SDS bietet viele Vorteile

Software-defined Storage als zusätzliche Abstraktionsebene

Dr. Georgios Rimikis, Senior Manager Solutions Strategy bei Hitachi Data Systems GmbH, berichtet im Interview über die Möglichkeiten der Software-defined-Storage-Technologien.

Dr. Georgios Rimikis, Senior Manager Solutions Strategy bei Hitachi Data Systems GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Rimikis, bislang gibt es keine einheitliche Definition des Software-defined Storage (SDS), was verstehen Sie unter diesem Begriff?
G. Rimikis:
Software-defined-Storage (SDS) ist ein integraler Bestandteil der Software-defined-Datacenter-Architektur (SDDC). SDS abstrahiert Storage-Services wie Zugriffsprotokolle, Datenmanagement und Datenablage von der darunter liegenden Speicher-Hardware. Diese dient lediglich als persistente Ablageschicht für die Daten, ohne eigene Storage-Services zu nutzen. Ein wesentliches Merkmal einer SDS-Lösung ist der starke Applikationsbezug: SDS stellt Speicher-Pools mit gewissen Qualitätsmerkmalen zur Verfügung, Applikationen bedienen sich aus diesen Pools, wobei die Provisionierung eng mit der Applikation verknüpft ist.

IT-DIRECTOR: Handelt es sich dabei um ein neues Paradigma in der Speicherindustrie oder um einen reinen Marketingzweck?
G. Rimikis:
Software-defined ist nicht ganz neu, sondern wie einige IT-Konzepte ein evolutionärer Entwicklungsprozess, der viele Facetten hat und bereits vor einigen Jahren mit der Integration beispielweise der externen Virtualisierung in dem Speicherkontroller begann. Die Vorteile machen deutlich, dass es sich nicht um eine Marketingstrategie sondern um einen Lösungsansatz handelt, der viele Vorteile in das Unternehmen bringt.

IT-DIRECTOR: Wie verbreitet ist die SDS-Technologie bei deutschen Unternehmen? – Wie gut sind Kunden über diese Möglichkeit informiert, wie hoch ist die Nachfrage?
G. Rimikis:
Für viele Unternehmen stellt Software-defined Storage einen entscheidenden Ansatz dar, der stark an Bedeutung gewinnen dürfte. Der Markt steckt bei uns jedoch noch in den Kinderschuhen. Allerdings nehmen Informationsgrad und Nachfrage kontinuierlich zu, wobei dies aus meiner Sicht durch Themen wie Big Data und das Internet der Dinge mit angetrieben wird.

IT-DIRECTOR: Wie ausgereift sind aktuelle SDS-Lösungen?
G. Rimikis:
Das Ende der Fahnenstange ist bei der Entwicklung noch lange nicht in Sicht, wir befinden uns hier erst am Anfang. Das ist aber gerade das schöne in der Informationstechnologie: „Nichts ist beständiger als der Wandel“

IT-DIRECTOR: Storage-Anforderungen werden komplexer – die Datenmenge steigt etwa durch die Nutzung mobiler Endgeräte – welche Antwort bietet SDS darauf?
G. Rimikis:
Einfachheit, Automatisierung und Flexibilität ohne die Sicherheit zu vernachlässigen sind die lakonische Antwort dazu. Wir haben kürzlich eine neue Produktreihe angekündigt, um den Trends und dem daraus resultierendem Datenwachstum zu begegnen. Die Systeme bieten Storage passend für jede Unternehmensgröße und können nahtlos miteinander verknüpft werden. Das Highlight ist, dass alle Mitglieder der neuen Reihe über die gleichen Software-Funktionen verfügen und sich lediglich in Kapazität, Leistung und Preis unterscheiden. Vor allem, und das ist einmalig im Markt, können sie mit einem Betriebssystem und einer Middleware kommunizieren und verwaltet werden.

