Im Gespräch mit Tim Henneveld, Tim AG

Starkes Fundament für die Cloud

Interview mit Tim Henneveld, Vorstand bei der Tim AG in Wiesbaden, über (hyper-)konvergente Infrastrukturen, moderne Backup-Szenarien und die Rolle der Value-Added-Distribution im Data-Center-Umfeld

  • Tim Henneveld, Tim AG

    „Wir sind überzeugt, dass sich Hyperkonvergenz auf lange Sicht in den Rechenzentren hiesiger Anwenderunternehmen durchsetzen wird“, so Tim Henneveld, Tim AG.

  • Tim Henneveld, Tim AG

    Tim Henneveld, Tim AG: „Im Rahmen einer Kooperation mit DARZ bieten wir seit kurzem Cloud-Services über unsere IT-Distributionskanäle an.“

  • Tim Henneveld, Tim AG

    „Seine IT-Infrastrukturen sollte man nicht vernachlässigen, da sie eine wichtige Grundlage für das Internet der Dinge, Cloud Computing und Big-Data-Analysen darstellen“, sagt Tim Henneveld, Tim AG.

  • Tim Henneveld, Tim AG

    Tim Henneveld, Tim AG: „Egal, ob Flash oder Hyperkonvergenz – die Anforderungen an Backup und Sicherheit ergeben sich aus den zugrundeliegenden Daten und nicht aus den genutzten Speichermedien.“

Seit ihren Anfängen im Jahr 1985 ist die Tim AG auf die Storage-Distribution spezialisiert. Über die Jahre hinweg hat das nach wie vor familiengeführte Unternehmen weitere IT-Disziplinen für sich entdeckt. „Im Zuge der Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre haben wir unsere Strategie stets entsprechend ausgerichtet. Während wir uns früher ausschließlich auf den Backup- und Speicherbereich konzentrierten, bedienen wir mittlerweile sämtliche Themen rund um IT- und Rechenzentrumsinfrastrukturen“, betont Tim Henneveld im Gespräch mit IT-DIRECTOR.

Derzeit beschäftigt man am Hauptsitz in Wiesbaden sowie an den Standorten in Wien und Zug (Schweiz) rund 160 Mitarbeiter, die wiederum ca. 800 Systemhäuser, Reseller und IT-Dienstleister betreuen. „Dabei leben wir langfristige und intensive Partnerschaften“, so Henneveld. In diesem Zusammenhang positioniert man sich nicht nur als bloßer Hardware und Software-Lieferant, sondern bietet darüber hinaus zusätzliche Services und Ausbildungsmaßnahmen an.

IT-DIRECTOR: Herr Henneveld, Cloud Computing und software-definierte Rechenzentren beherrschen derzeit die Diskussionen im Infrastrukturbereich. Wie wirkt sich die Verbreitung solcher Technologien auf Ihr Geschäftsmodell aus?
T. Henneveld:
Generell hat sich die Basis unseres Geschäftsmodells nicht verändert, allerdings stellen wir uns kontinuierlich auf neue Technologien und Anforderungen ein. Denn Infrastrukturtechnologien entwickeln sich kontinuierlich weiter, so zählen beispielsweise Flash-Speicher, Hyperkonvergenz und Konvergenz zu den letzten Errungenschaften.

IT-DIRECTOR: Was macht die traditionelle Basis Ihres Geschäftsmodells aus?
T. Henneveld:
Wir fungieren als wichtiges Bindeglied zwischen Speicher- bzw. Infrastrukturanbietern sowie Softwareherstellern und unseren Partnern. Dabei nehmen wir die Produkte und Technologien der Hersteller, reichern sie mit unserem Know-how, unseren Services sowie unserem Support an und geben sie anschließend an die Partner weiter. Parallel dazu bilden wir deren Mitarbeiter im Hinblick auf aktuelle Technologien aus und halten ihnen so den Rücken für das tägliche Projektgeschäft frei. Damit garantieren wir, dass unsere Partner stets über neueste Produkte und Entwicklungen der Hersteller informiert bleiben.

