen die Automobilbranche an. Neben automatisierten Produktionsprozessen geht es den Herstellern zunehmend um autonomes Fahren. Wie unterstützen Sie deren Bemühungen?
D. Badoux:
Wir arbeiten sehr eng sowohl mit den Zulieferern als auch den Herstellern der Automobilbranche zusammen. Letztere investieren IT-seitig sehr viel in neue Technologien wie das Internet der Dinge, Car2Car-Kommunikation, E-Mobility und autonomes Fahren. Dies spielt unserem Geschäftsmodell in die Karten, denn damit generiert die Automobilindustrie immens viele Daten, die wiederum in Rechenzentren verarbeitet und gespeichert werden müssen. Dabei sind insbesondere beim autonomen Fahren Latenzzeiten und Redundanzen höchst kritisch, da Menschenleben davon abhängen können.

IT-DIRECTOR: Wie werden sich vor diesem Hintergrund künftige Kfz-Versicherungsmodelle gestalten?
D. Badoux:
Klassische Kfz-Versicherungen werden sicherlich an ihre Grenzen stoßen. Dann wird die Frage sein: Wer wird bei Unfällen künftig in die Haftung genommen – der Hersteller autonomer Fahrzeuge, die Insassen, der Software-Lieferant oder der Cloud-Provider?

IT-DIRECTOR: Apropos Cloud-Provider: Anbieter wie Amazon, Google & Co. haben zuletzt vor allem in Skandinavien große Rechenzentren eröffnet. Werden sich künftig sämtliche IT-Ressourcen in den Superrechenzentren weniger Anbieter bündeln?
D. Badoux:
Die aktuelle Marktsituation zeigt, dass sich dies insbesondere in Deutschland schwerlich durchsetzen wird. Denn es gibt sehr viele Rechenzentren, die von den Kunden selbst oder von professionellen Dienstleistern betrieben werden.

Der Hintergrund: Hiesige Industrieunternehmen, Banken und Versicherungen sitzen regional verstreut und nutzen gerne lokale Ressourcen. Insbesondere mittelständische Kunden möchten innerhalb von zwei Stunden in dem Rechenzentrum sein, in dem ihre Daten und Anwendungen vorliegen. Im Rahmen von Colocation-Installationen kommen die Techniker des Kunden gar regelmäßig ins Rechenzentrum, um Hardware auszutauschen oder neue Netze in Betrieb zu nehmen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Anders gestaltet sich die Situation in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Frankreich oder Großbritannien. Hier ist die Wirtschaft zentraler aufgestellt, sodass sich die meisten RZ-Hotspots in den Metropolen Amsterdam, Paris und London finden lassen. In den USA sind die Rechenzentren an der Ost- und Westküste verteilt, wobei die Verbreitung von Rechenzentren hier von den Bundesstaaten und deren Gesetzgebung abhängt.

IT-DIRECTOR: Warum sind die nordischen Länder für viele RZ-Betreiber so attraktiv?
D. Badoux:
Treten US-Cloud-Anbieter in den europäischen Markt ein, müssen sie zunächst die TCO möglicher RZ-Standorte abwägen. Die skandinavischen Länder punkten hier nicht zuletzt aufgrund der günstigen Energiekosten. Denn nicht nur die Nutzung von freier Kühlung, aufgrund der niedrigen Lufttemperaturen, sondern vor allem billige Strompreise sprechen für sich. Zum Vergleich: Da in Deutschland die EEG-Umlage greift, kostet ein Kilowatt Strom 14 Cent. In Skandinavien oder auch in Frankreich und den Niederlanden bezahlt man hingegen nur sieben Cent pro Kilowatt.

Allerdings genießen deutsche Rechenzentren hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit einen sehr guten Ruf. Daher wollen insbesondere deutsche Mittelständler ihre Daten hierzulande vorhalten und nicht in Finnland oder den Niederlanden speichern. Sie wollen die Data Center vor Ort besichtigen und genau wissen, auf welchen Servern ihre Daten vorgehalten werden.

IT-DIRECTOR: Wie kann Deutschland konkurrenzfähiger werden?
D. Badoux:
Hierzulande gibt es hinsichtlich der Strompreise einen glasklaren Nachteil für Rechenzentrumsbetreiber, was auf politischer Ebene in Berlin bereits mehrfach diskutiert wurde. Da in Deutschland viele Industrien eine Befreiung der EEG-Umlage erhalten haben, sollte dies künftig auch für RZ-Betreiber möglich sein.

IT-DIRECTOR: Warum stößt man mit dieser Forderung in der Politik auf taube Ohren?
D. Badoux:
Rechenzentren gelten gemeinhin als Energiefresser. In der Tat benötigen wir viel Strom, dennoch arbeiten große RZ-Betreiber deutlich effizienter, als wenn alle Kunden ihre eigenen Data Center betreiben würden.

