Agiles Projektmanagement bei EWE

Software-Entwicklung mit Scrum

Der Energiekonzern EWE erhält agilen Antrieb: Um den Aufwand in der Software-Entwicklung zu reduzieren setzt EWE auf ein agiles Projektmanagement und den iterativen Ansatz der Scrum-Methodik.

  • EWE AG

    Der Offshore-Windpark Alpha Ventus von EWE

  • Photovoltaikanlage im Weserstadion in Bremen

  • Der EWE-Gasspeicher Huntdorf

Deutlich schneller und effizienter: So sollen künftig Updates beim Kundenmanagement- und Abrechnungssystem der EWE umgesetzt werden. Die Anforderungen an ein solches Softwaresystem sind nicht zuletzt wegen der gesetzlichen Anforderungen u.a. aus der Energiewende rasant gestiegen. Ein Grund dafür ist die Liberalisierung des Strommarktes und der Start der Bundesnetzagentur im Jahr 2005. So ist es ein wesentliches Ziel der Regulierungsbehörde, Prozesse der einzelnen Anbieter vergleichbar zu machen und den offenen Markt zu unterstützen.
 
Doch die damit verbundenen Maßnahmen haben weitreichende Konsequenzen für die Unternehmen: Die Liberalisierung des Marktes führte etwa bei der EWE AG, einem Anbieter im Bereich Strom, Erdgas, Telekommunikation, Informationstechnologie und Umwelt, zu einem deutlich gestiegenen Anforderungsvolumen an Vertrags- und Kundenbeziehungen. Um dieser Vielzahl an Anforderungen gerecht zu werden, sollten Veränderungen bei Easy+, dem Kundenmanagement- und Abrechnungssystem der EWE, zügiger und kostensparender als bisher umgesetzt werden. Bei Easy+ handelt es sich um eine Eigenentwicklung auf Basis der SAP-Programmiersprache ABAP. Seit 1995 ist die Anwendung produktiv im Einsatz und rund 120 Mitarbeiter arbeiten an der Weiterentwicklung des Systems.
 
Die Herausforderung: Das Produkt Easy+ muss den Anforderungen der unterschiedlichen Fachabteilungen wie Buchhaltung und Vertrieb gleichermaßen entsprechen. So einleuchtend das auf den ersten Blick erscheint, so komplex ist es in der Umsetzung. Denn: Jede gewünschte Änderung einer Fachabteilung kann grundlegende Auswirkungen auf das gesamte Produkt haben. Knackpunkte in der Praxis sind dabei die Anforderungen der einzelnen Bereiche, bei den vielen Kundenerwartungen zu priorisieren, die Transparenz bei den Fertigstellungsgraden der einzelnen Anforderungen sowie auch eine fachliche Spezialisierung der einzelnen Entwickler und Projektleiter auf Komponentenebene zu gewährleisten.
 
Nach traditionellen Vorgehensmodellen benötigt man am Ende eines Release zudem mehrere aufwendige Testwochen. Diese sind nötig, um Fehler zu identifizieren und Änderungen zu implementieren. Der hohe Abstimmungs-, Planungs- und Koordinationsaufwand hatte bei dem EWE-Abrechnungssystem dazu geführt, dass neue Anforderungen nur alle sechs Monate neu aufgenommen und ausgeliefert werden konnten. Die Zeitspanne soll deutlich verkürzt werden, die aufwendig vom Fachbereich durchgeführten Tests reduziert und natürlich die Performance und Stabilität des Produktes sichergestellt werden.