IT-DIRECTOR: Was steckt hinter (hyper-)konvergenten Infrastrukturen?
T. Henneveld:
Dieser ganzheitliche Architekturansatz bündelt mehrere Ebenen – neudeutsch Layer – im Rechenzentrum in einer Appliance, darunter Storage-, Netzwerk-, Server- und Virtualisierungsressourcen. Dabei sorgen konvergente Systeme für das Zusammenspiel der Komponenten in solchen Appliances, indem deren Management-Software die volle Kontrolle über alle Layer ausübt.

Hyperkonvergente Systeme sind ganzheitliche Appliances eines Herstellers, bei denen einzig die Managementsoftware im Mittelpunkt steht, die die volle Kontrolle über alle Layer ausübt. Der Vorteil solcher Systeme liegt darin, dass man nicht für jede Infrastrukturebene eigene Lösungen anschaffen muss. Vielmehr lassen sich dank integrierter Systeme einerseits Kompatibilitätsprobleme vermeiden und andererseits das IT-Management vereinfachen sowie automatisieren. Nötige Erweiterungen werden einfach durch Hinzunahme weiterer Knoten realisiert. Damit wird IT agiler und kann Kundenanforderungen  schneller bedienen.

IT-DIRECTOR: Wie schnell kann man hyperkonvergente Systeme nutzen?
T. Henneveld:
Tatsächlich stellen solche Appliances innerhalb von 60 Minuten Enterprise-Applikationen betriebsbereit zur Verfügung. Zuvor sollten sich die Kunden jedoch überlegen, ob (hyper-)konvergente Lösungen zu den eigenen Anforderungen passen. Ein Beispiel: Nutzt man eine ressourcenhungrige Datenbank mit hohen I/O-Anforderungen, sollte man zunächst überprüfen, ob Hyperkonvergenzlösungen die benötigte Performance liefern können. Um mehr Leistung zu gewinnen, könnte man die Appliances skalieren, indem man im Bedarfsfall mehrere davon aneinanderreiht und über entsprechende Knoten miteinander verknüpft.

IT-DIRECTOR: Welche Speicherfunktionen sind bei hyperkonvergenten Systemen inbegriffen?
T. Henneveld:
Sie decken in der Regel die klassischen Anforderungen an Enterprise Storage ab, etwa Deduplizierung, Komprimierung, Datenklonen, etc. Zudem lassen sich Public Cloud-Ressourcen nahtlos einbinden. Durch die Verteilung von Knoten an mehrere Standorte und Replikation können sich Unternehmen außerdem gegen Disaster-Szenarien schützen.

IT-DIRECTOR: Mit der Verbreitung von Cloud Computing veränderte sich zuletzt auch der Markt für IT-Infrastrukturen. Wie wirkt sich dies auf Ihr Angebot aus?
T. Henneveld:
Auf verschiedene Weise: So bieten immer mehr unserer Partnerunternehmen eigene Cloud-Services an, wobei sie die dafür benötigten Infrastrukturen teilweise selbst aufbauen. Die für ihren eigenen Cloud-Betrieb benötigten Systeme kaufen sie weiterhin über den Distributionskanal ein. Und generell können sie mit den von uns angebotenen Produkten Cloud-Lösungen bei ihren Endkunden implementieren.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind Sie selbst als Cloud-Anbieter aktiv?
T. Henneveld:
Wir beschäftigen uns natürlich seit längerem mit der Frage, wie wir uns im Cloud-Markt positionieren können. Dabei war schnell klar, dass wir keine eigenen Cloud-Rechenzentren betreiben wollen. Denn damit würden wir in Konkurrenz zu unseren Partner treten. Stattdessen arbeiten wir seit Mai 2016 mit dem Cloud-Service-Provider DARZ GmbH, kurz für Darmstadt Rechenzentrum, zusammen. Im Rahmen der Kooperation bieten wir nun den Bezug von Cloud-Services über unsere IT-Distributionskanäle an.

Der Vorteil für die Partner: Handelt es sich um Systemhäuser, die selbst keine eigenen Cloud-Infrastrukturen aufbauen können oder wollen, können sie über uns DARZ-Services beziehen, die sie selbst wiederum ihren Endkunden bereitstellen können. Dabei tritt auch das DARZ nicht als Konkurrent zu unseren Partnern auf, da es seine Services ausschließlich über Partner anbietet.