Professionelle RZ-Betreiber optimieren und komprimieren IT-Infrastrukturen, arbeiten mit energieeffizienten Methoden wie freier Kühlung und nutzen alternative Energiequellen. Wir selbst bemühen uns seit langem darum, den CO2-Ausstoß kontinuierlich zu senken. Dafür beziehen wir etwa vorrangig „grünen“ Strom von unserem regionalen Energielieferanten Mainova. Nicht zuletzt betreiben wir eine eigene Brennstoffzelle in einem unserer Rechenzentren und nutzen Photovoltaik.

IT-DIRECTOR: Welche Trends treiben RZ-Betreiber über Nachhaltigkeit und Umweltschutz hinaus derzeit um?
D. Badoux:
In immer mehr Rechenzentren kommt Software-defined Networking zum Zuge, womit sich Infrastrukturen und deren Komponenten von der Hardware entkoppeln lassen. Netzwerke werden software-basierend virtuell abgebildet. So können sie erkennen, wo der meiste Netzwerkverkehr erwartet wird. Das erhöhte Lastaufkommen wird anschließend schnellstmöglich über verschiedene Strecken weitergeleitet. Auf der Ebene von Rechenzentren spricht man dabei von Software-defined Data Center. In diesem Zusammenhang lassen sich Workloads flexibel von Rechenzentrum zu Rechenzentrum verteilen, wie es gerade am besten passt.

Darüber hinaus entscheiden sich Kunden zunehmend gegen standardisierte Software und für Open-Source-Systeme wie Openstack. Parallel dazu treiben große Hardware-Anbieter wie HP oder IBM die Openstack-Technologie aktiv voran. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir eng mit den Software-Anbietern von Open.org zusammen und berücksichtigen deren Technologien in unseren Rechenzentren. Wir gehen davon aus, dass sich die Orchestrierung von Cloud-Ressourcen aufgrund dieser Entwicklungen künftig weiter vereinfachen lässt.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns ein aktuelles Beispiel skizzieren?
D. Badoux:
General Electric (GE) arbeitet momentan daran, die Wartung von Flugzeugmotoren zu verbessern. Allein bei der Landung einer Boeing wird pro Triebwerk ein Terabyte an Daten generiert. Diese Daten müssen analysiert und gespeichert werden, gleichzeitig müssen daraus neue Erkenntnisse gezogen werden: Welchen Verschleiß gibt es? Wann muss die nächste Wartung stattfinden? Welche Teile sollten ausgetauscht werden? Hier arbeiten wir eng mit GE zusammen und liefern das gesamte darunterliegende Rechenzentrumsmodell für Cloud- und Big-Data-Szenarien.

IT-DIRECTOR: Ein Blick nach vorne: Welche Pläne verfolgen Sie für die Zukunft?
D. Badoux:
In Europa bauen wir nicht zuletzt aufgrund der Übernahme von Telecity unsere Rechenzentrumskapazität weiter aus. Zudem laufen in Deutschland aktuell drei RZ-Bauprojekte. Bei der Standortwahl sind neben der Lage und Energieversorgung insbesondere die Konnektivität und damit die Glasfaseranbindung an zig Internet-Provider entscheidend.

Desweiteren werden Nachhaltigkeit und Umweltschutz weiterhin eine wichtige Rolle spielen. So betreiben wir das Rechenzentrum in Bergen-Enkheim mit 35 Megawatt an Strom, wofür wir jährliche Audits hinsichtlich unseres CO2-Ausstoßes oder auch Lärmschutz vornehmen müssen. Zudem müssen wir uns nach ISO- und auch TÜV-Normen und -Standards zertifizieren lassen, da unsere Kunden dies nachfragen.

Momentan treibt europäische RZ-Betreiber der Standard EN 50600 um. Dahinter steckt ein Fragenkatalog für Prozesse mit der vollen Bandbreite von physikalischer Sicherheit über redundante Strom- und Kühlversorgung, Energieeffizienz sowie Brandschutz bis hin zur Dokumentation der RZ-Wartung.


Donald Badoux
Alter: 55 Jahre
Werdegang: Als Spezialist im Rechenzentrumssektor weist Donald Badoux mehr als 20 Jahre Berufserfahrung auf. Vor seinem Wechsel zu Equinix Anfang 2013 war er zwei Jahre lang Managing Director der Savvis Germany GmbH. Zuvor war er für das Deutschlandgeschäft von Eunetworks und in leitenden Positionen für den Vertrieb u.a. bei Verizon, Ericsson und BT verantwortlich.
Derzeitige Position: Geschäftsführer der Equinix (Germany) GmbH


Bildquelle: Jörg Ladwig

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