SAP-Rivale

Salesforce setzt mit Slack-Kauf auf Bürochats

Es ist der größte Tech-Deal der Corona-Ära: Der SAP-Konkurrent Salesforce will für fast 28 Milliarden Dollar den Bürochat-Anbieter Slack schlucken.

Marc Benioff, Gründer und Chef von Salesforce, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Darron Cummings/AP/dpa

Slack, das seinen Sitz in San Francisco nur wenige hundert Meter entfernt von dem neuen Salesforce-Tower hat, debütierte 2013. Foto: Darron Cummings/AP/dpa

Der Software-Konzern wettet damit darauf, dass auch nach dem Ende der Pandemie mehr als zuvor digital kommuniziert wird. Zugleich zeigt die Übernahme auch die Grenzen für mittelgroße Player in der heutigen Tech-Industrie auf: Slack profitierte zwar auch von verstärkter Heimarbeit in Corona-Zeiten - aber nicht so stark wie zum Beispiel Zoom.

Slack werde bei dem Deal insgesamt mit 27,7 Milliarden Dollar (rund 23 Mrd Euro) bewertet, teilte Salesforce nach US-Börsenschluss am Dienstag mit. Der Betrag geht unter anderem auf den aktuellen Salesforce-Kurs zurück. Slack-Aktionäre sollen pro Anteilsschein 26,79 Dollar sowie 0,0776 Salesforce-Aktien erhalten. Der Aktienkurs von Salesforce gab im frühen US-Handel am Mittwoch um mehr als sieben Prozent nach.

Der Gründer und Chef von Salesforce, Marc Benioff, gab sich alles andere als bescheiden beim Ausblick auf die Auswirkungen des Deals. Zusammen würden die Firmen die Zukunft von Unternehmenssoftware prägen und auf diese Weise verändern, wie die Menschen in einer digitalen Welt arbeiten, schwärmte er. Slack solle auch in Salesforce-Produkte integriert werden.

Salesforce ist unter anderem mit webbasierter Software für Aufgaben wie Kundenmanagement und Datenanalyse ein wichtiger Konkurrent des deutschen SAP-Konzerns. Benioff machte bereits vor der Gründung von Salesforce 1999 Karriere beim SAP-Rivalen Oracle. Unter dem Salesforce-Dach versammelte er eine Reihe von Zusatz-Angeboten wie etwa die Bürosoftware Quip und den Datenauswertungs-Dienst Tableau. Mit Chatter gab es auch einen Slack-Konkurrenten im eigenen Haus, der jedoch ein Nischenprodukt blieb.

Slack, das seinen Sitz in San Francisco nur wenige hundert Meter entfernt von dem neuen Salesforce-Tower hat, debütierte 2013. Die Plattform zur Bürokommunikation wurde schnell populär bei Start-ups und mit der Zeit auch in größeren Unternehmen. Gründer und Chef Stewart Butterfield brachte Slack im Sommer vergangenen Jahres an die Börse mit einer Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar.

Der 47-jährige Butterfield gehörte einst zu den Gründern der Fotoplattform Flickr, die sie 2005 für einige Dutzend Millionen Dollar an den Web-Pionier Yahoo verkauften. Gemessen an Preisen, die wenig später für Online-Dienste dieser Liga erzielt wurden, stiegen Butterfield und Co für viel zu wenig Geld aus. Bei Slack betonte er in den vergangenen Jahren wiederholt, nicht an einem Verkauf interessiert zu sein. Zum Börsengang kontrollierte er rund 18 Prozent der Slack-Anteile.

In der Corona-Krise wuchs Slack in den vergangenen Quartalen jeweils um rund 50 Prozent im Jahresvergleich. Das Geschäft entwickelte sich aber nicht so explosiv wie etwa beim Videokonferenzdienst Zoom, wo sich die Erlöse vervielfachten.

Im Sommer reichte Slack eine Beschwerde bei der EU-Kommission gegen Microsoft ein und warf dem Software-Riesen unfairen Wettbewerb vor, weil er seine Konkurrenz-Anwendung Teams mit der Bürosoftware Office bündelt. Das wurde von einigen Beobachtern als Zeichen gesehen, dass Slack sich im direkten Wettbewerb mit Schwergewichten der Branche schwer tut.

© dpa-infocom, dpa:201202-99-538252/4

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