Bundesverband IT-Sicherheit warnt:

Sinkendes Niveau der IT-Sicherheit durch TTIP

Das Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaftsabkommen (TTIP) wird nicht zuletzt aufgrund der Intransparenz der Verhandlungen in der öffentlichen Diskussion zurecht einer kritischen Betrachtung unterzogen. Nun warnte auch der Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (TeleTrusT) davor, dass TTIP zu einer Absenkung der deutschen bzw. europäischen Datenschutz- und IT-Sicherheitsstandards führen könnte.

TTIP: Datenschutz und IT-Sicherheit

Geht TTIP zu Lasten von europäischen Datenschutz- und IT-Sicherheitsstandards?

In Verbindung mit TTIP befürchtet der Verband den Verlust hoher europäischer Qualitätsstandards. Dies betreffe gleichermaßen den Datenschutz und die IT-Sicherheit sowie die aus TTIP abzuleitende IT-Standardisierung. Laut TeleTrusT beinhaltet TTIPden Ansatz, dass sich die Verhandlungsparteien auf Standards einigen werden, nach denen ein Marktzugang für Produkte und Dienstleistungen auch im IT-Bereich sichergestellt sein wird. Hieraus ergeben sich wichtige Impulse für die nationalen Vorgaben an IT-Sicherheitsprodukte.
 
Das Thema IT-Sicherheit und im Besonderen das zentrale Element Kryptoalgorithmen sind in Bezug auf TTIP aufmerksam zu beobachten, heißt es aus Verbandskreisen. Dies unter dem Aspekt, dass nationale Institutionen – wie etwa in Deutschland das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) – als Sachwalter hoher Standards nicht direkt in die Verhandlungen involviert ist, sondern ihre Vorstellung den Verhandlungsführern der EU-Kommission erst nahebringen müssen, um zu vermeiden, dass TTIP in diesem Zusammenhang durch amerikanische Standards des National Institute of Standards and Technology (NIST) geprägt wird. Wenn dies nicht mehr zu verhandeln wäre, würde es die gesamte deutsche IT-Sicherheitsindustrie betreffen.

Im Folgenden geht der Verband von folgenden Prämissen aus und versteht sie als Handlungsaufforderung an die politischen Entscheidungs- und TTIP-Verhandlungsträger:

  1. Die ITK-Industrie profitiert von globalen Standards und globalen technischen Spezifikationen aber die TTIP-Verhandlungen dürfen nicht im Wege politischer Zugeständnisse in eine Abwärtsspirale für IT-Sicherheitsstandards münden.
  2. TTIP darf in Bezug auf IT-Sicherheit nicht zu einem geringeren Sicherheitsniveau für kommerzielle IT-Produkte führen, insbesondere nicht zu schwächeren Kryptoalgorithmen.
  3. Grundsätzlich ist ein Handelsabkommen zwischen den USA und der EU zu begrüßen. Die Snowden-Affäre hat aber deutlich werden lassen, dass Europa sich nicht auf das grundsätzliche andere 'Privacy'-Verständnis der USA einlassen sollte.
  4. Bei Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums ist zu erwarten, dass deutlich mehr Daten, insbesondere personenbezogene Daten, zwischen der EU und den USA hin- und herfließen werden. Dies darf nicht ohne abgestimmtes Datenschutzverständnis geschehen. Das Fehlen einheitlicher Standards würde ansonsten zu unterschiedlichen, wettbewerbsverzerrenden Anforderungen, an Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks führen.
  5. Der liberalisierte Zugang zu öffentlichen Aufträgen darf die nationale digitale Souveränität nicht gefährden.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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