Internet der Dinge (IoT)

So kommt Licht ins Dunkel

Im Zeichen des Internets der Dinge integrieren Firmen künftig zig neue Geräte in ihre Netze. Dabei entstehen riesige Datenmengen, die ihnen Wettbewerbsvorteile bringen können – vorausgesetzt, sie schaffen es, den Daten-Tsunami zu bändigen.

IoT-Projekte: Kein Spiel mit dem Feuer

Beherzigt man 4 Tipps, dann ist der Einstieg ins Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) alles andere als ein Spiel mit dem Feuer.

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) lockt mit Chancen für neue Geschäftsmodelle, der Erschließung neuer Kundengruppen und Effizienzsteigerungen in der Wertschöpfungskette. Während sich der IoT-Zug langsam in Bewegung setzt, ist es wichtig, die Herausforderungen den oft hohen Erwartungen gegenüberzustellen. Für IT-Entscheidungsträger gilt es, die technologischen Weichen so zu stellen, dass ihre IoT-Projekte nicht in einer Sackgasse landen, sondern den vollen Nutzen für das Unternehmen entfalten. Laut Michael Morton von Dell Boomi sind dafür vier Erfolgsfaktoren entscheidend:

1. Datenberge handhabbar machen


Auch wenn Analystenprognosen zur Anzahl von IoT-Geräten im Internet für die nächsten Jahre zwischen 20 und 200 Milliarden schwanken – eines ist sicher: Ihre Zahl ist riesig und wird kontinuierlich weiter ansteigen. Und mit den „Dingen im Internet“ wird unweigerlich auch die Menge der Daten wachsen, die diese Geräte in die Unternehmen zurückmelden. Schon 2020 soll rund zehn Prozent der Daten weltweit durch das IoT erzeugt werden, prognostiziert eine Studie von IDC. Dieser Trend lässt das Herz aller Datenanalysten höher schlagen: Stehen all diese Informationen den Unternehmen doch zur Verfügung, um z.B. neue Marktsegmente auszumachen, Produkte besser auf Anwenderbedürfnisse zuzuschneiden oder Produktionsanlagen und Wertschöpfungsketten besser zu steuern. Auch Entscheidungen auf allen Geschäftsebenen lassen sich auf einer deutlich besseren Informationsbasis treffen, als das noch heute der Fall ist.

Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass Unternehmen in der neuen Datenflut schier untergehen. Ein Beispiel: Ein Lebensmittelkonzern steuert Temperatur und Luftfeuchtigkeit in seinen Lagerhäusern über vernetzte Sensoren, die zwei Mal in der Minute die aktuellen Daten an die Zentrale funken. Schon durch ein paar hundert solcher Sensoren entlang der Logistikkette entsteht in diesem Szenario ein Datenberg, der einem Unternehmen sehr schnell über den Kopf wachsen kann – alleine um die erhobenen Daten zu speichern. Um sie zu verarbeiten und auszuwerten kommt noch die Rechenleistung hinzu, die im besten Falle skalierbar angelegt sein sollte. Wenn Firmen von den IoT-Daten wirklich profitieren wollen, müssen sie sie handhabbar machen und das Datenmanagement von vornherein systematisch angehen.

2. Zentrale Datendrehscheibe nutzen

Die schiere Menge der IoT-Daten in den Griff zu bekommen, ist nur der erste Schritt. Ihre Vielfalt und ihre unterschiedlichen Quellen und Formate so miteinander zu verbinden, dass das Unternehmen daraus Nutzen ziehen kann, das ist die wahre Herausforderung. Das Internet der Dinge zeichnet sich durch diverse Anwendungsmöglichkeiten und Geräte unterschiedlicher Hersteller aus, die mit ganz eigenen Datenprofilen aufwarten. Daher gilt es, die Daten so zu integrieren und zusammenzuführen, dass sie – unabhängig von Ursprungsformat oder Hersteller – im Unternehmen genau dort zur Verfügung stehen, wo sie gebraucht werden.