IT-DIRECTOR: Wie sichtig sind dabei Themen wie Sicherheit und Datenschutz?
T. Henneveld:
Da sich der Rechenzentrumsstandort in Hessen befindet, bleiben die Daten innerhalb der Bundesrepublik. Zudem entspricht das DARZ hohen Sicherheits- und Hochverfügbarkeitsstandards, u.a. durch die direkte, kreuzungsfreie und redundante Anbindung an den Frankfurter Internet-Knoten DE-CIX. Desweiteren bieten die Darmstädter Colocation, Private Cloud und den Betrieb von Public-Cloud-Services wie z.B. Amazon Web Services oder Microsoft Azure an. NetApp-Technologie macht die vollständige Datenmobilität zwischen diesen Bereichen möglich. Damit entsteht eine echte hybride Cloud.

IT-DIRECTOR: Zählt man DARZ hinzu – mit wie vielen Herstellern arbeiten Sie derzeit zusammen?
T. Henneveld:
Mittlerweile bieten wir Produkte und Services von fünfzehn Herstellern für Rechenzentrumsprodukte an. Manche davon konzentrieren sich ausschließlich auf bestimmte Themen, wie etwa Nutanix als ausgewiesener Spezialist für Hyperkonvergenz. Andere hingegen bieten Lösungen für Software defined Networks (SDN) oder konzentrieren sich allein auf Speicherthemen. Zu den größten Herstellern, mit denen wir zusammenarbeiten, gehören Dell, EMC, Netapp und Veritas.

IT-DIRECTOR: Mit welchen weiteren Herstellern arbeiten Sie in Sachen Hyperkonvergenz zusammen?
T. Henneveld:
Neben Nutanix und Dell bietet vor allem EMC mit VxRail Hyperkonvergenz-Technologie und mit Vblock schon seit längerem, eine Konvergenzlösung an. Auch NetApp hat mit FlexPod eine etablierte Refernzarchitektur im Programm. Allerdings wird sich der Übergang zu hyperkonvergenten Infrastrukturen in den Rechenzentren eher langfristig vollziehen. Denn kaum ein Endkunde wird seine IT-Infrastrukturen von heute auf morgen komplett austauschen, da Modernisierungsprojekte zumeist mit finanziellen und personellen Aufwänden verbunden sind.

IT-DIRECTOR: Inwieweit etablieren sich neben konvergenten Infrastrukturen neue Speichermedien wie Flash-Speicher oder SSDs?
T. Henneveld:
Aus unserer Sicht werden SSDs über kurz oder lang die drehenden Plattenspeicher als Primärspeicher ablösen. Zudem bemerken wir eine steigende Nachfrage nach Flash-Lösungen, die zwar noch immer teurer sind, deren Preise jedoch auf Dauer sicherlich weiter fallen werden. Da gleichzeitig die Anforderungen an Latenzzeiten und Performance stark zunehmen, werden ältere Technologien mit der Zeit sicherlich abgelöst werden. Bis dahin gestaltet sich die Speicherwelt allerdings sehr heterogen mit großer Vielfalt.

IT-DIRECTOR: Sie sprechen davon, dass Kunden nach wie vor besondere Anforderungen an ihre IT-Infrastrukturen haben. Andere Stimmen hingegen behaupten, IT-Infrastrukturen wären längst „Commodity“. Wie passt das zusammen?
T. Henneveld:
Allein Start-ups können ihre IT auf der grünen Wiese aufbauen und Infrastrukturen „aus der Steckdose“ beziehen. Bei größeren Unternehmen wird man hingegen immer auf gewachsene Architekturen und damit auf besondere Anforderungen treffen. Dabei sollten sie ihre IT-Infrastrukturen auch in Zukunft nicht vernachlässigen, da diese eine wichtige Grundlage für das Internet der Dinge, Cloud Computing und Big-Data-Analysen darstellen.

