Automatisierungs-Tools

So läuft die Performance fast von allein

Einfacher, schneller und wartungsärmer: Viele neue Technologien versprechen, die IT zu entlasten. Beim genaueren Hinsehen machen sie jedoch das genaue Gegenteil. Ein neuer Ansatz soll im Netzwerkbereich Abhilfe schaffen.

Vater und Sohn spielen mit Carrera-Bahn

Prozessautomatisierung mit Intent-based Systemen reduzieren laut Anbietern wie Avi Networks den Zeitaufwand, die Kosten und schaffen freie Ressourcen.

Eine neue Technologie macht derzeit im Netzwerksbereich von sich reden. Das Ziel von „Intent-based Networking“ (IBN) ist es, das Netzwerk flexibler, belastbarer und sicherer zu machen. Dabei soll es sich – automatisch – selbst verwalten, weitestgehend ohne IT-Team. Zum Hintergrund: Bisher werden in einem Netzwerk Switches, Router, Load Balancer, Firewalls etc. manuell konfiguriert, gesteuert und verwaltet, damit sie so agieren, wie sie sollen.

Load Balancer etwa helfen beim Traffic-Management, sorgen für hohe Verfügbarkeit sowie Sicherheit und bieten weitere Applikationsservices. Früher mussten sie für jede Applikation manuell eingerichtet werden. Das Gleiche gilt auch für alle anderen Komponenten: Damit ein Netzwerk so reagiert, wie es soll, muss die IT vorher präzise festlegen, wie es zu reagieren hat. Jeder Schritt muss sauber dokumentiert und einzeln in der richtigen Reihenfolge beschrieben werden. Dabei müssen alle denkbaren Szenarien abgedeckt sein – bei kontinuierlicher Prüfung. Denn das Netzwerk reagiert immer nur so, wie es konfiguriert wurde. Und ob das eigentliche, übergeordnete Geschäftsziel auch tatsächlich erfüllt wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob IT und Fachabteilung auf einer Linie sind.

Autonomes Fahren und Netzwerke

Vergleichbar ist der Prozess mit einer Autofahrt: Der Fahrer nutzt Gaspedal, Bremse, Lenkrad etc., um über verschiedene Straßen ans Ziel zu steuern – das Auto fährt „input-basiert“. Das heißt, ohne Aktion des Fahrers passiert gar nichts. Dank Automatisierung und des technischen Fortschritts könnte das autonome Fahren bald Realität sein. Man steigt in den Wagen, gibt das gewünschte Ziel an und für den Rest sorgt das Auto. Der Fahrgast muss noch nicht einmal mehr den Weg festlegen, die beste, schnellste und praktischste Route errechnet die Technik – das bedeutet „intent-based“. Die Absicht ist nicht, über alle möglichen Autobahnen oder Straßen zu fahren, sondern am gewünschten Ziel anzukommen. Wieso sollte dies nicht auch mit einem Netzwerk funktionieren? Mit Intent-based Networking kann dies umgesetzt werden, weshalb Analystenhäuser wie Gartner und IDC die Technologie als einen aktuellen Netzwerktrend sehen.

Der IBN-Ansatz ist nicht ganz neu, um aber sinnvoll zu funktionieren, bedurfte es erst der Weiterentwicklung zweier anderer Technologien. Das Netzwerk braucht einerseits Komponenten, die offene Schnittstellen besitzen und programmierbar sind, andererseits eine Intelligenz, die die Anweisungen abstrahiert und umrechnet, nämlich in die notwendigen Schritte, um einen Auftrag ausführen zu können. Künstliche Intelligenz (KI) konfiguriert das Netzwerk selbst und findet den optimalen Weg durch den Netzwerkdschungel. IT-Verantwortliche kommunizieren dem System nur noch das gewünschte Ergebnis. Die KI findet für jede Anfrage die Lösung und setzt sie sofort um, egal, ob es wie im Load Balancing um das Bereitstellen von Applikationen und zugehörige Services über mehrere Clouds hinweg oder das Abfangen von Lastspitzen geht.

Die zweite notwendige Technologie für ein funktionierendes IBN ist Machine Learning. Das Netzwerk verwendet Kontext und Analyse, um zu lernen und sich an die Vorgänge in der Infrastruktur anzupassen. Zum Beispiel können QoS-Richtlinien während Videokonferenzen geändert oder Ports im Falle eines Malware-Angriffs automatisch deaktiviert werden. Fällt ein Cloud-Dienst aus, leitet das IBN den Datenverkehr automatisch um. Automatisierung optimiert das Netzwerkmanagement und entlastet die firmeninterne IT, denn das IBN verarbeitet wiederkehrende Netzwerkänderungen ohne menschliche Unterstützung.

Wohin geht die Reise?

Prozessautomatisierung mit Intent-based-Systemen reduzieren laut Anbietern wie Avi Networks den Zeitaufwand, die Kosten und schaffen freie Ressourcen. Ein weiterer Vorteil: Der Administrator muss auch nicht mehr die Geschäftswünsche des Fachexperten umsetzen. Diese werden direkt an das System kommuniziert. Gut eignet sich IBN auch zur Koordination von Unternehmensdiensten, die ressourcenbedingt in Konkurrenz zueinander stehen. Die wichtigeren Applikationen und Services werden automatisch priorisiert und auf Basis des größten wirtschaftlichen Vorteils optimiert.

Das erwähnte selbstfahrende Auto ist bereits auf Teststrecken unterwegs. Parallel dazu steht das sich autark steuernde Netzwerk ebenfalls mehr oder weniger in den Startlöchern. Eine noch existierende Hürde für IBN: In der IT herrscht oftmals noch Silodenken, das eine Zusammenarbeit verschiedener Technologien und Komponenten spürbar behindert. Ein IBN braucht aber offene Schnittstellen und tiefe Durchgriffsrechte. Denn das Netzwerk muss als Einheit funktionieren, damit es sich selbst steuern kann. Eine Vielzahl an nicht integrierten Einzelkomponenten hingegen erfordert permanente manuelle Eingriffe und steht der IBN-Funktionsweise entgegen.

Viele Unternehmen nutzen die Vorteile moderner Hybrid- oder Multi-Cloud-Betriebsmodelle, anstatt ausschließlich auf eigene Rechenzentren zu setzen. Applikationen in solchen heterogenen Infrastrukturen manuell zu betreiben, gleicht einer Sisyphos-Aufgabe. Ein zeitsparender Ansatz wie IBN kann dabei helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem wird eine absichtsbasierte Vernetzung das Netzwerkmanagement in den Unternehmen tiefgreifend verändern.

Drei zentrale Kriterien für intent-based-fähige Load Balancer

  • Multi-Cloud-Fähigkeit: Egal, ob Anwendungen auf Bare-Metal-Hardware im eigenen Rechenzentrum, als virtuelle Maschine in der AWS-Cloud oder Container in Azure laufen – ein entsprechender Lastverteiler muss alle Infrastrukturen abdecken.
  • Automation: Man braucht keine eigenen Skripte mehr für jede Anwendung oder Umgebung, sondern Automatisierungsmöglichkeiten dank reibungsloser Integration in alle Infrastrukturen.
    • Tiefgehende Analysefähigkeiten: Analytics bringt Transparenz in Applikation, Infrastruktur und Traffic und ermöglicht das kontinuierliche Monitoring der Netzwerkaktivitäten sowie eine zielgerichtete Steuerung.

    Bildquelle: Thinkstock/iStock

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