Cloud-basierte Anwendungen passend zum Workload

Sicherheitsvorkehrungen für die Cloud

Im Interview berichtet Gavan Egan, Managing Director Europe, Cloud Services bei Verizon Enterprise Solutions, über die Cloud-Nutzung in Unternehmen.

Gavan Egan, Managing Director Europe, Cloud Services bei Verizon Enterprise Solutions

IT-DIRECTOR: Herr Egan, wie ist aktuell die Situation bei der Einführung einer Enterprise-Cloud?
G. Egan:
Während man früher spezielle Workloads für den Betrieb in der Cloud vorsah, bewerten Unternehmen heute sämtliche neuen Workloads zunächst unter dem Aspekt der Cloud-Nutzung. Dem Verizon Bericht State of the Market: Enterprise Cloud 2014 zufolge nutzen gegenwärtig 65 Prozent der Unternehmen Cloud Computing, bereits 2017 sollen 71 Prozent der Firmen Cloud-Lösungen für öffentlich zugängliche Produktionsanwendungen implementieren.

Das technologische Grundgerüst der Cloud ist gereift, sie hat sich als Bereitstellungsplattform für Anwendungs-Workloads wie Video-Streaming und Big Data etabliert und die Bedeutung von IT innerhalb größerer Organisationen grundlegend neu definiert. „Der technologische Reifeprozess beeinflusst positiv die Art und Weise, wie IT-Führungskräfte mit den einzelnen Geschäftslinien zusammenarbeiten und wie sie an ihre Entscheidungen beim Einkauf von Cloud-Leistungen herangehen. Firmen bedienen sich immer häufiger einer vom geplanten Lebenszyklus geprägten Herangehensweise an die Cloud. Sie erkennen, dass jede einzelne Anwendung ganz eigener Überlegungen bedarf und einen individuellen Cloud-Migrations-Pfad benötigt.

IT-DIRECTOR: Wie entwickelt sich der Markt für Cloud Computing?
G. Egan:
Mit wachsender Erkenntnis innerhalb der Branche, dass nicht jeder alles haben oder gebrauchen kann, wird der Markt immer fragmentierter. Wir beobachten eine deutliche Zunahme im Bereich Enterprise, wo wir mit Firmen arbeiten, die sichere Workloads, vorhersagbare Performance und Support für unternehmenskritische Anwendungen wollen. Während früher technische Aspekte der Infrastruktur als wichtiges Unterscheidungsmerkmal herangezogen wurden, bewerten Firmen heute Cloud-Services immer häufiger anhand ihrer Performance.

Zwar werden Unternehmen auch in Zukunft die Cloud für Nischenanwendungen nutzen, doch rücken business-zentrierte Anwendungen verstärkt in den Vordergrund. Dazu müssen cloud-basierte Anwendungen entwickelt werden, die zum jeweiligen Workload passen – die also geografische Lage, Sicherheit, Vernetzung, Erwartungen an das Service-Management und die Fähigkeit berücksichtigen, die Lösung rasch ans Laufen zu bringen, um auf wechselnde Geschäftsbedingungen zu reagieren. Als Folge wird im verbleibenden Jahr 2015 die Schaffung individueller Cloud-Spaces im Mittelpunkt stehen, die dem jeweiligen Anforderungen eines Workload entsprechen. In dieser Hinsicht unterstützen wir bereits Firmen darin, die Kapazitäten ihrer Cloud-Infrastruktur und der sie umgebenden Services wie Management und Onboarding direkt an den jeweiligen Workloads auszurichten.

IT-DIRECTOR: Warum halten (manche) Unternehmen die Cloud nach wie vor für unsicher, stimmen die Begründungen?
G. Egan:
Die Hauptbedenken im Hinblick auf die Sicherheit rühren daher, dass sensible Informationen die Firewall des Unternehmens hinter sich lassen. Das ist nur verständlich und es liegt in der Verantwortung der Service-Provider, sich dieser Bedenken anzunehmen. Aus dem Data Breach Investigations Report (DBIR) von Verizon geht hervor, dass es keinerlei Verbindung zwischen der Virtualisierungs-Technologie und der Wahrscheinlichkeit einer Datenverletzung gibt. Das Risiko entsteht durch Übergabe sensibler Informationen an einen Cloud-Provider ohne die erforderliche Due-Diligence-Prüfung. Wer die Cloud nutzen möchte, benötigt Gewissheit, dass sein zukünftiger Provider über entsprechende Sicherheitsvorkehrungen verfügt.

