Trends im Rechenzentrum

Software-definierte Data Center

Software-definierte Data Center bestimmen zunehmend die Strategien von Rechenzentrumsbetreibern, berichtet Guido Wiemar, Manager Enduser Sales & Sales Support bei Schneider Electric.

Guido Wiemar, Schneider Electric

Guido Wiemar, Manager Enduser Sales & Sales Support bei Schneider Electric

IT-DIRECTOR: Herr Wiemar, welche Rolle spielen Rechenzentren im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT)?
G. Wiemar:
Jedes Unternehmen wird neben seinen klassischen Office-Anwendungen zusätzlich Machine-to-Machine-Anwendungen (M2M) und Analytics einführen, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Das bedingt erhebliche Veränderungen in einem Rechenzentrum. Nur mit der Standardisierung der Prozesse und Technologien ist der einheitliche Datenaustausch und die Kommunikation untereinander möglich.

IT-DIRECTOR: Auf welche Weise lassen sich IoT-Konzepte wie „Fog Computing“ und „Edge Devices“ zum einen technologisch in vorhandene IT-Infrastrukturen und zum anderen organisatorisch in die übergeordneten RZ-Strategien der Unternehmen einbinden?
G. Wiemar:
Moderne Rechenzentrumsstrategien setzen auf software-definierte Datacenter (SDDC) für höchste Flexibilität, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit sowie für hochverfügbaren Betrieb. Die Standardisierung und Virtualisierung vorhandener IT-Infrastrukturen schafft die Basis für Edge beziehungsweise Fog Computing und erlaubt damit die Anbindung der Devices. Eine Vielzahl gleichartiger Komponenten ermöglicht dabei die flexible Bereitstellung aller erforderlichen IT-Ressourcen jeweils in direkter Nähe der Geräte.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Fog Computing und Edge Devices software-seitig am besten in IT-Management- bzw. Data-Center-Infrastructure-Management-Systeme einbinden? Welche Herausforderungen gibt es?
G. Wiemar:
Die bislang vorhandenen physischen Grenzen eines Rechenzentrums verschwimmen, denn eine Vielzahl der IT-Prozesse wird an unterschiedlichen Orten ausgeführt. Neben der schon weitgehend abgeschlossenen Virtualisierung der Server werden jetzt auch Storage und Netzwerke virtualisiert. Die Herausforderung hierbei ist die Standardisierung, die beispielsweise über eine Open-Compute-Data-Center-Architektur geschaffen werden kann.

IT-DIRECTOR: Dank Fog Computing sollen sich künftig viele kleine lokale Rechenzentren etablieren. Inwiefern hätten sogenannte "Super-Rechenzentren" – wie sie zuletzt beispielsweise in Skandinavien entstanden – überhaupt noch eine Berechtigung?
G. Wiemar:
Lokale Rechenzentren (Micro Datacenter) und „Super-Rechenzentren“ bestehen zukünftig nebeneinander, denn sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben. IT-Prozesse werden in die Nähe der Datenentstehung, den äußeren Rand der Cloud verlagert, um die Bandbreiten der Übertragungswege zu optimieren. Edge bzw. Fog Computing ermöglicht die Verarbeitung der Datenmengen aus dem Internet der Dinge (IoT) oder dem industriellen Internet der Dinge (IoT) und überträgt nur noch die Analyse-Ergebnisse an die großen, zentralen Cloud-Rechenzentren.

IT-DIRECTOR: Kalt-Warm-Gänge und freie Kühlung sind ein alter Hut, wenn es um Kühl- und Klimakonzepte im Rechenzentrum geht. Welche neuen Errungenschaften haben in puncto Kühlung das Potential, sich auf lange Sicht ähnlich erfolgreich durchzusetzen?
G. Wiemar:
Aktuell werden adiabate Kühlsysteme in immer mehr Rechenzentrumsprojekten eingesetzt, denn sie ermöglichen erhebliche Energieeinsparungen. Hier gibt es verschiedene Variationen wie beispielsweise Kaltwassersätze mit besprühten Verflüssigern, die in Kombination mit freier Kühlung und Warmgangkonzepten optimale Einsparmöglichkeiten schaffen.

IT-DIRECTOR: Klimaanlagen zählen zu den größten Energie- und damit Kostenfressern in Rechenzentren. Inwieweit lassen sich die Stromkosten durch eigens im Rechenzentrum erzeugte Energie (z.B. Blockheizkraftwerk, Photovoltaik etc.) senken?
G. Wiemar:
Die größten Einsparungen können durch die Energie generiert werden, die gar nicht erst verbraucht wird. Somit empfehlen wir in erster Linie ein optimales Energiemanagement, denn daran mangelt es noch immer in vielen Unternehmensrechenzentren. Der Einsatz von selbst erzeugter, möglichst regenerativer Energie, ist erst ab einer Leistungsgröße von rund 100 Kilovoltampere wirtschaftlich sinnvoll und meist problemlos integrierbar.

IT-DIRECTOR: Inwieweit gibt es bereits Praxisbeispiele, bei denen regenerative Energien von den Rechenzentren selbst produziert werden?
G. Wiemar:
Wir haben bereits einige Betreiber von Rechenzentren auf ihrem Weg hin zu selbst produzierter beziehungsweise selbst gewonnener regenerativer Energie begleitet. Sei es Photovoltaik, Geothermie oder jede andere Form der Energieerzeugung – wichtig ist die gut geplante und hochverfügbare Ausführung des Datacenter-Projektes.

IT-DIRECTOR: Beziehen RZ-Betreiber den benötigten Strom von Energieversorgern: Inwiefern lassen sich Rechenzentren (ausschließlich) mit Ökostrom betreiben?
G. Wiemar:
Ein Rechenzentrum kann ausschließlich mit Ökostrom betrieben werden, wenn der Betreiber bei Energieversorgern einkauft, die ein entsprechendes, möglichst zertifiziertes Angebot haben.

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