Erneuerbare Energiequellen: Interview mit Donald Badoux, Equinix

Strom aus 100 Prozent Wasserkraft

Deutschlandweit nutzen etwa fünf Prozent der Rechenzentren regenerative Energiequellen, schätzt Donald Badoux, General Manager Equinix Deutschland. Im Interview erläutert er, warum es derzeit noch an einer geeigneten Speichertechnologie fehlt.

Donald Badoux, General Manager Equinix Deutschland

IT-DIRECTOR: Herr Badoux, „Green IT“ ist auf dem Vormarsch, auch und vor allem in Rechenzentren. In welchen Bereichen der Rechenzentren lässt sich generell am meisten Energie einsparen und welche Bereiche sind im Gegensatz dazu gar nicht von Einsparungen betroffen?
D. Badoux:
Optimierungspotential besteht bei der Kühlung (Optimierte Luftführung, Kalt- und Warmgangkonzept, effiziente Kälteerzeugung mit Nutzung von freier Kühlung) und der unterbrechungsfreien Stromversorgung (Einsatz von Systemen mit Wirkungsgrad > 95 Prozent). Auf Seiten der IT-Hardware ist Konsolidierung und Virtualisierung unverzichtbar.

Als klassischer Rechenzentrumsdienstleister im Bereich Collocation hat man aber natürlich keinen Einfluss auf die vom Kunden eingesetzte Technik, hier sind uns also die Hände gebunden – insofern könnten wir beispielsweise auch nie mit einem „Blauen Engel“ zertifiziert werden.

IT-DIRECTOR: Um wie viel Prozent lässt sich tendenziell Energie in einem optimierten Rechenzentrum einsparen?
D. Badoux:
Der Energieverbrauch lässt sich durch entsprechende Maßnahmen realistisch um 40-60 Prozent reduzieren.

IT-DIRECTOR: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn ein neues, energieeffizientes Rechenzentrum gebaut wird? Welches sind die wichtigsten Schritte bei einem geplanten Umbau?
D. Badoux:
Hier sind zwei wichtige Maßnahmenbereiche zu unterscheiden: Einerseits gilt es den richtigen Standort zu finden, im Optimalfall in kaltem, aber stabilem Klima und mit hoher Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien. Zum anderen gilt es natürlich auf aktuelle Bau- und Gerätetechnik zu setzen, um den Nutzungsgrad der Anlagen zu erhöhen und die Energieeffizienz zu steigern.

IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energie für den Betrieb ihres Data Center?
D. Badoux:
Deutschlandweit liegen wir hier geschätzt bei circa fünf Prozent; Equinix bezieht seinen Strom aber zu 100 Prozent aus Wasserkraft, d.h. wir betreiben unsere Rechenzentren in Deutschland zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Zudem haben wir innovative Energieversorgungskonzepte wie beispielsweise Brennstoffzellentechnologie als Pilotprojekte realisiert.
 
IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen garantieren dem Endanwender, dass die genutzten RZ-Services aus einem energieeffizienten Rechenzentrum stammen?
D. Badoux:
Da gibt es einige: das Grünstromzertifikat auf Strombezugsebene, Zertifizierungen nach Energiemanagement DIN EN ISO 50001 (EU-Code of Conduct on Data Centres); EN16001 „Energy Management Systems with EMAS III; Green-IT-Zertifizierung, TÜV-Zertifizierung, Blauer Engel, zukünftig eventuell auch die DIN EN 506001-1 (speziell für Rechenzentren) – Bauausführung, Stromversorgung, Kühlung etc.

IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz im Rechenzentrum sorgen?
D. Badoux:
Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Etablierung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesse der Energieeffizienz. Hinzu kommt aber neben dem Einsatz moderner Technik auch immer der Faktor „Mensch“: Die Schulung und Sensibilisierung von Mitarbeitern nimmt bei uns eine zentrale Rolle ein.

IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum, welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf? Welchen Wert streben Sie künftig an?
D. Badoux:
Der PUE-Wert ist nicht unbedingt ein aussagekräftiges Kriterium. Bei dieser Methode fehlt eine adäquate Möglichkeit zur Vergleichbarkeit, da viele Faktoren nicht beachtet werden – wie beispielsweise das vorherrschende Klima oder das Baujahr des Rechenzentrums.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums gewährleisten? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
D. Badoux:
Ein wichtiger Faktor hierbei ist die Redundanz von Strom und Kälte – dabei kann sich kein Rechenzentrumsbetreiber Einsparungen erlauben. Natürlich ist es auch wichtig, dass der Einsatz von modernen Systemen mit hohem Wirkungsgrad sichergestellt ist, damit sich Sicherheit und Energieeffizient nicht widersprechen.

IT-DIRECTOR: Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?
D. Badoux:
Bei optimaler Auslegung der Anlagen und Systeme entsteht kein Widerspruch. Die Stromspeichermöglichkeiten müssen aber in Deutschland noch deutlich verbessert werden. Dies betrifft sowohl die Speichertechnologie als auch das Speichervolumen.


©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok