Methoden für die Digitalisierung

Scrum und Design Thinking dominieren Entwicklung

Die Digitalisierung erfordert in vielen Branchen neue Herangehensweisen für die Konzeption und Entwicklung von Produkten. Um alle Herausforderungen meistern zu können, sollten laut der Unternehmensberatung mm1 Methoden wie agile Entwicklung, Design Thinking oder Lean Startup zum Einsatz kommen.

Methoden für die Digitalisierung

Mit Methoden wie agile Entwicklung, Design Thinking, Scrum oder Lean Startup soll sich die Digitalisierung einfacher meistern lassen.

Im Rahmen einer Umfrage wollten die Berater wissen, inwieweit diese Entwicklungsmethoden in deutschen Unternehmen bereits bekannt sind und eingesetzt werden. Das Ergebnis: Agile Entwicklung und Design Thinking seien mittlerweile gut etablierte Innovationsmethoden und würden bereits von 70 bzw. 60 Prozent der deutschen Firmen eingesetzt – mit zunehmender Tendenz. Lean Startup hingegen sei noch zu wenig bekannt.

„Unsere Erhebung zeigt, dass die befragten Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben. Digital vernetzte Angebote müssen heute schnell und effektiv auf den Markt gebracht werden. Das ist nur mit State-of-the-Art Methoden möglich“, macht Laurenz Kirchner, Partner bei mm1, deutlich. An der Umfrage im November 2016 haben 110 Produkt- und Innovationsverantwortliche aus zumeist großen deutschen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern teilgenommen.

Die Digitalisierung zwingt Unternehmen oftmals dazu, mit neuen Angeboten ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Dabei haben sie laut Studie gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen: Kundenbedürfnisse ändern sich aufgrund der schnellen Technologieentwicklung rasant, gleichzeitig müssen Entwicklungsprojekte flexibler und mit kürzeren Vorlaufzeiten auf solche Veränderungen reagieren können. Und selbst wenn es gelungen ist, mit neuem Produkt unter Einsatz neuer Technologien ein Kundenproblem zufriedenstellend zu lösen, muss für diese Lösung meist noch ein funktionierendes Angebots- und Geschäftsmodell gefunden werden.

Grenzen der klassischen Entwicklung

Laut Unternehmensberatung stoßen klassische Entwicklungsansätze wie etwas das Stage Gating hier zunehmend an ihre Grenzen. Denn diese seien für kapitalintensive Herstellungs- oder Dienstleistungsprozesse z.B. im Automobilbau oder in der Energieversorgung ausgelegt. Es gehe vor allem darum, vor großen Investitionen – etwa in ein aufwendiges Fertigungswerkzeug oder in teure Infrastrukturkomponenten – möglichst viele Risiken auszuschließen und Fehler zu vermeiden. In der digitalen Produktentwicklung hingegen seien die Anfangsinvestitionen geringer, was sich die neuen Methoden zum Vorteil machen. Sie setzen darauf, gerade in Anfangsphasen von Entwicklungsprojekten Fehler zu machen und daraus zu lernen. Diese Fehler seien nicht teuer, minimieren aber das Risiko am Markt vorbei zu entwickeln, deutlich, heißt es seitens der Unternehmensberatung.

Für Kirchner ist die Mischung von Methoden in der Entwicklungsarbeit selbstverständlich. Von daher sei es auch keine Überraschung, dass Entwicklungsansätze wie Scrum, Design Thinking und Lean Startup, die in völlig unterschiedlichen Branchen wie der IT, der Kreativbranche oder der Startup-Welt ihre Wurzeln haben, mittlerweile als moderner Methodenkanon in den Unternehmen Einzug finden: „Gerade deutschen Firmen tut es gut, dass mit diesen Methoden eine neue Fehlertoleranz und damit auch eine gewisse disziplinierte Kreativität Einzug hält. Denn das sind die wesentlichen Gemeinsamkeiten von Scrum, Design Thinking und Lean Startup: Sie legen den Schwerpunkt darauf, in kurzen Zyklen konkrete Arbeitsergebnisse zu erzeugen und diese auf Tauglichkeit zu überprüfen – ,Build (to think), Measure, Learn‘ heißt das übergreifende Motto.“

Gleichzeitig sei jedoch keines der Modelle für sich allein genommen ein Allheilmittel. „Wir beobachten in manchen Unternehmen eine Tendenz, die iterativen Entwicklungsmethoden falsch einzusetzen. Insbesondere Design Thinking ist gerade im Trend und es kommt beim jeweiligen Top-Management gut an, wenn ein Entwicklungsprojekt mit diesem Etikett versehen wird. Wenn dann aber der ersten Nutzerbeobachtung und Ideengenerierung nicht rigoroses Prototypisieren und Testen folgen, verpufft der Effekt schnell. Das habe ich in vielen Jahren Design-Thinking-Arbeit leider zu häufig gesehen“, erklärt Kirchner.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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