Wie ein wendiges Schnellboot

Strategische Neuausrichtung von Seven Principles

Im Interview gibt Joseph Kronfli, CEO und Vorstand bei dem Kölner IT-Dienstleister ­Seven Principles (7P), einen Einblick in die strategische Neuausrichtung des Unter­nehmens und erläutert, warum man sich nicht zuletzt aufgrund kurzer Entscheidungswege deutlich wendiger aufgestellt sieht als die großen Beratungshäuser.

  • Schnellboot

    Anders als die großen IT-Beratungshäuser soll 7P "wie ein kleines, wendiges Schnellboot" funktionieren.

  • Joseph Kronfli, 7P

    Joseph Kronfli, Seven ­Principles

IT-DIRECTOR: Herr Kronfli, nach Ihrem Einstieg als COO vor gut einem Jahr verfolgen Sie nun seit Ende Januar als CEO und Alleinvorstand das Ziel, das Unternehmen neu zu gestalten. An welchem Punkt stehen Sie im Moment?
J. Kronfli:
Wir haben umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen eingeleitet, in deren Rahmen wir uns u. a. von Unternehmensteilen, die nicht zu unserer Zukunftsstrategie passen,  getrennt haben. Generell verfolgen wir mit dem Programm  „One 7P“ zwei große Vorhaben: Zum einen wollen wir vier unserer Tochterfirmen mit der Muttergesellschaft verschmelzen, sodass wir mit einer Stimme zu den Kunden sprechen können. Zum anderen treiben wir die Restrukturierung in mehreren Teilschritten voran, etwa mit der Reorganisation des Vertriebs, firmenweiten Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen sowie mit einer Erweiterung unserer Kundenlandschaft. Nicht zuletzt rücken wir die Mitarbeiter in den Mittelpunkt.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Verschmelzung der Tochtergesellschaften?
J. Kronfli:
Insgesamt führen wir in Deutschland nahezu alle  Tochtergesellschaften der 7P-Gruppe zusammen, um entsprechende Synergien zu generieren. Aufgrund dessen werden wir künftig nur noch einen Finanzabschluss, eine Vertriebsmannschaft sowie ein Marketing-Team benötigen. Das dann zusammengeschlossene Unternehmen mit knapp 600 Mitarbeitern punktet auch dank seiner schieren Größe, denn insbesondere Großkunden, Behörden und Konzerne vergeben Ausschreibungen eher selten an kleinere IT-Anbieter.

IT-DIRECTOR: Was bedeutet dies für Ihr Service-Spektrum?
J. Kronfli:
Wir haben ein Programm für die Neuausrichtung unseres Portfolios aufgestellt, in dessen Rahmen wir 7P künftig als Premiummarke im IT-Bereich etablieren wollen – und dies nicht nur mit höheren Umsätzen. Vielmehr sehen wir uns in Zukunft als wichtiger Innovationstreiber für die IT-Vorhaben unserer Kunden.

IT-DIRECTOR: Wie sieht die Umgestaltung aus?
J. Kronfli:
Wir besitzen ein klares Bild, wohin die Reise gehen soll. Bisher sah unser Geschäftsmodell vor allem die Bereitstellung von Spezialisten für bestimmte IT-Projekte vor. Darüber hinaus wollen wir künftig nun ganze Themenfelder adressieren. Wir vermitteln nicht mehr nur unsere Experten, sondern realisieren „schlüsselfertige“ Lösungen. Unser Anspruch ist es, komplette Enterprise-Mobility-Lösungen für unsere Kunden zu bauen und diese zu betreiben. Dies können z.B. mobile Vertriebsinformationssysteme, sichere Abrechnungs- und Bezahlsysteme und Anwendungen für TK, die Automobilbranche und Energieversorger sein.

IT-DIRECTOR: Wobei es bei Enterprise Mobility um weit mehr als nur ein paar nette Apps geht ...
J. Kronfli:
Genau, hinter Enterprise Mobility verbergen sich mitunter komplexe, nutzbringende Praxisszenarien. Beispielsweise können Unternehmen die Prozesse ihres Außendienstes auf mobilen Endgeräten abbilden und sich damit von aufwendigen Papierformularen verabschieden.

IT-DIRECTOR: Wie wollen Sie sich von Mitbewerbern wie Accenture, KPMG oder Pwc abgrenzen?
J. Kronfli:
Wir können schneller agieren als die genannten Branchenriesen. Überdies sind unsere Entscheidungswege kürzer, wir können flexibler reagieren und punktgenau den Wünschen der Kunden entsprechen. Anders als die großen Beratungshäuser funktionieren wir wie ein kleines, wendiges Schnellboot.

