Bau von Rechenzentren

Stromsparen mit neuer RZ-Architektur

Im Interview erläutert Gunter Papenberg, Strategy & Marketing Director beim ­Rechenzentrumsbetreiber Maincubes One GmbH, worauf man bei der Planung, dem Bau und dem Energiemanagement neuer Rechenzentren vor allem achten sollte.

Gunter Papenberg, Maincubes One

Gunter Papenberg, Maincubes One

IT-DIRECTOR: Herr Papenberg, Ende August erfolgte die Grundsteinlegung des neuen Rechenzentrums von Maincubes One in Offenbach. Was ist das Besondere an diesem Bauvorhaben?
G. Papenberg:
Es handelt sich um ein neuartiges Rechenzentrum. Allein die Architektur und der Bau wurden so noch nie realisiert. Wir haben bereits bei der Planung und Architektur konsequent neue Wege beschritten, um ein Rechenzentrum im Betrieb noch optimaler und effizienter zu gestalten. Dafür erhielten wir den deutschen Rechenzentrumspreis für visionäre RZ-Architektur. Der Standort Offenbach bei Frankfurt hat unterschiedliche Gründe. Erstens befinden wir uns hier in einem der wichtigsten Wirtschaftszentren Europas. Zweitens haben wir den Baugrund der Energieversorgung Offenbach abgekauft und sind damit in unmittelbarer Nähe zu einem Energieversorger sehr gut mit Strom ausgerüstet. Drittens liegt einer der international größten Internetknoten, der De Cix, nur rund 800 Meter von unserem Standort entfernt.

IT-DIRECTOR: Das neue Data Center wird quasi auf der „grünen Wiese“ errichtet – welche aktuellen RZ-Konzepte und -Technologien nutzen Sie dafür?
G. Papenberg:
Damit unterscheiden wir uns vom Wettbewerb und sind bereits bei der Planung einen entscheidenden Schritt weiter gegangen. So ermöglicht uns das neue architektonische Konzept eine höhere Auslastung. Es gibt keine störenden Säulen in den Räumen, wodurch wir mehr Stellfläche als üblich erhalten. Das Rechenzentrum ist modular aufgebaut, um beispielsweise auch unterschiedliche Klimaanforderungen für verschiedene Kunden zur Verfügung zu stellen. Um das Optimum zu erreichen, wurden im Vorfeld beispielsweise Luftströme und Wege berechnet, simuliert und optimiert sowie dann umgesetzt und entsprechend gebaut.

IT-DIRECTOR: Mit welchem PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) kann das neue Rechenzentrum voraussichtlich betrieben werden? Wie viel Strom wird das RZ dabei im Durchschnitt verbrauchen?
G. Papenberg:
Die Effizienz eines Rechenzen-trums hängt stark von dessen Kühlung und somit vom Kühlkonzept ab. Der PUE-Wert ist der Koeffizient aus benötigtem Strom für die IT-Komponenten und dem zusätzlich benötigten Strom für Nebenaggregate. Je mehr sich dieser Koeffizient an die Zahl 1 annähert, desto effizienter ist das Rechenzen-trum. Nun ist die Bestimmung des PUE-Wertes nicht genormt. Viele Anbieter geben für den kurzfristig gemessenen PUE einen Momentwert an, an dem besonders günstige Bedingungen herrschen, beispielsweise im Winter, wenn die Freiluftkühlung wesentlich effizienter arbeiten kann. Wir hingegen garantieren einen PUE von unter 1,30 oder geringer – und das über das Jahresmittel hinweg gerechnet. Das bedeutet keine Sprungwerte für unsere Kunden in den Sommermonaten. Hier reden wir von hohen Einsparungen für jeden Kunden. Generell können die Kunden helfen, ihre Kosten zu senken, indem sie Systeme einsetzen, die wärmer betrieben werden können, was einen PUE von bis zu 1,19 im optimalen Bereich ermöglicht.

IT-DIRECTOR: Welche Klima- und Kühlkonzepte sind die Grundlage für diesen niedrigen PUE-Wert und damit für die Senkung der Energiekosten?
G. Papenberg:
Wir arbeiten mit indirekter freier Kühlung. Die Grundlage für den niedrigen PUE ist die Nutzung der Technologien in Verbindung mit der neuen Architektur. Optimale Luftströme helfen, die aktive Kühlung zu reduzieren. Die Nutzung der auf Basis von radförmig aufgebauten Wärmetauschern eingesetzte Kühlung (Kyoto-Kühlung) verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

IT-DIRECTOR: Welche Security-Maßnahmen zeichnen das neue Data Center aus?
G. Papenberg:
Hinsichtlich des Standorts haben wir in Offenbach ein Gebiet, das weder überschwemmungs-, erbebenbedroht noch sonstigen potentiellen Naturkata-strophen ausgesetzt ist. Aktiv haben wir alles getan, um das RZ sicher vor einem Zugriff von außen zu ­gestalten. Es kommen Videoüberwachung, Zugangskontrollen, aber auch moderne Technologien wie ­Venenscanner für die Zugangskontrolle zum Einsatz.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Strategien wollen Sie nationale und internationale Kunden ansprechen?
G. Papenberg:
Erstens kooperieren wir mit Herstellern von IT-Hardware, die als Multiplikatoren agieren. Zweitens sind Systemhäuser eine wichtige Komponente in der Vertriebsstrategie, die als Reseller oder Solution-Partner aus unseren Standorten heraus auftreten. Drittens sind es die IT-Service-Provider wie DTAG, IBM oder andere, die wiederum ihre Leistungen der Wirtschaft anbieten. Wir wollen hier den Kunden wie auch verschiedenen Wirtschaftszweigen eine international agierende, aber mit dem Motto „Alles aus einer Hand anbietenden“ Business Community bieten. Langfristig sehen wir uns in Verbindung mit unserem Channel als Plattform für neue Dienstleistungen und Technologien.
Zur Strategie gehört aber auch die direkte Ansprache von Unternehmen. Hier sprechen wir mittelständische und große Unternehmen in Deutschland wie auch international an, die einen hohen Bedarf an IT-Infrastruktur haben. Weiterhin adressieren wir auch internationale Unternehmen, die vorzugsweise aus dem IT-Dienstleistungssektor stammen. Ergänzende Leistungen realisieren wir ausschließlich über Partner.

IT-DIRECTOR: Welche globalen Pläne gibt es?
G. Papenberg:
Wir wollen ein wichtiger internationaler Player sein. Bereits im Mai 2016 haben wir unser Netzwerk um ein Rechenzentrum in Schiphol bei Amsterdam erweitert. Als mögliche künftige weitere Standorte sind beispielsweise Niederlassungen in Frankreich, Italien, Benelux oder in Osteuropa denkbar.

IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Zukunft: Für welche Services soll das neue Rechenzentrum genutzt werden?
G. Papenberg:
Wir bieten die Basis für einen sicheren IT-Betrieb in einem hochleistungsfähigen Rechenzen-trum. Maincubes One in Frankfurt/Offenbach ist in erster Linie für gehobene Mittelständler und große internationale Unternehmen prädestiniert. Banken, Versicherungen, Dienstleister oder Service-Provider werden die Sicherheit und Leistungsfähigkeit schätzen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Inwieweit werden weitere Services angeboten?
G. Papenberg:
Wir bieten hier von Anfang an ein Data Center Infrastructure Management (DCIM), was die RZ- mit den IT-Komponenten koppelt. Durch diese Integration können Rechenzentren effizienter betrieben werden. Hub-Koppelungen zu AWS, Azure-Connect oder Börsen ermöglichen wir nach Kundenwunsch.

Bildquelle: Maincubes

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