Home Office

Strategie für die Langstrecke

Das Home Office wird in vielen Unternehmen von der temporären Behelfslösung zur dauerhaften Strategie. Das erfordert von CIOs und IT-Verantwortlichen neue Ansätze.

Strategie für die Langstrecke

Keine Rückkehr zur Normalität in Sicht: Die anhaltende Krise wird die Arbeitswelt nachhaltig verändern.

Kein Ereignis der jüngeren Geschichte hat unsere Wirtschaft, unsere Kultur und unseren Umgang miteinander so beeinflusst wie die Corona-Pandemie. Nahezu ohne Vorwarnung waren viele Unternehmen gezwungen, ihr Geschäftsmodell von heute auf morgen umzustellen. Die erste Maßnahme bestand darin, einen möglichst großen Teil der Belegschaft ins Home Office zu schicken. Dazu musste die benötigte Online-Anbindung kurzfristig gewährleistet werden.

Die allgemeine Annahme war zwar, dass dies nur eine vorübergehende Veränderung sein würde, aber inzwischen sind Monate vergangen und alles deutet darauf hin, dass viele von uns auch weiterhin wenigstens teilweise von zu Hause aus arbeiten werden. Ein Bericht hat festgestellt, dass 44 Prozent aller Beschäftigten in den USA derzeit mindestens an fünf Tagen pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten (17 Prozentpunkte mehr als vor der Pandemie), und bis zu 30 Prozent werden das auch 2021 in irgendeiner Weise tun.

Viele Unternehmen haben im Frühjahr festgestellt, dass Remote-Arbeit tatsächlich funktioniert. Dennoch stellt man sich in den Vorstandsetagen die Frage, ob eine virtuelle Belegschaft nachhaltig ist. Dell, Facebook und Twitter gehören zur wachsenden Zahl von Unternehmen, die sich entschieden haben, ihre Belegschaft auch dann ganz oder teilweise zu Hause zu lassen, wenn sich die Situation wieder normalisiert. Gleichzeitig ist einigen Unternehmen sehr daran gelegen, wieder zum Präsenzmodus zurückzukehren, entweder weil sie müssen (z. B. in der Produktion), oder weil das der Unternehmenskultur, der Kreativität und der Zusammenarbeit dient. 

Die befürchtete „zweite Welle“ der Pandemie zwingt Führungsriegen, die Auswirkungen ihrer Pläne in den Blick zu nehmen. Ebenso müssen sie bedenken, wie sie auch in Zukunft innovationsfreundlich arbeiten, Aktivitäten an der Unternehmensstrategie ausrichten und das Unternehmen in die Lage versetzen, mit einer raschen Kursänderung auf neue Chancen und plötzlich geänderte Bedingungen zu reagieren, und zwar unabhängig davon, wo die Angestellten arbeiten. Wer sich schnell an unvorhergesehene Umstände anpassen kann, hat bessere Chancen, die Krise nicht nur zu überstehen, sondern daran auch noch zu wachsen.

Neue Denkweisen erforderlich

Der Umstieg auf eine virtuelle Arbeitsweise stellt Unternehmen vor viele Herausforderungen. Da sind zum Beispiel technische Fragen an die CIOs: Welche Möglichkeiten, welche Ausstattung und welche Rechte benötigt eine hybride Belegschaft, um auch in Zeiten einer Pandemie nicht nur produktiv zu arbeiten, sondern auch Innovation und Wachstum voranzutreiben? Das geht über die Aufrechterhaltung des Regelbetriebs hinaus. Eine virtuelle Arbeitsweise erfordert Umdenken: Die Frage ist nicht nur, welche Arbeit überhaupt virtuell möglich ist, sondern wie sie in einer verteilten Umgebung mit verteilten Teams erledigt werden kann.

CIOs haben jetzt die Chance, die Umsetzung ihrer Strategie zu beschleunigen, um die Unternehmensziele voranzutreiben. Sie sind in der Lage, die geschäftliche und die technische Planung zusammenzuführen, Ressourcen zu optimieren und die Umsetzung zukunftsweisender Produkte und Services zu beschleunigen. All das hilft dem Unternehmen, Kundenerwartungen zu erfüllen oder sogar vorwegzunehmen. Das ist keine einfache Aufgabe, erst recht nicht mit so wenig Vorlauf. Aber sie ist machbar und kann mit den richtigen Technologien und Arbeitsweisen sogar spannend sein.

Prioritäten richtig setzen

Die Rolle der CIOs hat sich verändert. Sie leisten nicht mehr bloß hinter den Kulissen Support für die Infrastruktur, was allzu oft als reiner Kostenfaktor betrachtet wurde, sondern tragen an vorderster Front wesentlich zur Anpassung des Unternehmens an die neuen Gegebenheiten und zum Geschäftswachstum bei – wie es die Initiativen der Führungsriege vorsehen. Für die Geschäftsführung kommt es darauf an, dass Aktivitäten entsprechend der Unternehmensstrategie priorisiert werden, dass Ressourcen (Menschen, Budget, Technologie) optimal eingesetzt werden und dass unternehmensweit ein innovationsfreundliches Klima herrscht. Doch selbst wenn alle diese Punkte erfüllt sind, bleibt immer noch der menschliche Faktor. Das Mitarbeiterengagement auch in einer virtuellen oder hybriden Umgebung aufrechtzuerhalten, wird derzeit für CEOs und CIOs zur Top-Priorität: Nur wenn die gesamte Belegschaft mitzieht, können sich Produktivität und Innovation wirklich entfalten.

