Energieeffizientes Rechenzentrum: Interview mit Rudi Hey, Bundesagentur für Arbeit

Stromfresser Klimatisierung

Rudi Hey, Leiter des Geschäftsführungsbereichs IT-Anwenderservice im IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit, beschreibt im Interview, wie des den Verantwortlichen gelungen ist, den Energieverbrauch in großem Maße zu verringern.

Rudi Hey, Leiter des Geschäftsführungsbereichs IT-Anwenderservice im IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit

IT-DIRECTOR: Herr Hey, „Green IT“ ist auf dem Vormarsch, auch und vor allem in Rechenzentren. In welchen Bereichen der Rechenzentren lässt sich generell am meisten Energie einsparen und welche Bereiche sind im Gegensatz dazu gar nicht von Einsparungen betroffen?
R. Hey:
Am meisten Energie lässt sich im Bereich Klimatisierung und energieeffiziente Hardware sparen.

IT-DIRECTOR: Um wie viel Prozent lässt sich tendenziell Energie in einem optimierten Rechenzentrum einsparen?
R. Hey:
Dabei handelt es sich um einen Schätzwert – je nach Ausgangslage bis zu 50 Prozent

IT-DIRECTOR: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn ein neues, energieeffizientes  Rechenzentrum gebaut wird? Welches sind die wichtigsten Schritte bei einem geplanten Umbau?
R. Hey:
Neben der genauen Ermittlung des Bedarfs an RZ-Ressourcen (Klimatisierung, Energieversorgung und Fläche) unter Berücksichtigung der jeweiligen Verfügbarkeitsanforderung muss sichergestellt sein, dass permanente Messungen des tatsächlichen Verbrauchs – getrennt nach Basisinfrastruktur (wie Klimaanlagen und USV) und nach IT-Komponenten – erfolgen. Bei der Umsetzung ist auf eine bedarfsgerechte Einsatz von ausschließlich energieeffizienten Komponenten (z.B. Einsatz freier Kühlung, USV-Systeme mit einem sehr hohen Wirkungsgrad auch im Teillastbetrieb) zu achten.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Kosten sind Umbauarbeiten verbunden?
R. Hey:
Das hängt von vielen Faktoren wie Größe des Rechenzentrums, Verfügbarkeits- und Sicherheitsanforderungen, betriebene Anwendungen, technische Ausstattung etc. ab und kann nicht pauschal beantwortet werden.

IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen garantieren dem Endanwender, dass die genutzten RZ-Services aus einem energieeffizienten Rechenzentrum stammen?
R. Hey:
Aktuell in Deutschland der Blaue Engel des Umweltbundesamtes.

IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz in Ihrem Rechenzentrum sorgen?
R. Hey:

  • Separater Betrieb von Raum- und Rack-gekühlten RZ-Zellen
  • Bei Raumkühlung: Konsequente Trennung von kalter und warmer Luft
  • Einsatz innovativer Klimatechnologien (Dampfabsorption, freie Kühlung, Erhöhung der RZ-Temperatur)
  • Einsatz modularer Systeme
  • Optimierung des Auslastungsgrades der Hardware und des RZ (CADE)
  • Virtualisierung
  • „Intelligentes“ Lifecyclemanagement (Alter vs. Energieerbrauch und Leistung)
  • permanente Überwachung

IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum, welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf? Welchen Wert streben Sie künftig an?
R. Hey:
Aktuell haben wir einen Durchschnittswert über alle Standorte von 1,92. Unser Spitzenwert liegt bei 1,5 für einen der beiden Produktionsstandorte

IT-DIRECTOR: Wie viel Energie konnten Sie mit Ihren Maßnahmen in den letzten beiden Jahren einsparen?
R. Hey:
Es ist der IT der BA in den letzten beiden Jahren gelungen, trotz weiterer Zentralisierung der IT-Verfahren an den zentralen RZ-Standorten den Energieverbrauch um weitere 1,5 GW/h zu senken. Wären die beschriebenen Maßnahmen nicht umgesetzt worden, hätte sich der Energieverbrauch aller zentralen Rechenzentren im Gegensatz dazu pro Jahr um 6,5 GW/h erhöht.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums gewährleisten? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
R. Hey:

  • Festlegung des Verfügbarkeitsbedarfes auf Basis des Industriestandards TIER (TIER I für geringe Verfügbarkeitsanforderung bis TIER IV für höchste Verfügbarkeit)
  • Permanente Überwachung der IT-Basisinfrastruktureinrichtungen und der IT-Systeme/ Applikationen.
  • Proaktives Lifecyclemanagement für alle Systeme der IT-Basisinfrastruktur (z.B. Batterien einer USV) als auch für die eingesetzten IT-Systeme
  • Optimierte Auslastung aller Systeme (hoher Wirkungsgrad)
  • Redundante Systeme laufen auf StandBy; Zuschaltung erfolgt bei Bedarf automatisiert
  • zusätzlich alternative Lösungen zur Reduktion des Energieverbrauchs (z.B. Absorptionskälte)
  • Bedarfsgerechte Bereitstellung der RZ-Ressourcen auf der Grundlage der geforderten Verfügbarkeit, z.B. mehrere Standorte mit verschiedenen TIER-Klassen für Produktions-, Integrations- und Testumgebungen.

IT-DIRECTOR: Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?
R. Hey:
Dies wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre für die RZ-Betreiber, da die Leistung rund um die Uhr benötigt wird. Es ist absehbar, dass dafür zukünftig immer mehr Ersatzanlagen (NEA, USV und auch neue Technologien) in den Fokus rücken.

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