Daten über neue Wege bereitstellen

SDS-Technologie schafft Hardware-Unabhängigkeit

Im Interview berichtet Benjamin Krebs, Sales Manager SDS Germany bei EMC Deutschland GmbH, von den Vorteilen der Software-defined-Storage-Technologie und gibt einen Ausblick auf künftige Anforderungen an die Speicher-Industrie.

Benjamin Krebs, Sales Manager SDS Germany bei EMC Deutschland GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Krebs, bislang gibt es keine einheitliche Definition des Software-defined Storage (SDS), was verstehen Sie unter diesem Begriff?
B. Krebs:
Software-defined Storage ist bei EMC als eine Lösung definiert, die es unseren Kunden ermöglicht, eine Storage-Software-Plattform mit all Ihren Funktionalitäten unabhängig von der darunterliegenden Hardware einzusetzen.

IT-DIRECTOR: Handelt es sich dabei denn um ein neues Paradigma in der Speicherindustrie oder um einen reinen Marketingzweck?
B. Krebs:
Es geht darum, Kunden den Mehrwert unserer Lösungen zum für den Kunden passenden Kostenpunkt und mit der gewünschten Flexibilität zu realisieren. Deshalb ist der Weg der Kunden hin zu Commodity-Hardware vorgezeichnet und deshalb sehen wir beispielsweise auch einen verstärkten Einsatz von Servern mit internen Disks oder DAS, die durch Software-Technologien wie EMC ScaleIO zusammengefasst und als Enterprise-Storage-Systemen nutzbar gemacht werden.
Es handelt sich somit durchaus um ein (wenn auch nicht ganz neues) Paradigma in der Speicherindustrie – und nicht um einen reinen Marketingzweck.

IT-DIRECTOR: Wie verbreitet ist die SDS-Technologie bei deutschen Unternehmen? – Wie gut sind Kunden über diese Möglichkeit informiert, wie hoch ist die Nachfrage?
B. Krebs:
Mehr als die Hälfte der DAX-Unternehmen setzt bereits erfolgreich EMC SDS-Technologien ein, und auch über alle anderen Bereiche wie öffentliche Auftraggeber, Mittelstand etc. hinweg sehen wir eine Vielzahl an Unternehmen, die SDS-Technologien bereits erfolgreich nutzen.

Der Informationsstand der einzelnen Unternehmen ist dabei sehr unterschiedlich – von einem grundlegenden „hab ich mal gehört“ bis hin zu „ich kenne den Markt und die Möglichkeiten vollumfänglich“ ist alles vertreten. Bei fast allen Gesprächen mit Kunden und Interessenten können wir jedoch neue Impulse setzen und gemeinsam neue Wege zum Einsatz von SDS-Technologien erschließen.

Die Nachfrage steigt stetig – das hängt zum einen natürlich mit dem gezielten Fokus auf SDS in unseren Gesprächen mit unseren Kunden zusammen, aber auch damit, dass der Druck auf die IT bezüglich flexibler, serviceorientierter und kostengünstiger Modelle stetig wächst. Dabei ist der Einsatz von SDS-Technologien der logische und zielführende Weg.

IT-DIRECTOR: Wie ausgereift sind aktuelle SDS-Lösungen?
B. Krebs:
Wie beschrieben ist der Einsatz von EMC SDS-Lösungen bereits weit verbreitet und wir haben 2013 mit einer eigenen Business Unit (SDS – Software-defined Solutions) klar den Weg der SDS-Lösungen beschritten.

IT-DIRECTOR: Storage-Anforderungen werden komplexer – die Datenmenge steigt etwa durch die Nutzung mobiler Endgeräte – welche Antwort bietet SDS darauf?
B. Krebs:
SDS bietet zum Beispiel die Möglichkeit, Daten über neue Wege bereitzustellen, um speziell die Nutzung mit mobilen Endgeräten zu ermöglichen. Ein Beispiel wäre hier die Bereitstellung über eine Objekt-Schnittstelle – diese ermöglicht es dem Nutzer, von überall und mit jedem Endgerät auf die gleichen Daten zuzugreifen. SDS ermöglicht es, diesen Zugriff auch auf bestehender Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, gerade wenn diese Infrastruktur „nativ“ keine Objekt-Schnittstelle besitzt – also eine echte „software-defined“ Erweiterung bestehender Systeme.

IT-DIRECTOR: Welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch den Einsatz?
B. Krebs:
Die Vorteile von SDS-Technologien liegen vor allem im Bereich der Flexibilität, dem schnell und einfach realisierbaren Mehrwert der Funktionen, der Unabhängigkeit von darunterliegender Hardware-Infrastruktur, den günstigeren TCO verglichen mit „klassischen“ Konzepten, dem Investmentschutz und der Zukunftssicherheit.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich bestehende Umgebungen mit SDS-Konzepten verbinden?
B. Krebs:
Wie dargestellt, sind „echte“ SDS-Konzepte unabhängig von der darunterliegenden Infrastruktur. Das bedeutet, dass wir bei EMC häufig SDS-Konzepte mit unseren Kunden auf deren bestehender Infrastruktur umsetzen. Der Kunde hat im weiteren Verlauf die Möglichkeit, diese Infrastruktur weiter zu betreiben oder nach Bedarf durch neue, gegebenenfalls auch Commodity-Infrastruktur, zu ersetzen.