IT-DIRECTOR: Welche Zielgruppen gehen Sie an?
J. Kronfli:
Neben Großunternehmen wollen wir in Zukunft auch Mittelständler bei ihren IT-Vorhaben unterstützen. Der Hintergrund: Die großen Beratungshäuser übernehmen in der Regel keine „Mini“-Projekte, bei denen es um eine kleinere sechs- oder fünfstellige Summe geht. Aufgrund unserer überschaubaren Größe sehen wir uns an dieser Stelle flexibler und kundennaher aufgestellt. Wir können Mittelständler – wie etwa klassische Automobilzulieferer oder Logistiker – bei ihrer digitalen Transformation begleiten.

IT-DIRECTOR: Wie kann man sich die Digitalisierung in der Logistik vorstellen?
J. Kronfli:
Wie in vielen anderen Branchen können sich auch die Logistikverantwortlichen Vorteile von einer Cloud-Nutzung versprechen. Bei solchen Cloud-Lösungen geht es in erster Linie um GPS-Ortung, die Umfahrung von Staus, günstige Lagerplätze, das Anzeigen billiger Tankstellen sowie um die Vermeidung von Leerfahrten und Stehzeiten.

IT-DIRECTOR: Inwieweit übernehmen Sie neben der Beratung auch die Projektumsetzung?
J. Kronfli:
Beide Bereiche ergänzen sich in innerhalb unserer Service-Palette. Wir arbeiten mit zahlreichen Spezialisten zusammen, die nicht unbedingt nur aus unserem Unternehmen kommen müssen, vielmehr holen wir bei Bedarf auch externe Berater mit ins Boot.

IT-DIRECTOR: Nutzen Sie in diesem Zusammenhang auch Offshore-Kapazitäten?
J. Kronfli:
Speziell hierfür sind wir kürzlich eine strategische Offshore-Partnerschaft mit Pratham Software Inc. eingegangen. Dabei ist das indische Unternehmen nicht nur allein auf dem Subkontinent, sondern auch im kalifornischen Silicon Valley präsent. Damit können wir einerseits bei Bedarf benötigte Fachkräfte einbinden. Andererseits können wir als Innovationstreiber die neuesten Ideen sowie Entwicklungen aus dem Silicon Valley heranziehen.

IT-DIRECTOR: Wie finden Sie hierzulande Fachkräfte?
J. Kronfli:
Im Moment verstärken wir die Zusammenarbeit mit verschiedenen Universitäten. Zudem setzen wir auf die eigene Ausbildung von Experten mit unserer 7P Academy, die wir künftig neu­gestalten werden.

IT-DIRECTOR: Was steckt hinter der Akademie?
J. Kronfli:
Wir haben diese vergangenes Jahr gegründet, um in erster Linie unsere eigenen Mitarbeiter weiterzubilden – vorrangig in unseren strategischen IT-Themen, wie sie in unserem Portfolio definiert sind. Desweiteren schulen wir unsere Experten in Softskills wie Präsentationstechniken, Qualitätsstandards und Methodik. Nun wollen wir einen Schritt weitergehen und bestimmte Themen fokussieren, etwa mit unserer bereits gegründeten „Cloud Academy“, um hochwertige Enterprise-Mobility-Anwendungen schlüsselfertig zur Verfügung stellen zu können.

IT-DIRECTOR: Apropos Cloud-Services – welche Bedeutung hat dieses Bereitstellungsmodell für Ihre Kunden?
J. Kronfli:
Es geht meist nicht um die dahintersteckenden Technologien, d.h. um den Bezug von benötigten CPU-Kapazitäten oder andere RZ-Ressourcen. Vielmehr geht es darum, die eigenen Unternehmensprozesse mit Cloud-Services flexibel zu unterstützen, etwa um die eigene „Time to Market“ zu verbessern oder die Reichweite zu erhöhen. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Private, Public oder Hybrid Cloud genutzt wird; wichtig ist allein der Umstand, auf Knopfdruck Services nutzen zu können, die standardisiert in der Wolke vorgehalten werden.

IT-DIRECTOR: Welche weiteren Themen treiben Ihre Kunden um?
J. Kronfli:
Neben Cloud Computing bemerken wir eine zunehmende Nachfrage nach entsprechendem Fachpersonal aus dem Big-Data-Umfeld. Gesucht werden professionelle „Data Scientists“, die die erforderlichen Algorithmen entwickeln können, um den Verantwortlichen eine passende Entscheidungsgrundlage zu liefern.

