Fake News verhindern

Soziale Medien auf einer Blockchain

Fake News können, besonders wenn es um das Coronavirus geht, einen erheblichen Schaden anrichten, der unter Umständen Menschenleben kostet. Alex Berezovskyi, CEO bei Trendda Limited, erklärt im Interview, welche Möglichkeiten es gibt, Falschmeldungen einzudämmen, und wie soziale Medien von einer Blockchain profitieren können.

Alex Berezovskyi, CEO bei Trendda Limited

„Aufgrund der Corona-Krise gibt es glücklicherweise eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Falschmeldungen‘“, meint Alex Berezovskyi von Trendda Limited.

ITD: Herr Berezovskyi, durch das Coronavirus befinden wir uns derzeit weltweit in einer Krise. Welchen Schaden richten Fake News in den sozialen Medien in einer solchen Situation an?
Alex Berezovskyi:
Fake News sind immer ein Problem, nicht nur in diesen Zeiten. Weshalb? Nun, einerseits halten sie uns davon ab, Entscheidungen auf einem wahren Fundament zu treffen. Andererseits verunsichern uns falsche Informationen ungemein und kosten am Ende des Tages wertvolle Zeit, Energie oder andere Ressourcen.

Eines der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse ist das der Orientierung. Mit Informationen, die sich gegenseitig völlig widersprechen, aber beide für sich gute Argumente für die jeweils eigene Position haben, ist es schwer herauszufinden, welcher Quelle man mehr Glauben schenken darf. Sehr schnell befinden sich Menschen in einem Bereich der Desorientierung. Das führt zu Frustration und im schlimmsten Fall zu einer Schockstarre. In sehr komplexen Bereichen führt diese Desinformation zum Nicht-Handeln. Die private Vorsorge ist ein Paradebeispiel dafür. Da gibt es auch eine riesengroße Anzahl an Informationen und Variablen, die zu berücksichtigen sind und auf deren Basis entschieden werden muss. Die meisten Menschen entscheiden sich dann für das Nicht-Handeln und schieben eine endgültige Entscheidung auf.

Was beim Thema der privaten Vorsorge nicht wirklich lebensgefährlich ist, kann beispielsweise im Zusammenhang mit Corona äußerst problematisch werden. Es ist nicht nur für einen selbst gefährlich, sondern auch für das persönliche Umfeld. Dieses Thema bietet leider auch viel Platz für Fake News. In diesem Bereich ist es derzeit sehr leicht möglich, Reichweite zu generieren, vor allem in den sozialen Medien, die es uns sehr einfach machen, Content zu verbreiten. Jede Extremposition – übermäßiger Alarmismus oder übermäßige Beschwichtigungen – sind problematisch und verzerren das Weltbild in eine nicht angemessene Richtung.

ITD: Welche Möglichkeiten gibt es, Fake News zu korrigieren und zu unterbinden?
Berezovskyi:
Es gibt die Möglichkeit, das Verbreiten von Fake News zu bestrafen. Dies wäre eine politische Entscheidung, die wohl von vielen Menschen mitgetragen werden würde. Doch es tun sich einige Probleme auf: Wie können Falschmeldungen von gehaltvollen Nachrichten unterschieden werden? Gibt es beispielsweise auch die Möglichkeit, dass richtige Informationen als falsch eingestuft werden? Wer bestimmt, was wahr ist und was nicht? Außerdem gibt es oftmals Graubereiche, in denen sich Nachrichten bewegen, bei denen man nicht weiß, ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht.

Nehme man das aktuelle Beispiel der Meldung von einem Impfstoff gegen Corona. Diese Berichte sind zum Teil richtig. Es scheint tatsächlich gewisse Durchbrüche in diesem Bereich zu geben, allerdings sind die Pharmafirmen noch lange nicht so weit, diesen Impfstoff auch Menschen zu verabreichen, da etliche Testverfahren durchlaufen werden müssen. Manchmal befindet sich die Wahrheit in der Mitte. Es müsste also eine zentrale Instanz geben, die entscheidet, was wahr ist und welcher Content tatsächlich ein Fake ist.

