Einheitliche IoT-Protokolle

Standards im Internet der Dinge

Ohne weltweit gültige Standards wird der flächendeckende Erfolg des Internets der Dinge sicherlich noch etwas auf sich warten lassen. Dabei gibt es vor allem hinsichtlich einheitlicher Übertragungsprotokolle und -wege im Internet of Things (IoT) noch einiges zu tun.

Standards im Internet der Dinge

In welche Richtung entwickeln sich die Standards im Internet der Dinge?

Neben Sicherheitsfragen und der Auswertung von Big Data im Internet der Dinge geht es in aktuellen Diskussionen auch häufig um das Thema der Standardisierung. „Generell stellt das Fehlen technischer Standards eine Herausforderung für die Ausbreitung des Internets der Dinge dar“, betont Urban August, Managing Director bei Siemens PLM Software. Ein Grund hierfür: Das Feld an IoT-Szenarien scheint zu vielfältig, um einschlägige Standards hervorzubringen.

Darüber hinaus machen sich fehlende Standards auch bei der Datenintegration im Internet der Dinge bemerkbar. Die im IoT gesammelten Big Data „umfassen unzählige verschiedene Datenformate. So stellen sich alleine Sensordaten als Bilder, Spannungen oder binäre Daten dar, um nur einige Beispiele zu nennen“, betont Matthias Krämer, Geschäftsführer bei dem Business-Intelligence-Anbieter Jedox. Vor der Übertragung in ein Big-Data-System müssten die Daten standardisiert werden, wofür spezielle ETL-Tools (Extraktion, Transformation, Laden) existieren. Zudem gibt es spezielle Data-Analytics-Software, die ETL-Funktionalität als Bordmittel bereitstellt, womit der Zwischenschritt zur Datenanbindung wegfällt.

Bewährte Internet-Protokolle: TCP/IP und HTTP

Die Notwendigkeit von IoT-Standards spricht kaum ein Experte ab. Denn erst sie stellen sicher, dass sich alle Geräte aller Hersteller miteinander unterhalten und für reibungslosen Datenaustausch sorgen können. Doch auf welchem Stand befindet sich die Standardisierung im IoT-Umfeld aktuell überhaupt? „Generell muss man zwischen ‚dem Internet’ und ‚den Dingen’ unterscheiden“, betont Markus Merder von der Adesso AG, und weiter: „Im Internet basiert bereits vieles auf bewährten Protokollen wie TCP/IP oder HTTP, die teilweise schon seit Jahrzehnten eingesetzt werden.“ Anders sehe es dagegen bei den Dingen aus. Zwar gibt es auch hier verbreitete Protokolle wie Message Queue Telemetry Transport (MQTT), aber diese haben laut Merder noch nicht dieselbe Bedeutung erlangt wie ihre Pendants im Internet.

Eine weitere Standardtechnologie ist altbekannt: So ist laut Urban August Radio Frequency Identification (RFID), wobei Daten aus dem Chip über Funk übertragen werden, eine Schlüsseltechnologie für die Anbindung von Alltagsgegenständen an Netzwerke. Daneben werden Sensoren mittlerweile auch über WLAN, Near Field Communication (NFC), Bluetooth und Zigbee verbunden. Laut dem Marktforschungsunternehmen Navigant Research waren 2012 weltweit knapp 40 Millionen Geräte mit Zigbee ausgestattet; 2020 sollen es bereits über 200 Millionen sein – eine Steigerung um mehr als das Fünffache innerhalb von acht Jahren. „Es werden aber auch ganz neue Wege beschritten: Forscher der University of Washington haben batterielose Sensoren entwickelt, die drahtlos mit anderen Geräten kommunizieren können. Sie nutzen die Abschwächung von Radiowellen als Signalweg. Damit ließe sich das Internet der Dinge erheblich ausweiten“, erläutert August.

Das Problem der fehlenden Interoperabilität ist allseits bekannt. Kein Wunder, dass man unter Hochdruck daran arbeitet, praktikable Wege die Nutzung von IoT einschlagen möchte. So koordiniert beispielsweise Siemens das EU-Projekt „Internet of Things at Work“, das diese neue Flexibilität in der Produktion ermöglichen soll. Außerdem beteiligt sich das Unternehmen im Rahmen von Industrie 4.0 an dem von Wahlster geleiteten BMBF-Projekt „RES-COM“ (Ressourcenschonung durch kontextaktivierte Maschine-zu-Maschine-Kommunikation), das einen schonenden Umgang mit wertvollen Ressourcen wie Energie, Wasser, Luft und Rohstoffen erreichen will. Desweiteren will das in den USA angesiedelte Industrial Internet Consortium (IIC) für international anerkannte Standards zu sorgen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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