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So fit ist Deutschland für die Digitalisierung

Eine aktuelle Studie zeigt, wie fit deutsche Unternehmen in Sachen Digitalisierung sind.

So fit ist Deutschland für die Digitalisierung

So fit ist Deutschland für die Digitalisierung

Viele Manager und Unternehmer winken genervt ab, wenn sie mit Buzzwords wie „Digitale Transformation“, „Digitalisierung“ oder auch „digitaler Wandel“ konfrontiert werden. Ihre ablehnende Haltung ist durchaus verständlich: Während es manchen Unternehmen bereits gelungen ist, ihr Geschäftsmodell, ihre Prozesse, ja sogar die Denkweise ihrer Mitarbeiter zu „digitalisieren“, sieht die Realität im Gros der Betriebe anders aus: Sie wissen eher schlecht als recht, an welchen Stellschrauben sie zuerst drehen sollen, um das Ruder in Richtung digital herumzureißen.

Die Lünendonk-Studie „Fit für die digitale Transformation. Status quo und Ziele bei Legacy-Modernisierung und Cloud-Migration“, die in Zusammenarbeit mit Arvato Systems entstanden ist, gibt einen detaillierten Einblick in die IT-Modernisierungsstrategien großer Mittelständler und Konzerne. Die Datenerhebung erfolgte im Herbst 2018 bei IT-Führungskräften von 122 Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand, Großunternehmen und Konzernen. Ein Ergebnis: Viele Unternehmen befinden sich inmitten eines weiteichenden Digitalisierungsprozesses, es gibt viel zu tun – und zwar gleich auf mehreren Ebenen. Neben der Strategie sind auch die Produktentwicklung, die Aufbau- und Ablauforganisation sowie die IT-Landschaft zu transformieren.

Start-ups haben strategische Vorteile

Wie zielführend und schnell das gelingt, hängt laut Studie maßgeblich davon ab, wie lange ein Unternehmen bereits am Markt ist. Start-ups können ihre Business- und Operating-Modelle, ihre Prozesse und ihre IT-Landschaft von Beginn an agil, kundenzentriert und datenbasiert gestalten. Darin liegt im Übrigen auch der Erfolg der großen Internetkonzerne wie Google und Amazon begründet. Hier sind die Geschäftsprozesse eng miteinander verzahnt, über Microservices und APIs ist es möglich, Plattformgeschäftsmodelle aufzubauen und Drittsysteme nahtlos an die eigene IT-Landschaft anzubinden. Zudem können sie auf einen großen Datenbestand zugreifen und gewinnbringend auswerten. Demgegenüber stehen etablierte Firmen vor der Herausforderung, zunächst komplexe Legacy-Prozesse zu digitalisieren und inhomogene IT-Strukturen, basierend auf historisch gewachsenen Altsystemen, aufzulösen. Doch auch etablierte Unternehmen brauchen eine schnittstellenoffene, flexible, hochskalierbare und agile IT, so die Erhebung weiter. Dementsprechend kommt die Studie zu folgenden Ergebnissen:

•    Treiber der IT-Modernisierung gibt es viele: Legacy-Systeme sind üblicherweise nicht in der Lage, neue Technologien wie Künstiche Intelligenz (KI) oder Big-Data-Analytics zu unterstützen, was eine Modernisierung dringend erforderlich macht. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Altsysteme keine offenen Schnittstellen (APIs) haben und darum nicht mit neuen digitalen Lösungen integrierbar sind.
•    Die Mehrheit der befragten Unternehmen modernisiert aktuell ihre IT-Infrastruktur. Dabei ist die präferierte Vorgehensweise, Altanwendungen in die Cloud zu migrieren und sie anschließend zu modernisieren.
•    Ein Fünftel der befragten Verantwortlichen setzt bereits auf eine Cloud-First-Strategie, gut ein Viertel plant dies. Auch wenn die meisten Unternehmen derzeit eine Private-Cloud nutzen, sind viele gegenüber der Public Cloud zunehmend aufgeschlossener. 67 Prozent der Befragten planen, ihre Investitionen in die Public-Cloud stark bis sehr stark zu erhöhen.
•    Die Gründe, aus denen Unternehmen ihre IT-Systeme in die Cloud migrieren, sind vielfältig. Sie wollen Lastspitzen abfangen, Daten schneller verfügbar machen und flexibler agieren können. Bedenken bestehen allerdings hinsichtlich Sicherheit. Für bestimmte, geschäftskritische Anwendungen mit sensiblen Daten ist und bleibt die Legacy-Modernisierung im On-premises-Modell eine realistische Alternative.
•    Für Dreiviertel der Befragten ist es eine Herausforderung, Cloud-Lösungen an die bestehende IT-Systemlandschaft anzubinden. Dass Daten häufig nicht interoperabel und Sicherheits- sowie Compliance-Anforderungen nur mangelhaft umgesetzt sind, ist ein weiteres Problem. Bei der Modernisierung von Legacy-Systemen haben die Verantwortlichen vornehmlich Schwierigkeiten, Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Zudem betrachten sie den möglicherweise hohen Zeitaufwand als kritischen Faktor.
•    Um ihre Unternehmensorganisation an die veränderte IT-Infrastruktur anzupassen, setzen 90 Prozent der Befragten auf eine stärkere Vernetzung von Bereichen, Prozessen und Systemen. Daneben bilden sie ihre Mitarbeiter fort und arbeiten verstärkt mit IT-Partnern zusammen. Zweidrittel der Befragten greifen auf DevOps zurück.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Da es viele Unternehmen in der Vergangenheit versäumt haben, ihre Legacy-Systeme radikal zu modernisieren, ist der Handlungsdruck nun hoch. Vor allem die Fachbereiche erwarten automatisierte Prozesse und integrierte digitale Lösungen. Ein wichtiger Baustein der Modernisierung besteht darin, Altsysteme sukzessive cloud-fähig zu machen bzw. durch APIs und Microservices so zu verändern, dass sie hybride Modelle abbilden können. Dementsprechend investieren Unternehmen immer stärker in die Cloud.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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