Energiekosten, Datenschutz und Konnektivität

Standortfaktoren für das Rechenzentrum

Interview mit Donald Badoux, Geschäftsführer bei dem Colocation-Anbieter Equinix, über wichtige Auswahlfaktoren für den geeigneten Rechenzentrumsstandort, die da wären: Energiekosten, Rechtslage in Sachen Datenschutz und Konnektivität.

Donald Badoux, Equinix

Donald Badoux, Geschäftsführer bei dem Colocation-Anbieter Equinix

IT-DIRECTOR: Herr Badoux, ein Blick in die Praxis: Immer mehr Rechenzentren von Großunternehmen kommen in die Jahre. Wann sollten sich die Verantwortlichen für einen kompletten Neubau entscheiden? Und wann reicht die Modernisierung des Data Center aus?
D. Badoux:
Als Colocation-Dienstleister ist unser Standpunkt natürlich, dass man weder neu bauen, noch modernisieren, sondern in ein von Profis nach aktuellen Standards und Technologien gebauten und bestens gewartetes Rechenzentrum zieht. Dadurch, dass die Senkung des PUEs eines unserer Kernziele ist – im Gegensatz zu Unternehmen, die sich auf ein Rechenzentrum im Eigenbetrieb verlassen – und da bei uns mehrere Unternehmen in einem RZ-Campus versammelt sind, verbessert sich so ganz automatisch der Energieverbrauch und die industrieweite CO2-Bilanz. Es ist ein wenig so, wie wenn keiner mehr Autofahren würde, sondern alle den Bus nehmen, und dass wir dabei alles investieren, damit der Bus kaum mehr Sprit braucht und möglichst wenig Abgase erzeugt.

IT-DIRECTOR: Wie ermittelt man am besten einen passenden Standort für einen Neubau?
D. Badoux:
Die drei entscheidenden Faktoren hier sind Energiekosten, Rechtslage in Sachen Datenschutz und Konnektivität. Der erste Faktor spricht sicherlich gegen, die anderen beiden dafür umso mehr für den Standort Deutschland.

IT-DIRECTOR: Welche Begebenheiten sollten bei der Standortwahl unbedingt berücksichtigt werden?
D. Badoux:
Zusätzlich zu den drei Faktoren Kosten, Datenschutzbestimmungen und Konnektivität spielen die Strominfrastruktur und zusätzliche Regelungen, wie zum Beispiel Bafin, ebenso eine Rolle, wie örtliche Nähe, um große Latenz zu vermeiden.

IT-DIRECTOR: Facebook baute ein Rechenzentrum in Luleå in Nordschweden, der RZ-Betreiber Verne Global bietet seit langem IT-Services aus Island an – warum bevorzugen immer mehr Unternehmen skandinavische Länder als Standort für ihre Rechenzentren?
D. Badoux:
Dies mag für nicht-geschäftskritische Daten eine Option sein, aber für die meisten Unternehmenskunden gilt, dass kritische Applikationen wie ERP-Systeme, Datenbanken oder die Cloud-Infrastruktur bereits aus datenschutzrechtlichen Gründen in Deutschland laufen müssen. Das immer mehr Cloud-Service-Provider, wie etwa Amazon Web Services, extra deshalb eine Präsenz in deutschen Rechenzentren aufbauen, spricht für sich.

IT-DIRECTOR: Zwar fallen die Kosten für die RZ-Klimatisierung im hohen Norden geringer aus als anderswo, doch stattdessen nicht die Heizkosten enorm an? Oder kann die Heizung allein mit der Abwärme der Serverhardware betrieben werden?
D. Badoux:
Wir können nichts zu den Klimatisierungskosten in skandinavischen Ländern sagen, aber moderne Klimatisierungstechnologie wie Aquifer Thermal Energy Storage (ATES) reduziert die Kosten auch anderswo enorm. Und dass Abwärme und im Kühlungsprozess gewonnene Wärme weiterverwendet werden, ist inzwischen weltweit relativ verbreitet. Unser Rechenzentrum in Amsterdam versorgt beispielsweise die gesamte benachbarte Universität mit Warmwasser.

IT-DIRECTOR: Welche Argumente können generell gegen die Etablierung von RZ-Standorten in nordischen Ländern sprechen?
D. Badoux:
Zuerst sind hier die hohen Latenzzeiten sowie die teuren und teilweise unzuverlässigen Netzwerkverbindungen ein großes operatives Problem. Zusätzlich dürfen bestimmte Daten aber auch rein aus regulatorischer Sicht gar nicht außer Landes gelangen, Stichwort Bafin. Und schließlich unterschätzen viele Unternehmen die Reise- und Transportkosten sowie die damit einhergehende Umweltbelastung, die entsteht, wenn man ein Rechenzentrum in solch abgelegenen Gebieten baut, auditieren und instand halten muss.

IT-DIRECTOR: Kritiker verweisen auf die teilweise unzureichenden Infrastrukturen in nordischen Ländern – wie kann man dennoch für hohe Performance und geringe Latenzzeiten bei der Datenübertragung sorgen?
D. Badoux:
Salopp gesagt: Für die geringen Latenzzeiten, die für Applikationen wie CRM, ERP oder im Finanzbereich benötigt werden, können die nordischen Länder gar nicht sorgen. Die Gesetze der Physik gelten überall, und auch die Skandinavier können Daten nicht schneller als das Licht versenden.

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