Ende für ByDesign, Zukunft für HANA

SAP macht, was es besser kann

ByDesign wird eingeschränkt (eingestellt, sagen manche) und HANA wird erweitert. SAP ist erfolgreich, aber nur bei Big-IT.

Der Star von SAP ist schon seit einiger Zeit seine neue - und sehr erfolgreiche - Datenbanktechnologie HANA.  Doch der Erfolg ist teuer erkauft, denn die milliardenschweren Investments in die Mittelstandstechnologie Business ByDesign muss SAP jetzt wohl abschreiben: Die Weiterentwicklung der Software wird laut Wirtschaftswoche gestoppt, Service und Wartung für ByDesign-Kunden würden von Indien aus gesteuert.

"ByDesign ist und bleibt Teil der Produktpalette und wird als solche weiterentwickelt’”, verdeutlichte SAP-Sprecher Daniel Reinhardt dem Handelsblatt die offizielle Position des Unternehmens. “Selbstverständlich setzen wir unsere Entwicklungskapazitäten in solche Produkte ein, die am Markt eine hohe Nachfrage finden und ein hohes Potenzial haben.”

Damit ist SAP HANA gemeint, eine so genannte Appliance, also eine Kombination aus spezifischer Software und Hardware. Damit greift HANA mehrere relativ neue technologische Entwicklungen zur Beschleunigung von Datenzugriffen auf.

Zum einen verbindet HANA auf der Software-Seite klassische relationale Datenbankensysteme (RDBMS) und neu entwickelte spaltenorientierte Datenbanken, die in vielen Situationen effizienter arbeiten. Auf der Hardware-Seite kommt die In-Memory-Technologie zum Einsatz, die den extrem schnellen Hauptspeicher eines Computers zur Datenspeicherung nutzt.

HANA-Appliances nutzen die heute verfügbaren hocheffizienten Datenbanktechnologien und sind dadurch erheblich schneller als herkömmliche Anwendungen. Mit dieser Neuentwicklung hatte SAP großes Glück. Sie kam 2010 zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt, punktgenau zum Big-Data-Hype.

SAP HANA ist eine gute Lösung für das rasche Verarbeiten von großen Datenmengen - zum Beispiel in einer typischen Big-Data-Anwendung. Und in genau diese Richtung will SAP in Zukunft verstärkt gehen. Seit einiger Zeit erweitert der Walldorfer ITT-Riese sein Angebot für Big Data, unter anderem durch eine enge Anbindung an Hadoop.

Kurz: SAP benötigt dringend freie Entwicklerressourcen, um seine (zukünftige) Produktpalette rund um HANA weiter auszubauen. Die eher erfolglose Mittelstandslösung ByDesign ist dem zum Opfer gefallen. Bleibt die Frage: Kann SAP Mittelstand? Die diplomatische Antwort lautet: Nicht besonders gut, denn die Unternehmenskultur ist auf Groß-IT für Konzerne ausgerichtet.

Wer Groß-IT-Produktmanager und Groß-IT-Entwickler hat, schiebt letztlich immer Projekte für große bis sehr große Unternehmen an. Dies zeigt sich bei den Hardware-Anforderungen, bei den Preisen und beim Schulungsbedarf. Konsequenterweise setzt SAP jetzt auf eine Sache, die in Walldorf wirklich gut gemacht wird: Big (Data) IT.

Bildquelle: Carsten Müller / scx.hu

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