IT-DIRECTOR: SDS führt zu einer zusätzlichen Komplexitätsebene in der Datenlandschaft, wie sollten Unternehmen dieser Herausforderung begegnen?
B. Krebs:
SDS führt bei richtigem Einsatz zu einer deutlichen Vereinfachung im Unternehmen.
So kann eine vollständige Standardisierung und Automatisierung des Storage-Handlings erreicht werden. Das bedeutet, dass unabhängig vom Speichersystem beispielsweise die Bereitstellung von neuem Speicher für Endanwender immer gleich und durch nur wenige Klicks erfolgt. Die Mitarbeiter müssen damit beispielsweise nicht mehr auf neue Systeme geschult werden.

Über die Lösung ViPR kann weiterhin ein Self-Service-Katalog bereitgestellt werden, so dass der Endanwender im Unternehmen seine Services selbst bestellen kann und diese automatisiert bereitgestellt werden. Das führt zu einer weiteren Entlastung im IT-Bereich, und gleichzeitig zu einer verbesserten Anwendererfahrung (Service wie bei einem Service-Provider – aber eben On-Premise, in der Sicherheit der unternehmenseigenen Infrastruktur).

IT-DIRECTOR: Ab welcher Größenordnung und welchem Unternehmensumfeld empfehlen Sie den Einsatz einer SDS-Lösung?
B. Krebs:
Die Empfehlung für einen Einsatz einer SDS-Lösung hängt von den Anforderungen eines jeden Unternehmens ab. Im Kreis der EMC-Kunden, die unsere SDS-Lösungen einsetzen befinden sich sowohl die Mehrzahl der Dax-Unternehmen als auch eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich der Bedarf nach Speicherlösungen generell in den kommenden Jahren entwickeln?
B. Krebs:
Wir sehen weiterhin einen massiven Anstieg der Datenmengen, die von Unternehmen gespeichert werden. Aktuelle Studien sagen einen Anstieg der Datenmenge bis 2020 um das 14-fache auf eine Menge von 44 Zettabyte voraus. (IDC, The Digital Universe Study)

Derzeit realisieren wir zum Thema „Big Data“ und „Data Analytics“ eine Vielzahl von Projekten mit unseren Kunden.
Um aus solchen Initiativen den größtmöglichen Mehrwert zu ziehen, ist es sogar notwendig, noch deutlich mehr Daten als bislang zu speichern. Gleichzeitig verändert sich die Art der Daten (viele, kleine Daten wie Sensor-Data oder Social Media Content) und die Zugriffsmethoden (von jedem Gerät, von überall – Object-based und HDFS statt File/Block).

IT-DIRECTOR: Wie beurteilen Sie den Trend „Software-defined Everything“ – die Entwicklung, die gesamte IT-Hardware künftig durch Software zu verwalten und zu steuern?
B. Krebs:
Wir sehen diesen Trend ganz deutlich. Im Grunde genommen ist er auch nicht neu, denn unsere Produkte erzeugten schon immer durch die darauf installierte Software den Mehrwert für unsere Kunden – die Hardware-Plattform war meist nicht das Differenzierungsmerkmal.

Aktuell setzt sich immer mehr der Bedarf der Kunden nach Commodity-Hardware-Infrastruktur durch, im Grunde genommen bedeutet das hauptsächlich den Wunsch nach Wahlfreiheit. Diesem Trend entsprechen wir durch unsere klare Strategie des Software-defined Datacenters in der EMC Federation. 

IT-DIRECTOR: Sehen Sie dadurch ein erhöhtes Risiko mit Blick auf Ausfälle oder Defekte?
B. Krebs:
Grundsätzlich definiert sich das Risiko von Ausfällen durch die Kombination aller Komponenten in der Architektur – und nicht zu vergessen der Applikation selbst.

Den aktuell häufigsten Einsatz von „Software-only“-Lösungen auf Commodity-Hardware sehen wir im Bereich der neuen Applikationen (3rd Platform Applications), wie z. B. MongoDB, NoSQL und ähnlichen oder auch mit Docker-Containern. Hierbei geht die Applikation bereits nativ davon aus, dass die Infrastruktur nicht immer verfügbar ist und die Applikation selbst sorgt daher für einen Schutz gegen den Ausfall der Infrastruktur. In anderen Bereichen baut man zusätzliche Schutzmechanismen ein, um ein gegebenenfalls erhöhtes Risiko abzufangen.



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