Tatsächlich gibt es gerade eine Absichtsbekundung von mehreren Technologiefirmen in Amerika – darunter sind Microsoft, Google, Twitter und Facebook – dabei zu helfen, Covid-19-Fake-News zu unterbinden. Dass dies gar nicht so einfach ist, habe ich bereits ausgeführt. Nicht immer ist sofort entscheidbar, was der Wahrheit entspricht und was nicht. Außerdem ändert sich die Informationslage oftmals im Minutentakt.

ITD: Und wie können die sozialen Medien auf einer Blockchain profitieren?
Berezovskyi:
Meine Empfehlung lautet immer, selbst zu recherchieren und sich ein wahrheitsgetreues Gesamtbild zu schaffen, sofern dies möglich ist. Immer wird dies nicht gehen, weil nicht entsprechend Zeit oder andere Ressourcen vorhanden sind. Das bedeutet, wir sind natürlich immer ein Stück weit von anderen Menschen abhängig, wenn es um die Qualität und den Zugriff von Informationen geht. Auf der Website Trendda.news veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen Content. Dabei recherchieren wir ausführlich und versuchen, nur solche Quellen heranzuzuziehen, die schon in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie vertrauensvoll sind. Aber natürlich ist auch das keine absolute Garantie.

Nun könnte eine Blockchain dazu beitragen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und dabei helfen, seriöse von unseriösen Quellen unterscheidbar zu machen. Eines vorweg: Auch diese Technologie ist kein Allheilmittel. Sie kann unterstützend wirken, aber uns niemals die vollkommene Entscheidung abnehmen. Das bleibt dem gesunden Menschenverstand überlassen.

Nun, wie kann die Blockchain dabei helfen, Fake News zu identifizieren? Die obersten Prinzipien der Blockchain stellen Dezentralisation und Transparenz dar. Alle Inhalte, die über eine Blockchain veröffentlicht wurden, können einwandfrei zum Urheber zurückverfolgt werden. Nicht nur das – die große Stärke dieser Technologie ist, dass die veröffentlichten Inhalte im Nachhinein nicht mehr verändert werden können. Diese glasklare Rückverfolgbarkeit allein wird dazu beitragen, dass sich Falschmeldungen minimieren.

So könnten Konsumenten der sozialen Medien selbst ihren Informationsfilter optimieren, um Informationen zu konsumieren, die durch die Blockchain zurückzuverfolgen sind. Twitter beispielsweise arbeitet gerade an einem Algorithmus, der genau dies können soll. Die Leser entscheiden dann selbst, ob sie vermehrt verifizierten Content sehen wollen oder nicht. Die Mehrheit würde sich wohl, ohne zu Zögern, für die erste Variante entscheiden.

ITD: Welche Herausforderungen bestehen diesbezüglich?
Berezovskyi:
Wie bereits beschrieben, gibt es, neben technischen Herausforderungen, denn die Blockchain benötigt Energie für ihren Arbeitsprozess, auch noch das Problem der Uneindeutigkeit. Es ist nicht immer, auch nicht für Experten aus dem jeweiligen Gebiet, ersichtlich, ob die dargebotenen Informationen falsch sind oder nicht. Auch das Verallgemeinern von persönlichen Ansichten kann nicht als Fake News abgestempelt werden, nicht der Realität der Masse entsprechen und dennoch Verbreitung genießen.

Es gibt so etwas wie einen kritischen Punkt, den die Blockchain-basierten News überschreiten müssen, um dementsprechend Verbreitung zu finden. Es wird daher noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten sein, bevor solch ein System etabliert werden kann. Es muss noch klarer gemacht werden, was mit der Verbreitung von Fake News alles angerichtet werden kann. Ein weiteres Problem ist, dass die meisten Menschen, die solche Nachrichten verbreiten, gar nicht wirklich an der Wahrheit interessiert sind, sondern andere Bedürfnisse, wie persönlichen Geltungsdrang befriedigen.

Aufgrund der Corona-Krise gibt es glücklicherweise eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Thema „Falschmeldungen“. Die Blockchain hat interessante Lösungsansätze parat, welche hoffentlich, in nicht allzu ferner Zukunft, Anwendung finden und erfolgreich dabei helfen, Menschenleben zu retten.

Bildquelle: Trendda Digital

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