Ein Peer-to-Peer-Austausch von Daten, also die direkte Datenübergabe von einer Anwendung in eine andere, ist hier wenig erfolgversprechend, da bei einem solchen Konzept die Anzahl dieser Schnittstellen leicht explodiert und das Ganze in schwer durchschaubaren Verflechtungen endet. Sinnvoller ist es, einen zentralen Daten-Hub einzurichten. Dieser Hub kann die Daten aus den verschiedenen Firmenbereichen – inklusive Sensoren und Geräte im IoT – zusammenführen, anhand fester Regeln modellieren und für die weitere Nutzung aufbereiten. Über eine solche zentrale Datendrehscheibe kommen die Daten ins Unternehmen und über sie können alle Daten verschiedensten Anwendungen, Apps oder Nutzern wieder zur Verfügung gestellt werden. Sie bringt Daten auf einen Nenner und sie sorgt zugleich dafür, dass kein „Schnittstellenwildwuchs“ entsteht.

3. Plausibilitätsprüfungen schaffen Sicherheit

Die intelligente Vernetzung vieler Einzelgeräte ist der Vorteil des Internets der Dinge – und auch seine Achillesferse. Über das Web vernetzte Systeme lassen sich von außen attackieren, die Angriffsfläche steigt mit jedem Gerät an. IoT-Geräte erweisen sich hier oft noch als das schwächste Glied in der IT-Sicherheitskette von Unternehmen. Hier sind zum einen die Hersteller gefordert, bei der Gerätesicherheit nachzulegen; gleichzeitig aber sollten die Unternehmen selbst alle Möglichkeiten nutzen, um Angriffe auf ihre IoT-Geräte zu erkennen und abzuwehren.

Gelänge es Cyber-Kriminellen beispielsweise, über eine Sicherheitslücke den oben genannten Lagerhaussensor zu knacken, könnten sie von dort weiter in das Unternehmensnetz vordringen und womöglich durch Datenklau oder eine Ransomware-Attacke großen Schaden anrichten. Um mögliche Übergriffe solcher Art rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren, sollten die vom Beispielsensor geschickten Daten immer auch einer Plausibilitätsprüfung unterzogen werden. So könnten in diesem Fall die Daten von anderen Sensoren in der Umgebung herangezogen werden, um die Glaubwürdigkeit zu prüfen, wenn auffällige Temperaturen in einem Lagerhaus gemeldet werden. Im Zweifelsfall ist es in einem solchen Szenario dann sinnvoller, dem Haustechniker eine Warnmeldung zu schicken, als dem Sensor blind Glauben zu schenken und die Kühlung einfach rauf- oder runterzufahren.

4. Übergreifende IoT-Strategie entwerfen

Oft probieren Unternehmen neue Technologien in kleinen Projekten aus, die eher am Rande ihrer IT-Landschaft angesiedelt sind. So können alle Beteiligten das notwendige Know-how aufbauen und erste Erfahrungen sammeln, ohne dass Fehler und Unsicherheiten einen allzu großen Schaden anrichten. Auch wenn ein solches Vorgehen für den Start ins erste IoT-Projekt im Unternehmen oft sinnvoll ist, sollten IT-Entscheidungsträger schon hier darauf achten, eine übergreifende Strategie für IoT zu entwerfen und zu verfolgen. Versäumt man dies, geschieht es nur allzu leicht, dass sich zu dem ersten IoT-Einzelprojekt noch ein zweites gesellt – und vielleicht ein drittes.

Wer da nicht von Anfang an Weitsicht beweist und ein umfassendes IoT-Konzept verfolgt, läuft Gefahr, am Ende mit einer Vielzahl von Einzelsystemen dazustehen, die im schlimmsten Fall nicht miteinander kompatibel sind. Dann lassen sich Daten nicht mehr einfach zwischen verschiedenen Geschäftsanwendungen austauschen. Stattdessen müssen überall Extra-Lösungen „angeflanscht“ werden, die es erschweren, einen reibungslosen Datenfluss auch für Applikationen sicherzustellen, die in Zukunft neu integriert werden sollen. Dies führt zu einer Zersplitterung der IT-Landschaft und bläht ihre Komplexität unnötig auf. Schon die Änderung einer IoT-Gerätekonfiguration durch den Hersteller oder ein Sicherheits-Update können dann unerwünscht chaotische Auswirkungen auf die eigene IT-Architektur haben.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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