Nun ist es allerdings so, dass nicht alle Menschen mit einer virtuellen Arbeitsumgebung klarkommen, und nicht alle Aufgaben lassen sich aus der Ferne erledigen. Für CIOs und IT-Führungskräfte kommt es also darauf an, eine Infrastruktur zu schaffen, die alle Arten von Arbeit und Arbeitsumgebungen unterstützt. Die nicht nur die reine Produktivität aufrechterhält, sondern Engagement, Zusammenarbeit, Kreativität und Innovation fördert. Um für Agilität im Unternehmen zu sorgen, braucht es ganz unterschiedliche Arbeitsmethoden, Arbeitsbereiche zur virtuellen Zusammenarbeit und die Unterstützung durch iterative Planung.

Virtuelle und hybride Belegschaften verlangen einen lückenlosen Überblick über Aufgaben, Teams und Capabilitys. Für CIOs bietet sich darin die Chance, ihr Unternehmen mit Technologien auszustatten, die Transparenz schaffen und ihnen die Informationen liefern, die sie als Grundlage für fundiertere, strategische und kühne Entscheidungen benötigen.

Für maximale Unternehmensleistung und eine souveräne Leitung der virtuellen Belegschaft benötigt die Geschäftsführung aussagekräftige Berichte, Analysen und Dashboards. Sie braucht maßgeschneiderte strategische Roadmaps, denen sie mit einem Blick entnehmen, ob die richtigen Ressourcen zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Aufgaben arbeiten. Niemand möchte im Blindflug unterwegs sein, erst recht nicht, wenn sich die Bedingungen fortlaufend wandeln. CIOs sind in der Lage, die passenden Mittel bereitzustellen, die Menschen und Aufgaben auf der Roadmap voranbringen, und die Belegschaft mit Technologien auszustatten, die dafür sorgen, dass alle dieselbe Richtung einschlagen.

Technologien für eine hybride Belegschaft

Die meisten Menschen denken beim Stichwort „virtuelles Arbeiten“ zuerst an die Kommunikation. Diesen Aspekt decken Zoom, Microsoft Teams und ähnliche Plattformen ab. Diese Technologien sind zwar wichtig, aber nicht ausreichend. Es gibt andere Softwarelösungen, mit denen Führungskräfte die Produktivität ihrer Teams überwachen können, aber diese liefern ihnen nicht die Transparenz und die Gewissheit, dass ihre Teams an Aufgaben arbeiten, die der Unternehmensstrategie entsprechen. Die größte Angst der Geschäftsführung ist, dass die Belegschaft zwar produktiv arbeitet und kommuniziert – aber in den falschen Projekten.

Zu wissen, ob die Angestellten arbeiten, ist eine Sache. Aber ob man weiß, wer an was arbeitet, ob diese Arbeit zu strategischen Initiativen beiträgt und ob alle Ressourcen optimal eingesetzt werden, ist etwas ganz anderes. Diese Transparenz erhält man nur mit integrierter Cloud-Software, die genau die Einblicke liefert, die Gespräche anregen und zu fundierten Entscheidungen beitragen. CIOs müssen daher in mindestens diese drei Bereiche investieren:

  • Projekt-/Portfoliomanagement zum Optimieren von Projektportfolios, zum Austarieren von Kapazität und Bedarf sowie zum Verknüpfen von Plänen und Ressourcen mit Projektumsetzung und Strategie.
  • Unternehmensweites Work-Management zur Verbindung der Tools für die Zusammenarbeit mit der Projektmanagement-Software, damit alle Mitglieder verteilter Teams bei der Verwaltung der Gruppenprojekte und bei ihren Alltagsaufgaben auf demselben Stand sind.
  • Innovationsmanagement zur Schaffung eines günstigen Umfelds für innovative Ideen, damit Angestellte im Home Office und vor Ort weiterhin engagiert bleiben.

Wenn diese Lösungen unternehmensweit integriert und standardisiert werden, spielt es keine Rolle mehr, ob die Beschäftigten virtuell angebunden oder vor Ort im Büro sind. Damit haben die Einzelnen ebenso wie Teams alle Tools, um erfolgreich und engagiert zu arbeiten, während CIOs und IT-Führungskräfte die Analysen erhalten, die sie brauchen, um Arbeit und Ressourcen auf einer Linie mit der Unternehmensstrategie zu halten. Und wenn sich Rahmenbedingungen ändern, wovon die Meisten ausgehen, geben ihnen diese Echtzeit-Einblicke die für rasche Umstellungen nötige Flexibilität und Sicherheit.

Wie Menschen in Unternehmen arbeiten, mag heute anders aussehen als noch vor ein paar Monaten, aber ihr Leistungspotenzial ist ungebrochen. Jede neue Herausforderung ist eine Chance zur Selbstüberprüfung und Verbesserung, und damit zu einem widerstandsfähigeren und flexibleren Unternehmen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok