Web 2.0: Interview mit Manuela Nikui, Communication Presse und PR

Social Media in der B2B-Kommunikation

Interview mit Manuela Nikui, Initiatorin einer Umfrage zum derzeitigen Stand der Social-Media-Aktivitäten und geschäftsführende ­Gesellschafterin von Communication Presse und PR

Manuela Nikui, Commuication Presse und PR

Social-Media-Spezialistin Manuela Nikui

Der Einsatz sozialer Medien ist, unabhängig von der Unternehmensgröße, in deutschen Betrieben angekommen. Zu diesem Schluss kommt zumindest der „Erste Arbeitskreis Social Media in der B2B-Kommunikation“ in einer Umfrage aus dem letzten Jahr, in der 204 Unternehmen aus 13 Branchen zum derzeitigen Stand der Social-Media-Aktivitäten befragt wurden. Manuela Nikui gibt im Interview einen Einblick in die Ergebnisse.

IT-DIRECTOR: Frau Nikui, welche Ziele verfolgen Unternehmen hauptsächlich mit dem Einsatz von Social-Media-Tools?
M. Nikui:
Fast 75 Prozent der befragten Unternehmen wollen mit Social Media ihr Image steigern, knapp 70 Prozent wollen ihre Marke bekannter machen. Wiederum ca. 60 Prozent verwenden Social Media zur Neukundenansprache. Spannend ist jedoch auch ein Blick auf die Aspekte, die Unternehmen weniger wichtig sind: So stehen die Themen „Agenda Setting“ und „Krisenprävention“ ganz hinten auf der Prioritätenliste.

IT-DIRECTOR: Wer steuert die Social-Media-Aktivitäten im Unternehmen?
M. Nikui:
Unsere Umfrage ergab, dass bei knapp 64 Prozent der Unternehmen Social Media vom Marketing gesteuert werden. Nur sechs Prozent nehmen für Social-Media-Aktivitäten eine externe Agentur in Anspruch. Unternehmen glauben nämlich, soziale Medien können nur dann effizient genutzt werden, wenn sie im eigenen Unternehmen angesiedelt sind, da der Abstimmungsaufwand mit externen Dienstleistern zu hoch sei. Natürlich muss auch im Unternehmen eine gewisse Kompetenz vorhanden sein, jedoch ist eine Agentur als externer Sparringspartner eine wertvolle Unterstützung, sei es bei der Themenfindung, dem Erstellen von Redaktionsplänen oder dem Social-Media-Monitoring.

IT-DIRECTOR: Wie verbreitet ist der Einsatz ­eines Social-Media-Managers?
M. Nikui:
Die Studie zeigt, dass erst acht Prozent planen, im nächsten Jahr überhaupt eine eigene Social-Media-Abteilung aufzubauen. Das mag daran liegen, dass das Berufsbild des Social-Media-Managers noch nicht klar definiert ist. Hier herrscht Nachholbedarf. Aus unserer Sicht ist der Social-Media-Manager jemand, der für die Strategie des Unternehmens zuständig ist, alle Kanäle betreut und den Dialog mit der Zielgruppe stets im Auge hat. Er ist Anlaufstelle für alle Fragen, schafft Guidelines, schult die Mitarbeiter im Umgang mit dem Web 2.0 und macht sie zu Botschaftern des Unternehmens. Er strahlt quasi als eine Art Leuchtturm nach innen und außen.

IT-DIRECTOR: Welche Chancen und Risiken bieten Social-Media-Communitys für ­Unternehmen?
M. Nikui:
Eigene Communitys in den Social-Media-Kanälen sind für Unternehmen unschätzbar wertvoll. Durch sie erhalten Unternehmen auf leichtem Wege Feedback: Ob konstruktive Vorschläge für neue Produkte, für Geschäftsideen oder zur Verbesserung des Service, sie bieten einen wahren Fundus an Ideen und damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmen, die keine Netz-Community aufgebaut haben. Wichtig ist hier, sich ein Monitoring-System aufzubauen, das hilft, den Überblick zu behalten und Themen gezielt aufzuarbeiten. Nur so können sie frühzeitig auf negative Kommentare reagieren und eventuelle „Shitstorms“ bereits im Entstehen stoppen. Unternehmen positionieren sich zudem als authentischer Kommunikator, dem an einem nachhaltigen Beziehungsaufbau mit seinen Stakeholdern gelegen ist.

IT-DIRECTOR: Was sind die häufigsten Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht werden?
M. Nikui:
Der häufigste Fehler im Zusammenhang mit Communitys ist, diese nur als weitere Werbezielgruppe wahrzunehmen, sprich sie mit Eigenwerbung zu beschallen, statt den aktiven und konstruktiven Dialog mit ihnen zu suchen. Ebenso falsch ist es, nicht auf kritische Kommentare aus der Community zu reagieren oder diese sogar zu löschen. Das rächt sich schnell in Form von Shitstorms. Insgesamt vernachlässigen Unternehmen auch heute noch, soziale Medien strategisch in die Kommunikation mit einzubinden. Die Folge: Der rote Faden in der Kommunikation fehlt, es werden unterschiedliche Botschaften ausgesandt, Mitarbeiter sind verunsichert im Umgang mit den sozialen Medien oder Unternehmen verzichten ganz darauf. Somit fallen sie aus dem Raster ihrer Zielgruppen. Und das wäre für Unternehmen wirklich fatal, da sie ihre Zukunft aufs Spiel setzen.

IT-DIRECTOR: Wie finden Unternehmen das zu ihrer Branche passende Netzwerk?
M. Nikui:
Recherche und Zuhören sind die Schlüssel zum Erfolg. Nur wer sich intensiv mit der eigenen Zielgruppe beschäftigt und analysiert, wo im Web 2.0 sie unterwegs ist, kann die Frage beantworten, welche Kanäle für das eigene Unternehmen Sinn machen. Social Media nach dem Gießkannenprinzip ist definitiv die falsche Strategie.

 

Tipps für die Social-Media-Aktivitäten

  •   Social-Media-Richtlinien aufstellen und Mitarbeiter für einen sicheren Umgang schulen
  •   Social-Media-Management zum Bestandteil der Unternehmensstruktur machen
  •   „Mitmachkultur“ schaffen, indem Social Media im Unternehmen vom Management vorgelebt werden

 

 

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