Gamification, Augmented Reality & NFC

Smart Packing verbessert das Nutzererlebnis

Einpacken, aufreißen, wegschmeißen – das war gestern. Heute sind Verpackungen oft smart und erfüllen eine Vielzahl an spannenden Aufgaben. Welche, erklärt Michel Heck, Innovation Manager DHL Customer Solutions & Innovations, im Interview.

Michel Heck, Innovation Manager DHL Customer Solutions & Innovations,

Michel Heck, DHL

ITD: Herr Heck, welche Rolle kommt dem Packaging innerhalb der Logistik zu und wie lässt es sich zwischen Transport und Intralogistik einordnen?
Heck:
Verpackung spielt für die Logistikbranche eine elementare Rolle. Verpackungen ermöglichen Produkte einfacher und sicher zu handhaben, sowie Güter vor externen Einflüssen während Lagerung, Transport sowie Zustellung auf der letzten Meile zu schützen. Das Wachstum des globalen Handels und die Weiterentwicklung von Verpackungssystemen sind seit jeher eng miteinander verbunden, da zuverlässige, robuste und kostengünstige Verpackungen ihren Beitrag leisten, dass Güter und Waren der verschiedensten Industrien über immer größere Distanzen ausgetauscht werden können. Eine von DHL bei seinen Kunden und Partnern durchgeführte Umfrage belegt, dass für neun von zehn Unternehmen das Thema Verpackung in den nächsten drei bis fünf Jahren eine wichtige Rolle spielen wird. Es ist erwähnenswert, dass Verpackungssysteme ein weitaus komplexeres Thema ist, welches weit über die Logistikbranche hinausgeht, da weitere Akteure wie beispielsweise produzierende Unternehmen, Verpackungshersteller, Einzelhändler sowie der Endkunde spezifische Anforderungen an Verpackungen hat. Zu beachten ist, dass die Interessen und Anforderungen zwischen den einzelnen Interessengruppen nur teils kongruent sind.

Darüber hinaus ist zu beachten, dass sich Verpackungsbedürfnisse und –anforderungen oftmals sehr individuell gestalten und sich stark nach Region, Sektor oder Kundensegment unterscheiden können

ITD: Und auf der anderen Seite: Welche Rolle spielt Verpackung heute für den Kunden – in Zeiten, in denen für Verbraucher der Einzelhandel nicht mehr die primäre Bezugsquelle ist?
Heck:
Der spektakuläre Aufstieg des E-Commerce als präferierter Vertriebskanal für viele Produktkategorien hat grundlegende Auswirkungen auf Verpackungsanforderungen. Aktuell ist zu sehen, dass der gegenwärtige Status quo von Verpackungssystemen großen Herausforderungen gegenübersteht, um den veränderten Bedürfnissen des modernen E-Commerce-Shoppers gerecht zu werden. Gestiegene Kundenerwartung im Hinblick auf kurze Lieferzeiten, Bequemlichkeit und geringe Toleranz gegenüber beschädigten Sendungen haben einen direkten Einfluss auf die gewählten Verpackungsformen und deren Kosten.

Nehmen wir das Thema „Nachhaltigkeit“: Verschwenderische und ineffiziente Verpackungen führen vermehrt zu Unmut bei Kunden, welche zunehmend auch auf den gängigen Social-Media-Kanälen geäußert werden. Studien zeigen, dass Kunden zunehmend nachhaltige Verpackungsmaterialien präferieren, jedoch die Bereitschaft einen finanziellen Beitrag zu aktuell noch teureren nachhaltigen Verpackungsformen zu leisten derzeit gering ist. Darüber hinaus sehen wir den Trend, dass B2B-Unternehmen wie z.B. Hersteller von Ersatzteilen oder Maschinen zunehmend anstreben, bei ihren B2B-Aktivitäten eine B2C-ähnliche Erfahrung zu bieten.

ITD: In der Vergangenheit dienten Verpackungen vor allem dazu, Ware sicher zu verstauen, für den Transport bereitzustellen und dabei gut handhabbar zu machen. Inwieweit hat sich das heute verändert und wie wird sich die Rolle des Verpackungsmanagements weiter verändern?
Heck:
Verpackungssysteme haben grundsätzlich die Funktionen eines ausreichenden Produktschutzes, die Sicherstellung einer gängigen Transportfähigkeit und Vermittlung von Marketing- und Kommunikationsbotschaften übernommen. Aktuell sehen wir, dass die Ansprüche mit Blick auf ihre Funktionalität um zusätzliche Elemente erweitert werden. Vermehrt werden nun Aspekte wie Brand Experience und die Nutzung von Verpackung für digitale Marketingzwecke durch Gamification-Elemente durch NFC- und Augmented-Reality-Technologien forciert. Darüber hinaus eröffnen die gegenwärtigen Fortschritte in den Sensor-, Serialisierung- und Telekommunikationstechnologien neue Anwendungsfelder im Verpackungsbereich, welche Mehrwerte in den Bereichen End-to-end Visibility und Rückverfolgbarkeit in zunehmend komplexeren und längeren Lieferketten offerieren.