Agiles Projektmanagement

Im Oktober 2012 holte EWE die Boris Gloger Consulting GmbH an Bord – die Berater setzten auf ein agiles Projektmanagement. Anstatt eines einmaligen gesamten Rollout empfahlen sie, stufenweise Teile der Organisation mit Scrum vertraut zu machen und umzustellen. Dieser iterative Ansatz ermöglichte es, die Erkenntnisse aus der vorherigen Phase für die nächste Phase der Easy+-Anpassung zu nutzen, um z.B. die Rollenbesetzung, Teamzusammenstellung oder den Anforderungsprozess zu optimieren. Maßgeblicher Erfolgsfaktor hierbei: Bei der Implementierung waren bereichsübergreifend alle Ebenen (vom Entwickler bis zum Management) von Anfang an eingebunden, um gemeinsam die Methode anzuwenden und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.
 
Los ging es im Oktober 2012 zunächst mit zwei Pilotteams und einem Transitionteam aus der Easy+-Mannschaft. Das Transition-Team rekrutierte sich u.a. aus Vertretern aller involvierter Organisationen (Fachbereich, IT-Koordination, IT-Zulieferer) und betroffenen Rollen (Management, Scrum-Master, Product Owner).
 
Sukzessive stellte Boris Gloger Consulting die gesamte an Easy+ beteiligte Organisation auf Scrum um: So wurde im Januar 2013 ein weiteres übergreifend arbeitendes cross-funktionales Team und insgesamt drei Scrum-Teams etabliert. Schon im April wurde die Zahl auf sieben Scrum-Teams aufgestockt. Zusätzlich waren ein Quality-Management-Team und ein Architekturteam im Einsatz. Ein halbes Jahr später, im Oktober 2013, agierten bereits neun Scrum-Teams, drei Domain-Scrum-Master und ein Company-Scrum-Master. Im Zuge dessen wurde das zu Anfang geschaffene Transition-Team aufgelöst. Aktuell arbeiten etwa 100 EWE-Mitarbeiter in neun Scrum-Teams an der ständigen Weiterentwicklung von Easy+.
 
Im Rahmen der Scrum-Implementierung wurde ein besonderes Augenmerk auf die Qualitätssicherung sowie den Wissensaufbau gerichtet, wofür die Software-Test-Experten von Anecon mit an Bord geholt wurden. Vor diesem Hintergrund lag ein wesentlicher Fokus auf dem Coaching der ganzen Mannschaft in Sachen Anwendung von agilen Entwicklungsmethoden. Hierfür wurden Werkzeuge für die Testdurchführung (u.a. SAP Solman, SAP BI Reporting) und für die Testautomatisierung (SAP Ecatt) eingeführt und intensiv begleitet. Vier Communitys of Practice (CoP) wurden ins Leben gerufen: ASE (Agile Aoftware Engineering), Testautomatisierung, Solman und Test.
 
Ein wichtiges Ergebnis: Dank Scrum konnte die Entwicklungszeit für ein Easy+-Update glatt halbiert werden – von sechs auf drei Monate. Zudem wurden Testaufwand und Fehlerquote deutlich reduziert. Vor Einführung der agilen Methode zu Software-Entwicklung lag der Anteil zur Fehlerbehebung nach der Testabnahme im Fachbereich bei etwa einem Drittel des Gesamtbudgets; Boris Gloger Consulting konnte den Prozentsatz auf 20 senken. Wesentlicher Grund dafür: Mit Scrum etablierte die Managementberatung bei EWE einen kontinuierlichen und deutlich schlankeren Anforderungsprozess, die Ansprüche aus den einzelnen Fachabteilungen werden dabei laufend priorisiert und schneller implementiert, die Qualität damit verbessert. „Mit Scrum ist es uns gelungen, 40 Manntage innerhalb des Projektzeitraums einzusparen. Die Anzahl der Scrum-Teams hat sich seit Projektstart von zwei auf dreizehn erhöht. Auch für die Zukunft planen wir deshalb, Projekte nach dieser agilen Vorgehensweise anzugehen“, berichtet Markus Theilen, IT-Koordinator der EWE swb Isis GmbH.
 
www.ewe.de

www.borisgloger.com

www.anecon.de

Bildquelle: EWE AG

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