Schweizer Suchmaschine bietet Datenschutz

Swisscows will Google-Marktanteile

Interview mit Andreas Wiebe, Geschäftsführer von Swisscows, einem Schweizer Suchmaschinenanbieter, über Datenschutz und Sicherheit bei der Internetsuche sowie darüber, wie man Google künftig Marktanteile abluchsen möchte

Andreas Wiebe, Swisscows

Andreas Wiebe, Geschäftsführer des Schweizer Suchmaschinenanbieters Swisscows

IT-DIRECTOR: Herr Wiebe, haben kleinere Anbieter von Suchmaschinen in Anbetracht der Marktmacht von Google überhaupt den Hauch einer Chance?
A. Wiebe:
Natürlich ist Google mächtig, aber dies sollte keine „Das ist schon okay“-Haltung erzeugen. Denn mit dieser Einstellung wären Innovationen kaum möglich, und wir würden heute noch in einer Benzinkutsche von Carl Benz fahren, nicht aber in einem BMW oder Audi. Als Google vor über 20 Jahren entstand, war Yahoo bereits börsennotiert und erfolgreich – trotzdem hat Google letztlich mehr Erfolg gehabt.

Erfolgreiche Emporkömmlinge wird es sicherlich immer geben – denn Menschen brauchen Innovationen. Zudem ist Google kaum das einzige innovative Unternehmen der Branche. Selbst Erik Schmid, Executive Chairman von Google, betonte kürzlich in einem Interview, dass in der IT jederzeit ein Wettbewerber irgendwo in der Garage als neuer mächtiger Anbieter geboren werden kann. So war Amazon noch vor zehn Jahren kaum bekannt, heute bezeichnet Google selbst das Unternehmen als mächtigsten Mitbewerber.

IT-DIRECTOR: Welche gesellschaftlichen und politischen Folgen hat dieser ungleiche Kampf zwischen den Suchmaschinen? Google besitzt schließlich in Deutschland einen Marktanteil von über 90 Prozent ...
A. Wiebe:
Deutschland und die gesamte EU haben die Entwicklungen verschlafen. Google ist in den USA – dem eigenen Heimatland – wesentlich schwächer positioniert als hier vor Ort. Dort beträgt der Marktanteil nur 68 Prozent. Deutschland hat eigene Innovationstreiber nicht unterstützt und es sich bequem gemacht. Wenn wir nach Russland schauen, so ist dort Yandex mit über 90 Prozent im Markt, in China wird Baidu mit ähnlich hohem Anteil verwendet. Das ist enorm – dort ist Google ein ganz kleiner Marktteilnehmer.

Es ist aber nicht nur die Politik schuld, sondern auch die Nutzer rennen Trends aus dem US-amerikanischen Ausland – sei es Google, Facebook oder Whatsapp – hinterher. Hier sollte die EU generell gemeinschaftlich Innovationen fördern, statt sich in wüsten Normungen von Gemüse zu ergehen. Damit wäre zumindest eine bessere Ausgangslage gegeben.

Erstaunlicherweise ist das Verhalten der Bevölkerung: Während manche Technikthemen deutliche Proteste nach sich ziehen, ist eine voreingestellte Suchmaschine auf Mobilgeräten oder eine wissentliche dauernde Auswertung der persönlichen Daten durch Google, Android, Google Mail und anderen Diensten gesellschaftlich akzeptiert. Doch je weniger wir alternative Modelle fördern und nutzen, umso mehr werden wir von den „Monopolisten“ abhängig. Zudem werden wir auch immer manipulierbarer – was für den heutigen Online-Werbebereich bereits gilt.

IT-DIRECTOR: Welches Potential sehen Sie vor diesem Hintergrund überhaupt für Ihre eigene Suchmaschine?
A. Wiebe:
Wir sehen Marktchancen, wobei es ein Kampf ums Überleben ist. Doch auch hier gilt: Wer nicht wagt, der gewinnt auch nicht. Dabei sind wir innovativer, als man es sich heute vorstellt. Denn da wir erst vor vier Monaten gestartet sind, ist so manches noch nicht sichtbar. In Zukunft jedoch werden die Unterschiede deutlicher zu sehen sein.

