Latenzzeiten vermeiden

Schnelles Netzwerk für das Rechenzentrum

Interview mit Eugen Gebhard, Managing Director Central Europe bei Ciena, inwieweit geografische Entfernungen von Rechenzentren bei Latenzzeiten ins Gewicht fallen können und wie man für schnelle Netzwerke sorgen kann

Eugen Gebhard, Ciena

Eugen Gebhard, Managing Director Central Europe bei Ciena

IT-DIRECTOR: Herr Gebhard, ein Blick in die Praxis: Immer mehr Rechenzentren von Großunternehmen kommen in die Jahre. Wann sollten sich die Verantwortlichen für einen kompletten Neubau entscheiden? Und wann reicht die Modernisierung des Data Center aus?
E. Gebhard:
Für Rechenzentren gibt es kein „One-Size-fits-all“-Modell. Jede Organisation hat eigene Anforderungen, die auf Faktoren wie Kapazität, Kosten, Compliance und Sicherheit bewertet werden müssen. Da in Unternehmen immer mehr Daten entstehen, müssen sie überprüfen, ob ihre derzeitige Rechenzentrumskonfiguration die Masse an Daten bewältigen kann. Mit dem Aufkommen von Cloud-Services können Unternehmen jetzt On-Demand-Computing- und Storage-Dienstleistungen nutzen, die kostengünstiger sind.

IT-DIRECTOR: Fällt die Entscheidung zugunsten eines Neubaus: Wie lässt sich am besten ein passender Standort ermitteln?
E. Gebhard:
Mehrere Faktoren spielen bei der Standortbestimmung eine Rolle. Dazu zählen Immobilien, Energiekosten, geographische Vielfalt und Ausfallsicherheit – was wichtig ist, um die Wahrscheinlichkeit für Risiken wie Überschwemmungen, Erdbeben oder andere Katastrophen zu reduzieren. „Grüne“ Faktoren, wie erneuerbare Energiequellen spielen auch eine entscheidende Rolle. Geografische Entfernungen können bei Latenzzeiten ebenfalls ins Gewicht fallen – abhängig von den gehosteten Anwendungen.

IT-DIRECTOR: Facebook baute ein Rechenzentrum in Luleå in Nordschweden, der RZ-Betreiber Verne Global bietet seit langem IT-Services aus Island an – warum bevorzugen immer mehr Unternehmen skandinavische Länder als Standort für ihre Rechenzentren?
E. Gebhard:
Gartner zufolge sind die niedrigen Energiepreise und die günstigen Umweltbedingungen in Nordeuropa ein Grund dafür. Unternehmen können bis zu 50 Prozent ihrer Kosten sparen, wenn sie einen Standort in Nordeuropa für ihre Rechenzentren wählen. Seit 2010 sind die Stromkosten in Norwegen und Schweden um fünf Prozent gesunken, während im Vergleich dazu der europäische Durchschnitt um rund 13 Prozent stieg. Insgesamt haben sich Netzwerk-Performance und Pricing soweit verbessert, dass die Verlagerung von Rechenzentren in andere Standorte nun finanziell rentabel und aus technischer Sicht vorteilhaft geworden ist.

IT-DIRECTOR: Kritiker verweisen auf die teilweise unzureichenden Infrastrukturen in nordischen Ländern – wie kann man dennoch für hohe Performance und geringe Latenzzeiten bei der Datenübertragung sorgen?
E. Gebhard:
Skandinavien und andere Regionen passen sich momentan an den erhöhten Datenverbrauch an. Grund dafür sind die steigenden Erwartungen der Nutzer, die einen Zugriff auf Informationen und Entertainment-Dienstleistungen von überall, zu jeder Zeit und von jedem Gerät haben wollen. Innovative Betreiber setzen verstärkt auf neue und offene Architekturen und bewegen sich weg von alten Metro-Netzwerken. Dabei werden die neuesten kohärenten, optischen Übertragungstechnologien wirksam eingesetzt. Es geht nun in Richtung Enterprise-User-to-Content und Content-to-Content-Domains. Als Ergebnis optimieren diese Betreiber ihre Dienstleistungen und ermöglichen durch On-Demand-Connectivity-Dienste Unternehmen mit der Cloud zu verbinden.

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