ITD: E-Commerce und Globalisierung bewirken, dass Kunden bestellte Ware oft sehr zeitnah erhalten möchten. Dies setzt Produktion, Lager und Transport auf verschiedene Arten unter Druck. Wo macht sich dieser Einfluss in der Verpackungslogistik bemerkbar?

Heck: Schnelle Lieferungen und die immer beliebteren Abo-Dienste führen dazu, dass viele Sendungen nur einen Artikel enthalten, was mehr CO2-Emissionen und Verpackungsmüll zur Folge hat. Die größere Bandbreite an Produkten aus dem Online-Handel stellt die Transportunternehmen und die Verpackungsindustrie vor neue Herausforderungen. Darüber hinaus zeigt sich, dass der Weg eines E-Commerce und Retail-Pakets durch die Supply Chain grundverschieden ist und unterschiedliche Anforderungen hat. Im Schnitt werden Pakete im E-Commerce Bereich 20 mal öfter gehandelt als im Offline-Handel und weisen somit erhöhte Anforderungen im Hinblick auf Robustheit auf.

ITD: Wie macht sich die wachsende Bedeutung und Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen bemerkbar und wie kann die Verpackungslogistik dem nachkommen? Sind Kunden auch bereit, mehr für umweltfreundliche Lösungen zu bezahlen?
Heck:
Unsere Studie hat gezeigt, dass im speziellen nachhaltige Verpackungslösung sehr hoch auf der Agenda unserer Kunden steht. Die Nachfrage nach einem nachhaltigeren Versand treibt die Anstrengungen zur Müllreduzierung voran und unterstützt die Entwicklung umweltfreundlicher Materialien sowie die Umsetzung von geeigneten Verwertungssystemen. Zwei der Top 3 Prioritäten unserer Kunden liegen im Bereich von nachhaltigen Verpackungskonzepten. Zum einen der Wechsel zu ressourcenschonenden und umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien und zum anderen eine verstärkte Nutzung von wiederverwendbaren Verpackungsformaten im Closed-loop.     

ITD: Welche Rolle spielt die zunehmende Automatisierung von Prozessen in Ihrer Branche? Dient sie eher dem Ausgleich des Fachkräftemangels oder kannibalisiert sie Jobs?
Heck:
Die Automatisierung wird in den unterschiedlichen Phasen des Verpackungslebenszyklus immer mehr Einzug halten. Von automatisierten Entladeprozessen, Endverpackungsanlagen, automatisierten Etikettiersystemen und dem Einsatz von kollaborativen Robotern im Bereich des Co-Packing. Die verschiedensten Formen von Automatisierung werden ihren Beitrag zur Entlastung saisonaler Personal- und Verpackungsengpässe leisten und dabei Unternehmen in Zeiten eines wachsenden Online-Marktes mit einer alternden Arbeitnehmerschaft unterstützen.

ITD: NBIoT, KI, RFID, Big Data – die Liste der Technologietrends, die in den letzten Jahren als bahnbrechend gehandelt wurden, ist lang. Gibt es einen Trend, von dem sich gerade die Verpackungslogistik mehr erhofft hatte, die aber die Erwartungen (noch) nicht erfüllen konnte?
Heck:
Die wachsende Verbreitung von IoT-Technologien in der Logistik stellt eine offensichtliche Frage. Wann wird jedes Paket ein „intelligentes" Paket sein? In der DHL-Kundenbefragung wurde die Implementierung von intelligenten Verpackungslösungen als eine der drei wichtigsten Prioritäten der Befragten gesehen. Heute finden Sensoren und smart Labels für die Erfassung von Position, Temperatur, Schock und Feuchtigkeit jedoch weiterhin vorherrschend nur bei hochwertigen Sendungen Anwendung. Der Preis für intelligente Verpackungstechnologien wird noch deutlich weiter sinken müssen, bevor sie so etwas wie eine universelle Anwendung im Paketbereich erreichen. Neue Anbieter im Bereich der intelligenten Verpackungstechnologie beginnen langsam zu entstehen und bringen stetig das lang erwartete „Internet of Parcels" einen Schritt näher an die Realität.

Bildquelle: DPDHL

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