„Früher ging es um Kosten, heute um Tempo“

So hat sich das IT-Outsourcing entwickelt

Interview mit Jörg Tewes, Solution Manager Digital Workplace bei Computacenter, über die Treiber und die Entwicklung von IT-Outsourcing

  • Heute geht es beim IT-Outsourcing um Tempo.

    Viele IT-Mitarbeiter der Computacenter-Kunden haben durch die Vielzahl an Aufgaben und das gleichzeitig steigende Innovationstempo Schwierigkeiten, mit der gesamten Entwicklung mitzuhalten. ((Bildquelle: Thinkstock/iStock))

  • Jörg Tewes, Computacenter

    Jörg Tewes, Solution Manager Digital Workplace bei Computacenter ((Bildquelle: Computacenter))

IT-DIRECTOR: Herr Tewes, wie hat sich die Nachfrage nach der Auslagerung von Workplace-Projekten zuletzt verändert und welche Gründe gibt es dafür?
J. Tewes:
Die große Zurückhaltung, die es noch vor drei bis fünf Jahren gab, hat sich in den letzten beiden Jahren aufgelöst. Doch nicht nur die Anzahl, sondern auch die Art der Projekte hat sich verändert. Es kommen mittlerweile vermehrt Anfragen zu kompletten Arbeitsplätzen mit aktuellen Technologien und allem, was die Cloud zu bieten hat. Insbesondere Großkunden stellen fest, dass sie nur dann mithalten können, wenn sie sich öffnen und ihren Mitarbeitern alle Möglichkeiten moderner Arbeitswerkzeuge zur Verfügung stellen. Das führt dazu, dass wir Anfragen vom Management nach der Bereitstellung von kompletten Arbeitsumgebungen erhalten. Aber auch sogenannte „Techbars“ werden nachgefragt, wie man sie von Apple kennt, oder Verkausautomaten, wie sie beispielsweise unser Kunde BMW für die Bereitstellung von einfachen IT-Ersatzteilen getestet hat. Der Anspruch der Führungsebene allein sorgt jedoch noch nicht dafür, dass diese Veränderungen in der Praxis auch reibungslos verlaufen.

IT-DIRECTOR: Was ist der Hintergrund?
J. Tewes:
Sprechen wir mit den Fachbereichen, stellen wir immer wieder fest, dass Wunsch und Wirklichkeit im Unternehmen meist noch auseinanderklaffen. Denn die Adaption neuer Technologien verläuft leider meist recht träge. Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden, insbesondere was die Cloud angeht. Denn viele Themen lassen sich nur dann umsetzen, wenn auch Cloud-Services genutzt werden.

IT-DIRECTOR: Welche Trends sind hinsichtlich der modernen Arbeits-IT erkennbar?
J. Tewes:
Aktuell registrieren wir, dass Apple-Umgebungen rund um den modernen Arbeitsplatz eine immer stärkere Rolle spielen. Das liegt u. a. daran, dass heute nicht mehr so viel verwaltet wird. Während früher alles granular geregelt sein sollte, um eine Fehlbedienung quasi auszuschließen, geht man davon aus, dass Mitarbeiter IT-mäßig erwachsen sind und mit den aktuellen Endgeräten umgehen können.

IT-DIRECTOR: Ist es deshalb nicht umso wichtiger, den modernen Arbeitsplatz ganzheitlich zu sehen und nicht die einzelnen Technologien isoliert?
J. Tewes:
Sicherlich. Durch die immer stärkere Verzahnung der verschiedenen Komponenten, von der wir in der IT schon seit 20 Jahren reden, und den Cloud-Services wird alles ziemlich komplex. Viele IT-Mitarbeiter unserer Kunden haben durch die Vielzahl an Aufgaben und das gleichzeitig steigende Innovationstempo Schwierigkeiten, mit dieser Entwicklung mitzuhalten. Hinzu kommt, dass die Workplace-IT oftmals veraltet ist. Wir stellen daher immer wieder fest, dass die Begeisterung der Nutzer für die Einführung neuer Technologien und moderner Arbeitsplatz-Lösungen ziemlich gedämpft ist.

