Befragung von Steria Mummert

Sprachliche Barrieren

Gut die Hälfte aller deutschen IT-Unternehmen schätzt ihren Outsourcing-Grad als hoch ein. Manche Firmen sind jedoch noch zurückhaltend, wenn es um Offshoring geht.

Barriere, Bildquelle: Rainer Sturm/pixelio.de

Das ist das Ergebnis der Entscheiderbefragung „Erfolgsmodelle im Outsourcing“ von Steria Mummert Consulting. Laut dieser hat sich der Outsourcing-Grad innerhalb eines Jahres verdoppelt: 2010 war nur jedes vierte Unternehmen überzeugt, dass die Branche ihr Potential ausgeschöpft hat, jetzt sind es 56 Prozent. Von ihrem verstärkten Engagement beim Outsourcing erhoffen sich überdurchschnittlich viele Entscheider eine Kostensenkung. Doch auch Flexibilität, Kostentransparenz und die Konzentration auf das Kerngeschäft sind Unternehmen wichtig, die auf Outsourcing setzen.

Unter allen Outsourcing-Disziplinen erfreut sich das Business-Prozess-Outsourcing (BPO) der größten Beliebtheit. 88 Prozent der IT-Unternehmen wollen mit der Auslagerung von Backoffice- oder fachbezogenen Prozessen Kosten reduzieren. Dabei stieg die Akzeptanz dieser Variante des Outsourcings deutlich an: 2010 hielten noch zwölf Prozent der IT-Firmen BPO für nicht vorstellbar, in der aktuellen Studie ist es kein einziger Befragter. An zweiter Stelle folgt das Auslagern von IT-Infrastruktur. Eine Auslagerung der Entwicklung und Pflege der IT-Anwendungen nehmen 64 Prozent in Angriff, Software-Testing wollen 60 Prozent der befragten Manager auslagern.

Ein Blick in die Segmente

Deutschland spielt für viele IT-Firmen noch immer eine große, wenn auch abnehmende Rolle als Outsourcing-Standort. 48 Prozent der befragten IT-Unternehmen lassen Outsourcing-Services Onshore erbringen, 39 Prozent aber Nearshore oder Offshore. Die Tendenz ist weiter steigend. Ein Blick in die Segmente zeigt wiederum: 64 Prozent der Befragten lagern Geschäftsprozesse innerhalb Deutschlands aus, bei der Infrastruktur sind es 57 Prozent. Für Managed-Testing-Services (MTS) bevorzugen 48 Prozent das eigene Land als Standort. Dies bedeutet aber auch, dass bereits etwa die Hälfte der Befragten Infrastruktur-Outsourcing und MTS außerhalb Deutschland erbringen lassen.

Osteuropa steht besonders bei der Auslagerung von Infrastruktur-Outsourcing hoch im Kurs – 30 Prozent der IT-Firmen verlagern z.B. das Netzwerk oder den Help Desk in Nachbarländer. BPO verlagern 24 Prozent der Befragten nach Nearshore. Für Softwaretests setzen 17 Prozent auf Länder wie Tschechien oder Polen. Interessant ist, dass die IT-Branche das Offshoring gerade beim Application Management im Branchenvergleich als überdurchschnittlich relevant ansieht, denn 60 Prozent der Befragten sehen eine weitere Zunahme, keiner der Befragten jedoch sieht eine Abnahme.

Gut ausgebildete Nachwuchskräfte

Gerade mittelständische IT-Unternehmen tun sich aktuell noch schwerer als große Unternehmen mit den beim Offshoring wichtigen englischen Sprachkenntnissen. Die Zurückhaltung bei Auslagerungen außerhalb Deutschlands erklären 80 Prozent der Unternehmen mit ihrer deutschen Geschäftssprache. Zusätzlich sehen 76 Prozent der Entscheider mögliche Schwierigkeiten mit der deutschen Dokumentation, wenn sie Aufgaben an ausländische Partner übertragen. Damit haben IT-Firmen trotz der vorherrschenden englischen Fachliteratur gerade in kleineren Betrieben noch Respekt vor sprachlichen Barrieren. Beide Argumente sind insofern fraglich, weil viele Services, die Offshore erbracht werden, unabhängig sind von Dokumentationen und der gesprochenen Sprache im jeweiligen auslagernden Unternehmen.

Für Segmente wie Application Management oder Infrastructure Management stehen ausgewählte Experten des auslagernden Unternehmens in Kontakt mit dem Dienstleister und kommunizieren in der Regel in Englisch. Dies hat jedoch auf die Geschäftssprache des auslagernden Unternehmens insgesamt einen geringen Einfluss. Kulturelle Änderungen oder gar eine „Internationalisierung“ eines Unternehmens sind damit nicht verbunden.

In den angelsächsischen Ländern wie den USA oder Großbritannien werden beispielsweise indische Firmen schon seit den 90er Jahren viel stärker als Partner ins Boot geholt. Hinsichtlich der erwarteten Kosteneinsparungen durch Outsourcing könnten sich Firmen, die diesen Weg beschreiten, so einen Wettbewerbsvorteil schaffen. Zudem stoßen die Möglichkeiten zu Auslagerungen innerhalb Deutschlands an ihre Grenzen. Gerade für IT-Firmen wird es immer schwerer, Dienstleister mit dem nötigen Know-how zu finden, die ausschließlich Onshore liefern. In Indien warten jedoch gut ausgebildete Nachwuchskräfte, die teilweise bereits auf 20-jährige IT-Erfahrung zurückblicken können.

Bildquelle: Rainer Sturm/pixelio.de

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