IT-DIRECTOR: Wie erwähnt arbeiten Sie mit dem Hersteller EMC zusammen, der vergangenes Jahr von Dell übernommen wurde. Inwiefern hat die Übernahme Ihre Kooperation beeinflusst?
T. Henneveld:
Bislang hat sich in unserer Zusammenarbeit mit EMC nichts verändert. Allerdings fragen die Partner mitunter nach, wie es mit dem Angebot beider Hersteller weitergehen wird. Da wir seit Jahren auch Produkte von Dell anbieten, kennen wir die Lösungen und Prozesse beider Firmen sehr gut und können den Partnern notwendiges Know-how vermitteln,

IT-DIRECTOR: Wie kam die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Dell zustande?
T. Henneveld:
Während wir uns zu Beginn unserer Geschäftstätigkeit vorrangig auf das Backup-Umfeld konzentrierten, geriet im Laufe der Zeit der gesamte Speicherbereich in unseren Fokus. Da in der jüngsten Vergangenheit sämtliche Aspekte rund um das Infrastruktur- und damit Rechenzentrumsmanagement – inklusive Netzwerk und Server –immer weiter verschmelzen, haben wir unsere Expertise entsprechend erweitert. Im Zuge dessen arbeiten wir herstellerseitig nicht mehr nur mit ausgewiesenen Speicheranbietern, sondern auch mit Data-Center-Experten wie Dell zusammen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Inwieweit gibt es hinsichtlich der Produkte beider Hersteller Überschneidungen?
T. Henneveld:
Überschneidungen finden sich im Storageportfolio. Die meisten Themen sind jedoch ergänzend zu sehen. Während Dell u.a. einer der führenden Anbieter im Server- und Netzwerk-Umfeld ist, bringt EMC innovative Technologien zur Umsetzung sicherer, hybrider Cloud-Architekturen in die Familie ein.

IT-DIRECTOR: Sehen Sie generell einen Trend zur Konsolidierung im Speichermarkt?
T. Henneveld:
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Übernahmen, wenn auch zum Teil kleinere. Der größte Clou war die EMC-Übernahme durch Dell im vergangenen Jahr. Generell bemerken wir die Tendenz, dass sich Hardware-Hersteller immer mehr zu Komplettanbietern entwickeln. Andererseits aber haben wir auch mit Spezialisten für Speicher- und Datenmanagement wie z.B. mit Netapp langjährigen Erfolg, der sich durch Innovationen wie wir sie im DARZ kennenlernen fortsetzen wird.

IT-DIRECTOR: Inwiefern haben sich die Nachbardisziplinen von Storage, wie Backup und IT-Sicherheit, zuletzt verändert?
T. Henneveld:
Hinsichtlich der aktuell verbreiteten Technologien bemerken wir kaum Veränderungen: Denn egal, ob Flash-Speicher oder hyperkonvergentes System – die Anforderungen an Backup und Sicherheit ergeben sich aus den zugrundeliegenden Daten und nicht aufgrund der genutzten Speichermedien. So geben Datenbanken, Patientenakten oder Archivdaten jeweils unterschiedliche Backup-Maßnahmen, Sicherheitsrichtlinien oder Aufbewahrungsfristen vor.

IT-DIRECTOR: Apropos Backup – inwiefern nutzen Unternehmen heutzutage noch Tape für ihre Backup-Szenarien?
T. Henneveld:
Magnetbänder werden seit Jahren totgesagt, sind in der Praxis jedoch noch in vielen Unternehmen im Einsatz. Denn einerseits handelt es sich um günstige Backup- und Archivmedien und andererseits gibt es nach wie vor Anbieter wie Quantum oder Overland Storage, die die Tape-Technologie weiterentwickeln und Tape Libraries mit hoher Performance anbieten.

IT-DIRECTOR: Welche Firmen fragen Magnetbänder konkret nach?
T. Henneveld:
Firmen jeglicher Branchen, vom Mittelständler bis hin zum Großunternehmen. Wichtig ist dabei, dass die Verantwortlichen zunächst ermitteln, welche Backup-Szenarien ihren Anforderungen entsprechen. Anschließend geht es um die geeignete Backup-Strategie und erst im letzten Schritt um den Einsatz passender Technologien.


Tim Henneveld
Alter:
38 Jahre
Werdegang:
Ausbildung zum Hotelfachmann, BWL-Studium, anschließend Wechsel zur KfW Bank in Frankfurt; seit 2009 bei der Tim AG in verschiedenen Positionen.
Derzeitige Position:
Vorstand und Sohn des Firmengründers der Tim AG


Bildquelle: Roger Richter

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