IT-DIRECTOR: Es geht also darum, Tempo auszulagern, sich also quasi extern einen Turbo einzukaufen?
J. Tewes:
Ja, die Motivation hat sich verschoben. Früher war die Auslagerung ein reines Kosten- und Optimierungsprojekt. Konnte ein Outsourcing-Anbieter eine Leistung günstiger als das Unternehmen intern erbringen, wurde sie ausgegliedert. Heute ist auch die hohe Komplexität, die neue Technologien mitbringen, ein wichtiger Treiber für Outsourcing.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt das Ende des Supports für Windows 7 Anfang 2020 und der dadurch entstehende Zeitdruck auf die Nutzung von Outsourcing im Umfeld von Windows 10?
J. Tewes:
Das Ende des Supports von Windows 7 hat großen Einfluss auf die Entwicklung. Aufgrund des Evergreen-Ansatzes von Windows 10 werden Unternehmen mindestens einmal im Jahr ihr Betriebssystem updaten müssen. Viele fragen sich, wie sie das schaffen sollen. Verstärkt wird dieses Gefühl durch die Tatsache, dass immer neue Funktionalitäten hinzukommen. Allerdings verdeutlichen wir den Kunden stets, dass sie diese regelmäßigen Aktualisierungen nicht nur als Zwang, sondern auch als Chance sehen sollen. Denn mit einem zehn Jahre alten Betriebssystem kann man nicht wirklich integriert in der Cloud arbeiten. Und auch die neuen Endgeräte, wie Datenbrillen, lassen sich mit Legacy-IT nicht betreiben.

IT-DIRECTOR: Wie gehen Unternehmen mit dieser Herausforderung um?
J. Tewes:
Viele sind überfordert und deshalb bereit, entsprechende Dienste auszulagern. Insbesondere bei Themen, die wenig wertschöpfend sind, wie einmal im Jahr ein neues Betriebssystem auszurollen und vorher die Applikationen umfassend zu testen – noch dazu nach einem standardisierten Verfahren. Damit wollen viele nichts zu tun haben und geben das lieber an externe Partner ab. Dabei helfen wir als IT-Dienstleister natürlich gerne. Den Unternehmen sollte jedoch bewusst werden, dass sie jetzt zwar jährlich Update-Projekte organisieren und finanzieren müssen, die sie früher einmal alle fünf Jahre angegangen sind. Dafür bekommen sie aber ein modernes, agiles System, mit dem sie schneller auf Veränderungen reagieren können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Welchen Einfluss hat der vielbeschworene Fachkräftemangel auf das IT-Outsourcing und wie finden IT-Dienstleister selbst die richtigen Fachkräfte in ausreichender Zahl, um solche Projekte übernehmen zu können?
J. Tewes:
Neue Kräfte zu finden, ist nicht einfach, auch wir als IT-Dienstleister haben zahlreiche offene Stellen. Der Fachkräftemangel wird auf Dauer das Outsourcing jedoch auf jeden Fall fördern. Hinzu kommt, dass die heranwachsende Jugend häufig nicht viel mit dem einfachen Betrieb der IT-Infrastruktur zu tun haben möchte. Sie ist vielmehr an Themen wie der agilen Programmierung interessiert. Deshalb wird es für Unternehmen gerade im Bereich IT-Infrastruktur immer schwieriger, Nachwuchs zu finden. Das führt dann wiederum dazu, dass Unternehmen noch stärker über Outsourcing nachdenken. Allerdings ist das aufgrund der Legacy-Thematik gar nicht so einfach. Es wird sicherlich eine Ernüchterung geben. Auch als Outsourcing-Anbieter kann man nicht alles pauschal übernehmen, zumindest wenn man die Applikationen entlasten möchte. Es muss ein „Aufräumen“ stattfinden, sonst wird einem das über den Kopf wachsen.

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