IT-DIRECTOR: Welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch den Einsatz?
G. Rimikis:
Ich sehe eine Reihe von Vorteilen, die mit diesem Ansatz verbunden sind: Automatisierung, Reaktionsgeschwindigkeit, Flexibilität, Transparenz, Offenheit und Standard-Schnittstellen für das Management und die Provisionierung der Speicher-Services, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Wirkliche Nachteile fallen mir nicht ein.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich bestehende Umgebungen mit SDS-Konzepten verbinden?
G. Rimikis:
Der erste Schritt heißt hier Virtualisierung. Denn Software-defined Storage ist nichts anderes als eine zusätzliche Abstraktionsebene. Die geeignete Trennung von Physik und Logik erlaubt einem Unternehmen zukunftsorientiert zu handeln. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass mit der virtualisierenden Software vorhandene Infrastruktur eventuell wiederverwendet und in eine neue virtuelle Speicherumgebung eingebunden werden kann. 

IT-DIRECTOR: SDS führt zu einer zusätzlichen Komplexitätsebene in der Datenlandschaft, wie sollten Unternehmen dieser Herausforderung begegnen?
G. Rimikis:
Erlauben Sie mir hier diese These etwas zu relativieren. Die Einführung einer zusätzlichen Ebene braucht nicht unbedingt mit Komplexität verbunden zu sein. Die geeignete Trennung von Physik und Logik erlaubt einem Unternehmen viele Dinge zu vereinfachen. Letztlich vereinfacht SDS das Arbeiten und insofern sehe ich keine zusätzliche Komplexitätsebene sondern eher eine Reduzierung der Komplexität.

IT-DIRECTOR: Ab welcher Größenordnung und welchem Unternehmensumfeld empfehlen Sie den Einsatz einer SDS-Lösung?
G. Rimikis:
Es gibt hier keine Richtlinien oder prädestinierte Branchen. Überall da, wo viele Daten gespeichert und auf diese schnell zugegriffen werden muss, macht ein SDS Sinn. Es ist letztlich eine moderne Technologie, die sukzessive ältere Ansätze verdrängen wird.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich der Bedarf nach Speicherlösungen generell in den kommenden Jahren entwickeln?
G. Rimikis:
Die Antwort ist einfach. Der Trend kennt nur eine Richtung und zwar Norden. Dabei wird die Geschwindigkeit durch Big Data und Internet of Things noch zunehmen. Hier geht es nicht mehr nur darum Daten zu speichern, sondern sie flexibel, einfach, schnell, sicher, wirtschaftlich und automatisiert rund um die Uhr und überall bereitzustellen.

IT-DIRECTOR: Wie beurteilen Sie den Trend „Software-defined Everything“ – die Entwicklung, die gesamte IT-Hardware künftig durch Software zu verwalten und zu steuern?
G. Rimikis:
Vorab möchte ich sagen, dass meiner Meinung nach das Konzept eigentlich „Service-defined Everything“ heißen müsste, denn es sind ja Services, die bereitgestellt werden und auf die zugegriffen wird. Was die hinter einem Service steckende Software oder Hardware macht, dass ist dem Nachfrager, also Anwender oder Applikation, eigentlich egal. Was den Trend angeht, denke ich, dass wir uns ganz klar in Richtung von mehr Service-defined befinden und dieser Trend ist gut. Die Nachfrage nach unseren serviceorientierten Converged-Lösungen (Server, Speicher, Netzwerk und Orchestrierungssoftware) beweist es.

IT-DIRECTOR: Sehen Sie dadurch ein erhöhtes Risiko mit Blick auf Ausfälle oder Defekte?
G. Rimikis:
Eher das Gegenteil ist der Fall. An dieser Stelle möchte ich zum Ausdruck bringen, dass unabhängig von Definitionen, Interpretationen, Ausprägungen und schönen Marketingsprüchen ein wortwörtlich absolutes Software-defined XYZ kann es nicht geben. Vielmehr geht es um das ausgewogene Zusammenspiel zwischen Software und Hardware. Service ist hier das magische Wort. Hier lassen sich die unterschiedlichsten Komponenten miteinander verbinden und entsprechende Redundanzen zur Absicherung einbauen. Voraussetzung ist natürlich, dass Software und Hardware fehlerfrei laufen, aber das ist ja auch beim alten Ansatz Grundvoraussetzung.

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