IT-DIRECTOR: Sind die Gründe branchenspezifisch und falls ja, worin unterscheiden sich die Branchen? Könne Sie das am Beispiel des Finanz- als auch Einzelhandelssektor erläutern?
G. Egan:
Aufgrund der großen Mengen sensibler Kundendaten unterliegen der Finanz- und Einzelhandelssektor besonders strengen Auflagen und stehen unter intensiver öffentlicher Beobachtung. Daher wundert es nicht, dass hier Sicherheitsbedenken gegenüber der Cloud besonders spürbar sind. Unternehmen in diesen Branchen müssen sich davon überzeugen, dass ihr Cloud-Provider in angemessene physische und logische Sicherheitsvorkehrungen investiert hat. Noch wichtiger ist zur Gewährleistung von Compliance und angemessenem Risikomanagement eine vollständige Transparenz gegenüber dem Kunden.

IT-DIRECTOR: Welches sind die Top-3-Tipps, um das Risiko bei einer Verlagerung in die Cloud zu mindern?
G. Egan: Erstens sollte ein Unternehmen feststellen, welche Arten von Informationen bei ihm im Umlauf sind, wer daran interessiert sein könnte, an diese Daten heranzukommen, und wie wahrscheinlich sein Erfolg ist. Danach ist es einfacher, angemessene Cloud-Sicherheitsvorkehrungen zu definieren. Zweitens sollte man wissen, dass nicht alle Cloud-Anwendungen für hohe Sicherheitsstandards ausgelegt sind. Es sollten also Protokolle entwickelt werden, die die Daten schützen, sowohl wenn sie stationär gespeichert als auch wenn sie im Umlauf sind. Drittens verringert ein datenzentrischer Governance-Plan sowie seine entsprechende Umsetzung jegliches unnötige Risiko. In ihm ist festgelegt, wer wann Zugriff auf Daten benötigt.

IT-DIRECTOR: Was wird 2015 die größte Veränderung sein? Ist die Debatte "öffentlich versus privat" noch von Bedeutung?
G. Egan:
Dieses Jahr werden viele Unternehmen gereifter an die Cloud herangehen und ihre Version 2.0 der Cloud-Workloads einführen. Das bedeutet, dass sie mehr über den Markt und seine Angebote wissen und dadurch ihre Erwartungen an einen Cloud-Serviceprovider hochschrauben werden. Das bedeutet außerdem, dass sie anhand ihrer spezifischen Workload-Anforderungen nach einer Kombination aus öffentlichen und privaten Cloud-Angeboten suchen werden. Dieser Hybridansatz ist wichtig für Firmen, die vermehrt Workloads in eine Cloud-Umgebung auslagern wollen.

Unternehmen konzentrieren sich heute auf die Schaffung von Workload-fokussierten Cloud-Umgebungen, die IT-Ziele und Geschäftsstrategien auf einen gemeinsamen Kurs bringen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend auch über 2015 hinaus an Tempo zunehmen wird. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer maßgeschneiderten Lösung, bei der die Anforderungen jedes einzelnen Workloads an Sicherheit, Agilität, Elastizität und Skalierbarkeit berücksichtigt werden. Diese Fähigkeit, eine geschäftliche Forderung ganzheitlich zu analysieren und eine entsprechende Lösung zu finden, macht eine Diskussion über öffentliche oder private Cloud hinfällig. Ziel ist dann folgerichtig die Feststellung, welcher Typ von Cloud am besten einen gegebenen Unternehmens-Workload unterstützt, indem er das richtige Maß an Vernetzung, Sicherheit und Kostenaufwand mitbringt, das dem Geschäft und seinen Zielen insgesamt entspricht.

IT-DIRECTOR: Welche Cloud-Lösungen bieten sich in den kommenden Jahren für Unternehmen an?
G. Egan:
Der Fokus wird auf grundlegenden technologischen Elementen liegen, die das Internet der Dinge ermöglichen – Cloud, Netzwerk und Sicherheit. Im Februar veröffentlichte Verizon den Bericht State of the Market: The Internet of Things 2015. Demnach gab es 2014 geschätzte 1,2 Milliarden IoT-Verbindungen auf B2B-Ebene – 2011 waren es weniger als 1 Milliarde. Diese Zahl soll in den nächsten fünf Jahren auf über 5 Milliarden ansteigen.

Networking und Cloud-Computing bilden den Kern des IoT, sie machen zu über 50 Prozent das IoT aus (Sicherheit und Infrastruktur sind die zwei übrigen Bestandteile). Das überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass das IoT zuverlässige, flexible Netzwerkverbindungen (Wireless und Wireline) benötigt, um ohne menschliches Eingreifen all jene bei Endgeräten gesammelten Daten und Informationen zu einem zentralen Verarbeitungs-Hub zu übertragen. Ähnlich bietet Cloud-Computing die Flexibilität, Größe und Sicherheit, um die erforderlichen Anwendungen zu hosten und die Daten zu speichern.


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