Energieversorgung: Interview mit Andreas Sturm, Verne Global

Stromversorgung trotz fluktuierender Energieströme

Wie sich die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums, das seinen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen bezieht, garantieren lässt, erklärt Andreas Sturm, Sales Director Central Europe bei Verne Global, im Interview.

Andreas Sturm, Sales Director Central Europe bei Verne Global


IT-DIRECTOR: Herr Sturm, „Green IT“ ist auf dem Vormarsch, auch und vor allem in Rechenzentren. In welchen Bereichen der Rechenzentren lässt sich generell am meisten Energie einsparen und welche Bereiche sind im Gegensatz dazu gar nicht von Einsparungen betroffen?
A. Sturm:
Es gibt viele Bereiche, in denen man ansetzen kann, aber die entscheidendsten Punkte sind der Ort des Rechenzentrums und die Quellen, aus denen der Strom für die Server bezogen wird. In unserem Fall mit unserem RZ-Campus in Island wirkt sich das gleich doppelt aus – der Strom dort stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen und kostet nur einen Bruchteil von dem, was wir in Deutschland bezahlen würden; außerdem ermöglicht uns das Klima vor Ort auf Kälteanlagen zu verzichten – und diese machen nach einer aktuellen Untersuchung von Green Grid immerhin 37 Prozent des Stromverbrauchs in einem modernen Rechenzentrum aus.

IT-DIRECTOR: Um wie viel Prozent lässt sich tendenziell Energie in einem optimierten Rechenzentrum einsparen?
A. Sturm:
Das hängt sehr stark vom Design und dem Ort des Rechenzentrums ab. Neben den 37 Prozent, die bei den meisten für Kühlung drauf gehen, gibt es noch weitere Ansatzpunkte.

IT-DIRECTOR: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn ein neues, energieeffizientes  Rechenzentrum gebaut wird? Welches sind die wichtigsten Schritte bei einem geplanten Umbau?
A. Sturm:
Die wichtigste Entscheidung ist dabei nicht unbedingt wie, sondern wo gebaut wird. Denn im Idealfall baut oder verlagert man sein Rechenzentrum dann an einen Ort, an dem man durch das Klima bedingt auf Kühlung verzichten kann und an dem Strom aus erneuerbaren Energiequellen zur Verfügung steht. Dadurch lässt sich die Energieeffizienz erhöhen und der CO2-Austoss nachhaltig senken.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Kosten sind Umbauarbeiten verbunden?
A. Sturm:
Das lässt sich nicht genau beantworten, da zu viele Faktoren eine Rolle spielen – wo befindet sich das Rechenzentrum, wie alt sind die verbauten Server, kann man ganz oder teilweise auf künstliche Kühlung verzichten etc.

IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum, welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf? Welchen Wert streben Sie künftig an?
A. Sturm:
Der PUE-Wert schwankt bei uns von je nach dem, was unsere Kunden in ihren Bereichen verbaut haben. Der PUE des gesamten Campus liegt derzeit bei 1.12.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums gewährleisten? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
A. Sturm:
Eine der wichtigsten Maßnahmen hierzu ist es, eine redundante Stromversorgung zu gewährleisten. In unserem Fall ist die Energieeffizienz davon jedoch kaum betroffen, da wir in Island die einmalige Möglichkeit haben, zwei erneuerbare Energiequellen zeitgleich zur Versorgung heranzuziehen – Strom aus Geothermie und Wasserkraft.

IT-DIRECTOR: Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?
A. Sturm:
Wenn eine redundante Stromversorgung möglich ist und man sich auf ein modernes Stromnetz verlassen kann, sind fluktuierende Energieströme kein Problem. Aber auch hier profitieren wir von unserem Standort – Island produziert Strom im Überfluss, vor allem für die ansässige Leichtmetall-Industrie, daher sind etwaige Schwankungen für uns eigentlich nicht spürbar.

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