Verschlüsselung: „Mitlesen“ ist keine Lösung

Sicherheitsdiskussion um stärkere Überwachung

Die jüngsten Terrorakte in Paris gaben internationalen wie nationalen Behörden erneut Anlass, eine Sicherheitsdiskussion vom Zaun zu brechen, um stärkere Überwachungsmechanismen einzufordern. Eine davon ist das "Mitlesen" von verschlüsselten Informationen durch Geheimdienste oder andere Behörden.

Überwachungskamera

Der Glaube, durch mehr Überwachung für mehr Sicherheit zu sorgen, wurde spätestens durch die jüngsten Attentate in Paris ad absurdum geführt.

Forderungen, die man unter anderem bereits nach den Anschlägen auf die Pariser Redaktion von Charlie Hebdo im Januar dieses Jahres gestellt hatte und die – zumindest in Frankreich – weitgehend umgesetzt wurden. Dabei wurde der Glaube, durch mehr Überwachung für mehr Sicherheit zu sorgen, spätestens durch die jüngsten Attentate ad absurdum geführt. Denn trotz verstärkter Überwachung waren bei den verheerenden Anschlägen vergangenen November weit mehr unschuldige Opfer betroffen als noch im Januar.

Man muss kein Augur sein, um voraussehen zu können, dass selbst krasseste Sicherheits- und Überwachungsszenarien keinen hundertprozentigen Schutz bieten werden. Denn rein logistisch ist es einfach (noch) nicht möglich, allein in Europa rund 10.180.000 km2 Fläche und über 742 Millionen Einwohner (Stand Mitte 2015) rund um die Uhr sowie auf Schritt und Tritt zu überwachen. Von daher sollte es sich die Politik eigentlich eher zur Aufgabe machen, die Wurzeln des Übels zu beseitigen anstatt mit blindem Aktionismus dessen Wirkungen bekämpfen zu wollen.

Ein Beispiel für blinden Aktionismus war der kurz nach Pariser Attentaten erneut vorgebrachte Vorschlag des britischen Premierministers David Cameron, ein Verbot von Verschlüsselungstechnologien zu erwirken, auf welche Behörden bzw. Geheimdienste keinen Zugriff nehmen können. Prominente Unterstützer fand Cameron sogleich bei US-Präsident Barack Obama oder Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Die Reaktionen auf diese Forderung ließen seitens der IT-Sicherheitsbranche nicht lange auf sich warten. Insbesondere der Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (Teletrust) mahnte dabei nicht nur zur Besonnenheit, sondern auch vor einer politischen Instrumentalisierung der Terrorgefahr. Laut dem Teletrust-Vorstandsvorsitzenden Prof. Norbert Pohlmann hätte ein Verschlüsselungsverbot aus technischer Sicht vor allem „negative Konsequenzen für unsere Wirtschaft und die Freiheit der Bürger“. Vielmehr würde dadurch der wirksame Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen ausgehebelt und Einfallstore für Wirtschaftsspionage geschaffen. Darüber hinaus sei der Schutz der Bürger vor Ausspähung ein Persönlichkeitsrecht und sollte in demokratischen, modernen Gesellschaften nicht leichtfertig auf Spiel gesetzt werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2015. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Nicht zuletzt ist ein Verschlüsselungsverbot laut Norbert Pohlmann nicht zielführend, da es technisch stets Möglichkeiten geben wird, unerkannt Daten zu verschlüsseln. „Terroristen würden trotz eines Verbots weiterhin ihre Nachrichten verschlüsseln, während rechtskonforme Unternehmen und Bürger, die sich gegen Kriminelle schützen wollen, den Gefahren des Internets ausgeliefert wären“, so Pohlmann.

Während es zuletzt um die beschriebenen Pläne wieder ruhiger wurde, bleibt abzuwarten, wie sich die Sicherheitsdiskussionen in Deutschland und Europa weiterentwickeln werden.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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