IT-DIRECTOR: Wie begegnen Sie dieser Nachfrage?
J. Kronfli:
Wir etablieren gerade spezielle Einheiten für Big Data sowie IT-Sicherheit, denn beide Themen ergänzen sich. Im Rahmen von Big-Data-Strategien geht es insbesondere in der Industrie mit dem „Internet der Dinge“ um die Vernetzung zig verschiedener Komponenten. Hieraus ergeben sich folgende Fragen: Was bringt das Sammeln großer Datenmengen? Wie analysiert man diese Daten? Und was fängt man mit den gewonnenen Erkenntnissen an? Im Prinzip geht es dabei stets um die Monetarisierung von Daten – jedoch ohne dabei die Sicherheitsaspekte zu vernachlässigen.

IT-DIRECTOR: Welche IT-Sicherheitslösungen bieten Sie an?
J. Kronfli:
Generell beraten wir unsere Kunden im Sicherheitsumfeld hersteller- sowie technologieneutral. Überdies können wir in den Projekten allein aus Deutschland oder Europa stammende Sicherheitslösungen nutzen, um etwaigen Spähaktionen ausländischer Geheimdienste einen Riegel vorzuschieben. Bereits heute verfügen wir über ausgewiesene Spezialisten, die nicht nur Audits und Zertifizierungen von Prozessen sowie eingesetzten Technologien vornehmen, sondern darüber hinaus auch Penetrations- und andere Sicherheitstests durchführen können.

IT-DIRECTOR: Warum sind Sicherheitsfragen im Big-Data-Umfeld so wichtig?
J. Kronfli:
Durch die zunehmende Vernetzung sämtlicher Lebensbereiche entstehen immer wieder neue Ökosysteme. Mittlerweile arbeiten Handel und Fluggesellschaften ebenso zusammen wie Versicherer und Automobilhersteller, wobei die im Zuge dieser Partnerschaften gesammelten Nutzerdaten völlig neue Geschäftsmodelle eröffnen. So kann autonomes Fahren künftig entsprechend die Versicherungsprämie senken. Da in diesem Zusammenhang stets auch der Schutz von Privatsphäre sowie Datenschutz von hoher Bedeutung sind, arbeiten wir eng mit Rechtsexperten zusammen.

IT-DIRECTOR: Die Innovationszyklen – nicht nur in der IT-Branche – werden schneller. Inwieweit können Anwenderunternehmen hiermit überhaupt Schritt halten?
J. Kronfli:
Mit unserer Neuausrichtung wollen wir bei unseren Kunden Innovationen vorantreiben. Dabei sprechen wir zumeist mit der obersten Management-Ebene, vorrangig mit dem CEO, CFO oder Chief Digital Officer (CDO). Letzterer beschäftigt sich mit dem Daten-Management und folgender zentralen Frage: Was bedeuten Big-Data-Analysen für das eigene Geschäftsmodell? Hier ist es wichtig, schnell eine Antwort zu finden. Denn vernachlässigen Unternehmen die Digitalisierung bzw. ihre digitale Transformation, sind sie vielleicht  schnell  von ihrem Wettbewerb überholt.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns abschließend ein aktuelles Projekt skizzieren?
J. Kronfli:
Erst kürzlich waren wir an einem Projekt beteiligt, in dessen Rahmen ein Großkonzern mit der Virtualisierung seiner IT-Infrastrukturen rund 30 Prozent der Energiekosten einsparen konnte. Ursprünglich wurde eine Kostenreduktion von rund zehn Prozent erwartet; gemeinsam mit dem Kunden konnten wir diesen Wert nun sogar verdreifachen. Der eigentliche Vorteil lag dabei für den Kunden an der globalen Erweiterung seiner Reichweite sowie einer kürzeren „Time to Market“ und damit einer schnelleren Platzierung seines Angebotes auf dem Markt. Durch Schnellzugriffe auf bestehende Services in der Cloud konnte er Neuentwicklungen von internen Lösungen reduzieren.

IT-DIRECTOR: Welchen Part haben Sie im Projekt über­nommen?
J. Kronfli:
Wir haben die Beratung hinsichtlich der Konzeption der IT-Architektur übernommen sowie bei der Dimensionierung der neuen Umgebung unterstützt. Darüber hinaus haben wir den Kunden bei der Auswahl der Technologien beraten und ihn bei der Implementierung entlastet. Nun wollen wir die kompletten Systeme und Prozesse für ihn regeln, damit er sich um sein Kerngeschäft kümmern kann.

Bildquelle Boot: Thinkstock/iStock

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