Analysesoftware für die Produktion

Standards für Big-Data-Plattform

Interview mit Felix Jordan, FIR e. V. an der RWTH Aachen, über benötigte Standards für Big-Data-Plattformen und sinnvolle Datenanalysen im Produktionsumfeld

Felix Jordan, FIR

Felix Jordan, FIR e. V. an der RWTH Aachen

IT-DIRECTOR: Herr Jordan, in welchen Bereichen kann Big-Data-Analysesoftware im Produktionsumfeld von Großunternehmen sinnvoll eingesetzt werden?
F. Jordan:
Eine Studie von IDC aus dem Jahr 2013 zeigt verschiedene Unternehmensbereiche auf, in denen Big-Data-Analysesoftware relevante Auswirkung haben wird. Zunächst wird die Prognosequalität zukünftiger Absatzzahlen zuverlässiger werden, sodass Produktionen zielgerichteter agieren können. Der Produktionsprozess selbst profitiert seinerseits von der gestiegenen Informationsdichte und Geschwindigkeit der Datenverarbeitung, indem die Automatisierung im Produktionsumfeld vorangetrieben und die Produktivität gesteigert werden kann – die Produktion kann in Echtzeit auf Bewegungen im Absatzmarkt reagieren. Als Teil einer Supply Chain ergeben sich für ein Unternehmen weitere Potentiale bei der Feinplanung von Lieferketten und Distributionszeiten.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns bitte ein Beispiel für den Big-Data-Einsatz im Produktionsumfeld von Großunternehmen beschreiben?
F. Jordan:
Das Projekt „Big Pro“ liefert ein Beispiel. In dem Projekt wird eine Big-Data-Plattform entwickelt, die in der Lage ist, die heterogene Datenlandschaft der Anwendungspartner zu verarbeiten und aufzubereiten. Die aufbereiteten Daten sollen das Störungsmanagement der Produktion unterstützen. Dazu wird ein digitales Abbild der Datenkonstellation der Produktion während einer Störung gespeichert und mit der Störung verknüpft. Die Plattform überwacht ab diesem Zeitpunkt die eingehenden Daten. Sollte das System eine gleiche Datenkonstellation erkennen, warnt es vor der zuvor gespeicherten Störung und benennt dem Verantwortlichen, falls bekannt, bereits eine Gegenmaßnahme.

IT-DIRECTOR: Welche Daten spielen in der Produktion generell eine besonders wichtige Rolle, welche können eher vernachlässigt werden?
F. Jordan:
Unternehmensdaten pauschal als weniger wichtig einzustufen, widerspricht unserem Verständnis von Big Data. Eine Bewertung von Daten kann erst im Kontext vorgenommen werden. Stattdessen sollen alle verfügbaren Daten zu Informationen verarbeitet werden, um dann mithilfe von Analysesoftware bedarfsorientiert relevante Informationen von weniger relevanten zu trennen und aufzubereiten. Das Verständnis spiegelt sich in Big Pro und der expliziten Berücksichtigung von Mitarbeitern als Datenquelle wider.

IT-DIRECTOR: Auf welche Art und Weise könnten Big-Data-Plattformen fehlende Transparenz im Produktionsgeschehen wettmachen?
F. Jordan:
Eine tatsächliche Produktion kann in ihrer Komplexität und aufgrund der Vielzahl an involvierten Systemen und Abhängigkeiten schnell unübersichtlich werden. Big-Data-Plattformen werden uns befähigen, ein digitales Abbild der Produktion zu erstellen. Um in der Datenflut nicht unterzugehen, ist die Fähigkeit, Daten in Echtzeit verarbeiten zu können, von entscheidender Bedeutung. Dies erlaubt eine anwenderorientierte Aggregation der Informationen. Während der Produktionsmitarbeiter über die verschiedenen Maschinenparameter seiner Maschine informiert sein will, reicht dem Produktionsleiter die Information, dass die Maschine (und alle anderen) ordnungsgemäß in Betrieb ist. Die anwenderorientierte Visualisierung von Daten ist wesentlicher Bestandteil von Big Data und auch im Forschungsvorhaben Big Pro.

IT-DIRECTOR: Welche Hürden sehen Sie für eine flächendeckende Nutzung von Big-Data-Lösungen in der Produktion von Großunternehmen?
F. Jordan:
Momentan fehlen an vielen Stellen die benötigten Standards, um Daten auch unternehmensübergreifend auszutauschen. Natürlich ist auch die Informationssicherheit weiterhin ein großes Thema, das den Austausch von Daten hemmt.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich sämtliche Datenquellen (Maschinen, Prozesse, Produkte) und Systeme (ERP, SCM, BI) am besten integrieren? Auf welche Standards sollten die IT-Verantwortlichen hier vor allem achten?
F. Jordan:
Dies ist eine der uns bevorstehenden Herausforderungen bei Big Pro, die wir gemeinsam im Konsortium beantworten wollen. Unser Ziel ist es, wie bereits erwähnt, möglichst alle verfügbaren Datenquellen der Anwendungspartner zu nutzen.

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