Hinter Swisscows steht unser Unternehmen Hulbee. Wir kommen aus dem Enterprise-Segment und analysieren in diesem Zusammenhang bereits seit Jahren Informationen für Unternehmen, wobei Firmendaten weit komplexer sind als Webinhalte. Alle Innovationen, die wir im Unternehmensumfeld umgesetzt haben, werden wir auch im Internet umsetzen. Diese Strategie arbeitet anders als die von Google, dessen Technologie im Kern 20 Jahre alt ist. Unsere Suchlösung arbeitet semantisch und unser Suchindex ist darauf ausgelegt, nicht nur Antwortmöglichkeiten, sondern Antworten zu geben. Schon jetzt denkt unsere „Data Cloud“ für den Nutzer einen Schritt weiter und bietet auf einen Klick Erweiterungen zum Suchbegriff an.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Mitteln wird im Suchmaschinenmarkt auf der einen Seite um Nutzer und auf der anderen Seite um Werbekunden gekämpft?
A. Wiebe:
Das ist eine gute Frage, denn genau an dieser Stelle überschneiden sich die Interessen. Konzentriert man sich allein auf den Nutzer, muss man dennoch die Sicht der Werbekunden bedenken. Denn generell ist die Speicherung von Nutzerdaten ein heikles Thema – für werbende Unternehmen ist dies jedoch wertvoll, für Kunden eine Unsicherheit. Fokussiert man zu deutlich auf die Werbekunden, verliert man den Nutzer.

Vor diesem Hintergrund legen wir den Fokus auf den User und speichern somit auch keine Nutzerdaten. Unser Ziel ist es, das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen und dadurch viele Besucher auf Swisscows zu bringen. Sobald die Werbetreibenden begreifen, dass unsere Suchmaschine als Werbeplattform interessant ist, werden diese unsere Ambitionen, „Nutzer zu schützen“ verstehen und bei uns werben. Ihre Werbung wird erfolgreich sein, denn sie erreicht den Kunden direkt mit seiner Suche, ist aber eindeutig gekennzeichnet. Darüber hinaus reichen die auch ohne Speicherung von Nutzerdaten möglichen Analysen aus, um Reichweitenbestimmungen und ähnliches durchzuführen. In der Schweiz haben sich bereits größere Unternehmen entschieden, bei uns zu werben.

IT-DIRECTOR: Die Unternehmens-IT gibt oft vor, welchen Browser die Mitarbeiter nutzen dürfen. Sollte es solche Vorgaben auch für Suchmaschinen geben?
A. Wiebe:
Diese Entscheidung obliegt natürlich der IT-Leitung im Unternehmen. Ich persönlich würde vor Chrome als Google-eigenem Browser warnen. Der Browser ist ein Fenster nicht nur ins Web, sondern auch umgekehrt ein mögliches Fenster in das Unternehmen. Die Nutzung der Suchmaschine ist ebenso ein Sicherheitsrisiko. Wenn ein DAX-Konzern systematisch auf Suchbegriffe untersucht wird – was aufgrund der IP-Nummernblöcke kein Problem ist – kann sehr präzise festgestellt werden, ob Probleme oder besondere Absichten wie Unternehmensübernahmen oder neue Entwicklungen vorliegen. Möglichen Neuentwicklungen kommt man etwa auf die Spur, wenn man auf häufige Recherchen zu bereits bestehenden Patenten stößt: Sucht also die BMW-Entwicklungsabteilung nach Wasserstoffantrieben, kann leicht ermittelt werden, dass ein solches Fahrzeug in Planung ist. Solche Dinge sollten durch die hauseigene IT dringend unterbunden werden, denn es handelt sich genau genommen um eine offene Tür zur Wirtschaftsspionage.

IT-DIRECTOR: Google oder auch andere Suchmaschinen legen ihren Algorithmus nicht offen. Wie handhaben Sie das?
A. Wiebe:
Wir tun dies ebenso nicht. Denn es handelt sich um unser geistiges Eigentum, das wir auch vor den Wettbewerbern schützen müssen. Sobald der Algorithmus offenliegt, kann er kopiert werden und das Alleinstellungsmerkmal unserer Suchmaschine wäre dahin.

IT-DIRECTOR: Planen Sie eigentlich auch, eine App Ihres Dienstes auf den Markt zu bringen?
A. Wiebe:
Ja, da mobile Betriebssysteme wie Apple iOS nicht zulassen, außer den voreingestellten Suchdiensten andere zu nutzen, ist eine App für uns eine ideale Lösung. Die Entwicklung läuft bereits; in Kürze werden wir die App vorstellen und damit auch Mobilgeräte bedienen können. Von Vorteil ist dann unsere „Data Cloud“, da das Kachelsystem der intuitiven Bedienung eines Touch-Displays entgegen kommt. Suchprozesse können also schneller funktionieren, was wiederum dem Nutzer entgegen kommt.

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